ist , den Franziska liebt ? Habt Ihr Euch in Eurer tollen Weisheit so hinter ' s Licht führen lassen , daß Ihr nicht merktet , daß er sie vergöttert und sie bis an ' s Ende der Welt aufsuchen würde , wenn es hieße , sie ist in Hamburg , in London ... wo weiß ich , Ihr alter Sünder Ihr ! Murray blieb auf diese Worte in einer eigenthümlichen Stellung sitzen . Er hatte das linke Bein über das rechte gelegt und hielt es mit beiden Händen , unruhig an ihm rüttelnd , fest . Es schien , als müßte er durch diese Bewegung eine große innere Unruhe im Zaume halten ... Dieser Louis Armand ist es , fuhr Rafflard fort , dessen communistische Träumereien hiesigen achtbaren Familien , mit denen er in Verbindung steht , die größten Gefahren drohen . Wenn etwas ihn entfernen kann , etwas ihn in die Welt jagt , um sich zu ändern , zu bessern , Menschen kennen zu lernen , so ist es die Unruhe über das Loos jenes Mädchens , das er zu heirathen entschlossen ist . Es ist ein Werk der Sittlichkeit , der Erziehung , der Besserung , das Ihr fördern solltet , Murray , und so verkehrt habt Ihr es angefaßt ! Nun denn , sagte Murray ruhig . Warum wart Ihr nicht gleich gegen mich offen , Herr ? Was erhalt ' ich , wenn ich heute Abend mit Franziska Heunisch nach dem Walde von Hohenberg abreise und morgen früh Louis Armand es ist , der uns dorthin folgt ? Das ist nichts , sagte Rafflard . Auf Monate muß er entfernt bleiben . Entführt das Mädchen , wohin Ihr wollt ! Louis Armand muß weit weg avisirt werden . Wie aber , wenn Louis Armand den ganzen Winter aus freien Stücken auf dem Schlosse Hohenberg bliebe ? Rafflard horchte auf ... Murray zog seine Brieftasche , öffnete sie langsam und nahm ein Billet heraus , das er dem , jeder seiner Bewegungen erstaunt folgenden spinnenbeinigen Professor mit den Worten überreichte : Der Bravo lauerte hinter einem Baume , an dem sich sein Opfer eben selbst erhängt ! Von wem ist das Billet ? fragte Rafflard befremdet wieder über das Wort Bravo ... Louis Armand empfing es gestern Abend um die zehnte Stunde . Rafflard las : » Mein theurer Louis , soeben komm ' ich vom Schloß . Der König und seine ganze Familie haben mir ein Vertrauen bewiesen , das ich ehren muß . Mein Programm ist angenommen . Es kommt nur noch darauf an , Männer zu finden , die sich in meine Ideen einzuleben vermögen und meine Collegen werden . Sind diejenigen Namen , die selbst eine Politik vertreten möchten , zu stolz , sich meinen Ansichten zu fügen , so befiehlt der Monarch einigen Bureauchefs , sich meinen Befehlen unterzuordnen . Jetzt , Louis , hab ' ich eine Bitte ! Die Geschäfte des Staates werden mich so in Anspruch nehmen , daß ich mich meinen eignen Angelegenheiten völlig entziehen muß . Erweise mir die Gefälligkeit und reise in meinem Auftrage nach Hohenberg ! Es wäre mir lieb , wenn du schon morgen gingest . Ich muß wissen , wie es dort aussieht , was der neue Generalpächter beginnt , ich habe Ursache , auf die Wiederherstellung meiner äußeren Verhältnisse den größten Werth zu legen . Sollte ich bei der Überfülle der Zumuthungen , die mir jetzt werden gestellt werden , dich , meinen theuersten Gefährten und Bruder , nicht mehr sehen können , so entnimm vom Banquier von Reichmeyer Alles , was du zur Bestreitung dieser Reise bedarfst . Beaufsichtige den Zustand meines ganzen kleinen Fürstenthums , den ich nicht länger vernachlässigen will ! Nimm dir Zeit dazu und sorge , daß für das bevorstehende Frühjahr Alles so in Angriff genommen wird , als es nöthig ist , um mit Ackermann einverstanden zu bleiben . Lebe wohl , Louis ! Der unsichtbare Genius , der uns verbunden , schütze dich und mich ! Dein Egon ! « Rafflard ' s Mienen verklärten sich sonnenhell . Einen solchen Einblick in die innersten Angelegenheiten seines ihm so feindseligen Zöglings hatte er nicht erwartet ! Wo habt Ihr das Billet her , Murray ? fragte er und hustete sich aus . Das Bücken beim Lesen hatte ihn angegriffen . Von Louis selbst ! sagte Murray in seinen früheren dumpfen brütenden Ton zurückfallend . So vertraut seid Ihr mit ihm ? Ea war zehn Uhr Abends , als dieser Brief ankam . Ich hatte drei Stunden mit ihm allein gesessen ... Drei Stunden ... Ich hatte ihn traurig gefunden ; denn er nahm Abschied von einem Freunde , Namens Siegbert Wildungen , der nach einem Dorfe Schönau reist - . Schönau ? In der That ! rief Sylvester mit großer Befriedigung ... Er nahm Abschied von einem anderen Freunde , Namens Dankmar Wildungen , der einen wichtigen Proceß in erster Instanz verloren hat und nach Angerode in Thüringen reist , um sich neue Hülfsmittel zu einem großen Unternehmen zu holen und eine kranke Mutter zu sehen ... Murray ! Du bist ein Freudenbote ! Er nahm Abschied von einem Geistlichen , Namens Rudhard , der in diesen Tagen die Residenz mit der ganzen Wäsämskoi ' schen Familie , die Fürstin ausgenommen , verlassen will ! Rafflard stand auf . Dieses natürliche Lösen der Kette , die sich um Egon geschlungen hatte , erwartete er nicht ... Ich fand Louis Armand , fuhr Murray fort , gestört , unglücklich , in Thränen . Ich wollte ihn zerstreuen , trösten . Ich bin unglücklich mit meinen Tröstungen . Als es zehn Uhr schlug , kam dieser Brief ... Er wird gehen ? Er ist schon fort . Morgen , wenn ich eine Todte begraben habe , folg ' ich ihm mit Franziska Heunisch ... Ihr mit dem Mädchen ? Warum nicht ? Euch vertraut er sein Theuerstes ? Mir nicht , warum nicht mir ? Murray