hinunterblicken konnte ... Auf dem Herd unten lagen verglimmende Kohlen ... Eine enge steinerne , abgetretene Treppe führte nach oben hinauf ... Sollte sie sie besteigen ? ... Sie sah sich erst nach einer Klingel um ; die Alte folgte ihr schon dicht auf der Ferse und sprach nichts und betrachtete sie nur neugierig ... Da wurde Armgart von oben angerufen und begrüßt ... Es war Hedemann ' s Stimme ; aber sie sah ihn noch nicht ... Nur die Füße bemerkte sie ... Sie mußte erst durch eine Fallthür den Kopf stecken , bis sie Hedemann von Angesicht sehen konnte ... Fräulein Armgart , Sie sind es - ? rief er ihr entgegen und reichte ihr die Hand , sie emporzuziehen ... Hier sind Sie ja wie in einem Gefängniß ... sagte sie ... Das war hier auch ehedem so etwas ! sagte Hedemann ... Der Thurm gehörte zur Vogtei ... Hedemann schien hocherfreut von diesem Besuch und setzte hinzu : Aber darum ist es hier doch ganz angenehm ! Kommen Sie nur näher ! ... Hedemann öffnete ein Gemach , das in der That warm und behaglich war . Zwar waren die Fenster kaum größer , als Schießscharten , aber da es ihrer vier waren und sie ganz hoch lagen , erhellten sie den Raum , der mit einem in einem Alkoven befindlichen Bett , einem alten Lehnstuhl , einem Tisch und einigen Stühlen besetzt war ... Tassen , Gläser standen auf einer Kommode ... Es war das Bild einer kleinbürgerlichen Wohnung ... Um den Fußboden dieses Zimmers selbst zu betreten , mußten dann beide innenwärts noch einige Stufen hinuntersteigen ... Armgart war glücklich , Hedemann hier oben allein sprechen zu können ... Sie warf ihren Muff ab , band den Hut auf , lüftete den Mantel und rückte sich dem behaglichen halb eisernen , halb Kachel-Ofen näher , um die Füße zu wärmen ... Hedemann begleitete alle diese Bewegungen mit den Worten : Nun , das ist gut ! Das ist gut ! ... Was ist gut , Hedemann ? ... Daß Sie nicht in Westerhof bleiben ! Heute kommt Ihre Mutter ! ... Sie wissen - ? ... Und der Vater ? ... Das ist recht , Sie halten am Vater ... An Vater und Mutter ! Wie Sie ' s immer ja selbst sagten ... Aergert dich aber dein Auge , so reiß es aus ! ... Mit der Mutter können Sie nicht gehen , ohne den Vater zu kränken ... Ich weiß es ... Und wann kommt der Vater ? ... Ich denke , jede Stunde ... Sie sind ein gutes Kind - In Ihren Jahren gehören Sie dem Vater ! ... Ich will zu den Clarissinnen gehen , Hedemann , und dort so lange warten , bis mich beide abholen ... Da würden Sie den Schleier nehmen müssen ! Daß beide zusammen kommen , würde lange dauern ... Nun , dann - dann thäte es ja auch so - vor Gott nichts ... Hedemann wallte über dies Wort auf und schien von plötzlichen Gedanken ergriffen ... Haben Sie schon gegessen ? fragte er ... Essen und Trinken lehnte Armgart ab ... Kommen Sie hinüber in mein Häuschen ... Benno und Herr de Jonge speisen heute nicht bei Tangermanns , sondern gönnen mir die letzte Ehre ... Vielleicht überrascht uns zum Nachtisch - der Oberst ... Hedemann ! ... Ich darf nicht ... Sie bleiben dann auch gleich drüben ... Bei Ihrem Vater ! ... Ja , dessen Schild und Ehrengarde müssen Sie nun werden ! ... Sie wissen ja schon von Lindenwerth , wie ich über alles das denke ... Der Vater will keine Versöhnung ... Ich aber will sie ... Läßt sich ein Mann vorschreiben ? ... Aber die Mutter ... Umstrickt Sie ! Auf Westerhof ist gestern das große Loos gezogen ! Die Urkunde hat sich gefunden ... Da mag es hoch hergehen ... Bleiben Sie getrost bei Ihrem armen gekränkten Vater ... Hedemann - Sie sind jetzt alt ? - Sechszehn Jahre - denk ' ich ... Warten Sie , ich kann es bis auf die Minute sagen - Hedemann nahm ein Buch , das unter den Tassen und Gläsern lag und an seinem Einband schon als die Bibel zu erkennen war ... Hier stehen sie alle , die zu meiner Familie gehören ! ... Auch Sie gehören dazu ... Guter Hedemann ! ... Aber hier kann ich nicht länger bleiben ... Sie - bleiben hier ... Ich gehe nicht nach Westerhof zurück ... Das versprech ' ich ... Aber ich will ins Kloster ... Ins Kloster ! Was da ! Sie bleiben bei Ihrem Vater ! Da steht auch Buch Sirach : » Bleibe treu dem Freunde in seiner Armuth ! « ... Armuth ? ... Arm und reich macht Liebe , Ehre , Anerkennung , Gerechtigkeit ... Armgart , Sie müssen jetzt zum Vater halten ! Sie müssen die Netze der Mutter fliehen ! Westerhof sogar , die Tante , den Onkel , alle , die den Obersten lästern ... Die Rede Ihrer Mutter wird süß sein , gewiß ... Erst aber müssen Sie dem Vater in die Arme fliegen - wie die Tochter Jephtha ' s , da er die Feinde geschlagen ! Sela ! ... Sechszehn Jahre , drei Monate und sieben Tage sind Sie alt ! Da steht ' s ! ... Das kann ich nicht , Hedemann ! sprang Armgart jetzt auf ... Denn sie erschrak vor der seltsamen Entschiedenheit des Mannes ... Wie könnt Ihr mir rathen , so meiner Mutter weh zu thun ? ... » Der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen ! « spricht Paulus - sondern - doch wohl umgekehrt ... Hedemann , adieu ! Schickt den Vater zu den Clarissinnen ! Ich folge ihm nur , wenn er mit der Mutter kommt ! ... Der Rath des Herrn bleibt ewiglich ! Sela ! ... Mit diesen Worten machte Hedemann einen gewaltigen Schritt auf die vier oder