mit seinem Stuhle ungeduldig hin und her und riß zornig seine Augen auf ... Ihr singt so schön , sagt ' ich dem Mädchen , fuhr Murray in ungestörter Ruhe fort . Ihr singt so schön , mein gutes Kind , und ich muß Euch danken , daß Ihr meine Hoffnung damit aufrichtet . Was ist Das für ein Lied , das Ihr eben sangt ? Da nannte sie einen Franzosen , Louis Armand , der es gedichtet hat ... Rafflard horchte beruhigter . Diese Mittheilung schien ihm nicht ganz ungehörig zu sein . Ich bat um die Strophen , fuhr Murray fort , und sie gefielen mir . Das waren Worte , wie sie im Herzen des fühlenden Freundes der Armen widerklingen müssen . Louise Eisold hatte sich selbst dazu eine Weise erfunden . Es war Schwung darin , Rhythmus , Harmonie ... Wetter ! sprang Rafflard auf und stand wie starr über diese gebildeten Worte . Treibt Ihr Musik ? fragte er tonlos . Was ist Das ? Murray besann sich , stockte eine Weile und sagte dann : Eh ' ich meinen Ältern davon lief , hatten sie viel auf mich gewandt . Ich strich die Violine und verstand mich besonders auf die Doppelgriffe ... Ha ! Ha ! lachte Rafflard , der den Doppelsinn auffaßte , den Murray mit schlauer Miene absichtlich in die musikalische Terminologie legte , und sich beruhigte ... Seitdem , fuhr Murray fort , schätz ' ich Louis Armand und wünschte , ihn kennen zu lernen . Die Gelegenheit fand sich . Das Vertrauen , das Ihr mir geschenkt habt , Herr , führte mich dem Fränzchen Heunisch in die Nähe . Gestern früh macht ' ich des Dichters persönliche Bekanntschaft . Und ... Es war nach zehn Uhr . Er kam verstimmt nach Hause . Ich hörte ihn von dem Zimmer aus , das ich mir für acht Tage gemiethet hatte . Ich ging zu ihm und fand einen jungen , gefälligen Mann ... Wozu gefällig ? Erst sprach ich von seinem Gedicht , von Louise Eisold , ihren Geschwistern und was sich so ergibt aus der kleinen Welt , in der diese Menschen leben . Dann kam auch Heinrich Sandrart ... Was wollt Ihr denn mit ... Der junge Mann , der seine Eltern so bekümmert ? Ich bin auf der Folter ... Louis Armand gestand es ja ein . Gestand es ein ? Was ? Daß Heinrich Sandrart Fränzchen liebt . Und als ich ihm den Wunsch der Eltern oder Verwandten aussprach , durch eine Entfernung Fränzchen ' s auch Heinrich Sandrart zur Vernunft zu bringen , erbot er sich , mir um so mehr die Hand zu reichen , als eben an ihn ein Brief von dem Onkel des jungen Mädchens angekommen war ... Welcher Onkel ? Den Ihr kennt ! Ihr kennt ja die Verwandten ? Herr ! Murray ! Murray ! Ihr habt klüger sein wollen , als ich ... Herr , sagte Murray , ich habe Gewalt vermeiden wollen . In Teufels Namen , wenn Sie einem Banditen sagen : Stich Den und Den nieder und der Bezeichnete ist eben im Begriff , sich selbst an den nächsten Baum aufzuknüpfen , wird der Bandit ein Esel sein und erst noch einen überflüssigen Mord auf seine Seele laden ? Der Onkel schreibt an Louis : Veranlassen Sie Fränzchen zu mir zu kommen ! Ich bin nicht wohl ! Die Ursula Marzahn will sterben . Fränzchen soll nur diesen Winter bei mir bleiben ... Die Ursula Marzahn , Herr , darf nicht sterben ! Wissen Sie , Herr , sie darf nicht ! Kennen Sie die Ursula , Herr ? Damit war Murray aufgesprungen und hatte sich dicht vor Rafflard hingestellt , der nicht wußte , wie ihm geschah . Er sah die Aufregung des Alten und mußte ihn , aus Furcht , ihr Gespräch dürfte zu laut werden , gewähren lassen . Murray besann sich und nahm wieder Platz . Nach einer Weile , währenddem Rafflard nicht mehr wußte , was er aus seinem Gegenüber machen sollte , fuhr dieser fort : Ist einmal Franziska im Hohenberger Walde , so nimmt Sandrart , dem es schon längst in seiner bunten Jacke zu eng ist , den Abschied und der Zweck , den Ihr wollt , ist erreicht . Nicht so , Herr ? Rafflard erhob sich jetzt und warf seine Zuckerdose ärgerlich auf den Tisch . Welch ' ein Thor Ihr seid , Alter ! rief er . Welche alberne , kindische Geschichte Ihr erfunden habt ! Wer hat Euch denn gerathen , weise zu sein , nachzudenken , Finessen zu machen ! Wenn Leute Eures Schlages diplomatisch werden wollen , kommt nur Verkehrtes an den Tag . Sie soll fort ! Heute noch ! Und Der , der Ihr folgen soll , Der , den sie liebt und der sie wieder liebt , ist nicht der Soldat da , sondern ... Ha ! Ha ! Ich weiß es , rief Murray rasch , der , der sie liebt , ist ein Sprachlehrer , Namens Sylvester ... Rafflard wandte sich , um nicht sein Erschrecken zu verrathen . Herr Sylvester ! fuhr Murray fort . Ja ! Ja ! Sie hat ihn auf dem Fortunaballe kennen gelernt . Er hat ihr Sprachunterricht geben und sie verführen wollen . Herr , dieser Sylvester ist es ! Eine lange Figur , schwarze Perrücke , auch die verdammt kleine Nase , auch das Kinn des Pavians ... wie ich sehr vermuthe , der Doppelgänger des Signor Barberini , Herr ... Meinen Sie nicht ? Es ist Der ? Rafflard , ohne sich umzuwenden und von Murray auf den Spiegel gewiesen , sagte leise und zitternd : Auch Der nicht ! Zum Henker ! So sagen Sie ' s , wer es ist ! donnerte Murray . Dieser selbe Louis Armand ist ' s ! Habt Ihr , Wahnsinniger , denn nicht bemerkt , daß nur er , er es