Widerspiegelungen aus Paula ' s eigenem Innern . Glaube mir ' s ! ... Was würden wir nicht alles sagen und verrathen können , wenn wir so plötzlich den Willen und die Selbstbeherrschung verlören ! ... Paula sieht nichts , was außer ihr ist . Sie sieht nur Bilder der Erinnerung , ihres Wissens und sonstigen Ahnens und Fühlens . Sie spricht nur die Gedanken aus , die sich im Menschen unbewußt sammeln und ihm in den Mund kommen , er weiß selbst nicht wie . Wenn du träumst , Armgart , ist es dir nicht gerade ebenso ? ... Daß sie dann freilich , ohne es zu wissen , alles herausspricht , das ist eine fatale Krankheit ... Armgart dachte allen diesen Worten nach , sagte dann aber doch : Du irrst , Lucinde ! Sah sie nicht kürzlich den Vater des Domherrn ? ... Von Asselyn ? ... Warum nicht ? Sie beschrieb ihn , wie man vom Lande der Seligen träumt ... Nein , nein ! Das wirkliche Italien war ' s , wo sie ihn sah ... Terschka - bestätigte alles ... Unsere Vorstellung vom Paradiese ist - so etwas wie Italien ... sagte Lucinde , schwieg dann aber und ließ Armgart Recht behalten ... Dadurch wurde diese noch sicherer ... Dein armer Klingsohr ! fuhr Armgart fort . Der liebt dich wol noch jetzt ! Wie weit hin war der berühmt ! Noch im letzten Herbst wurden seine Aufsätze jeden Abend bei uns vorgelesen . Alle sagten dann : Das ist der Sohn des Deichgrafen ! Das ist der , der um - deine Lucinde , Paula , ins Kloster gegangen ist ! Die Tante wollte nicht , daß ich erführe , was Liebe ist , und sagte : Ach was ! Aus Schmerz um seinen Vater , aus Reue über sein Einverständniß mit dem Kronsyndikus ist er in ' s Kloster gegangen ! ... Ein Kloster ist für vieles gut - das siehst du an deiner Mutter und an dir ... sagte Lucinde ausweichend ... Also die Liebe solltest du nicht kennen lernen und nun kennst du sie ? ... Herr von Terschka liebt jetzt statt deiner Mutter - glaub ' ich - dich ... Armgart ergriff Lucindens Hand und sagte mit erstickter Stimme : Was sprichst du da ... Ich sah es ja neulich bei dem Jagdbanket - den Augen der Männer sieht man das an ! Terschka ' s Augen verschlangen dich ... Lucinde ! rief Armgart ablehnend - und ihr Auge verschlang doch auch die Augen Lucindens ... C ' est la vogue ! ... Auch Benno von Asselyn und Thiebold de Jonge lieben dich ... Armgart nannte französisch die Sprache , die Gott geschaffen hätte , Dinge zu sagen , die andere Nationen zu sagen sich schämten ... Sie sagte das eben ... Als Lucinde darüber lachte , fiel sie sich ihr abwendend ein : Wähle du dir einen davon ! ... Lucinde ging auf den Scherz ein : Hm , Thiebold de Jonge ? sagte sie ... Ei , der ist sehr reich und das ist viel werth ... Aber ... Was hilft mir ein Mann , für den ich den Verstand haben muß ! Dein Vater hat ihn aus dem Wasser gezogen , hör ' ich . Mir würde er - ewig im Sanct-Moritz liegen ... Immer müßte ich ihn an den Haaren halten ... Seine Haare sind freilich hübsch ... Nun ja , mir recht ! Um die Wahrheit zu sagen , ein rechter Mann muß ein bischen dumm oder lieber noch wild sein , dann ist ' s eine Lust , ihn ziehen und zähmen zu können ... Wahrhaftig , ich nähme den Thiebold noch lieber als den Benno ... Armgart horchte einer Sprache , die sie - für frivol hätte erklären müssen und die sie doch fesselnd fand ... Benno - der ist schön , interessant , aber - eingebildet ! fuhr Lucinde fort . Der ließe keine Frau aufkommen ... Immer würde er ihren Verstand mit Ironie behandeln ... Nein , nein , diese Männer , die sich so klug dünken - Armgart hielt Lucinden den Mund zu ... Terschka freilich - fuhr diese fort ... Das Kapitel verstehst du nicht ... Lucinde machte sich frei und fuhr fort : Terschka - das denk ' ich mir so ! Graf Hugo ist Terschka ' s Freund ... Geht Paula , deine Freundin , nach Wien , so wirst du , Närrchen , natürlich folgen wollen und da - macht sich denn alles ganz natürlich - Nach Wien ? unterbrach Armgart . Nach Wien ? Wer geht nach Wien ? ... Ich höre doch ... Sie geht in ein Kloster ... Wie ich ... Nur - daß ich schon heute gehe ... Pah ! Ihre Aufgabe , die Aeltern zu versöhnen , sagte Lucinde , ist nicht so schwer ... Es ist wahr , Ihre Aeltern hassen sich ; aber es gibt einen Haß , der der unmittelbarste Gegenpol der Liebe ist und bei günstiger Gelegenheit sogleich in Liebe umschlägt . Man haßt dann nur , weil man eben nicht liebt , das ist ein großer Unterschied vom gewöhnlichen Haß . Der gewöhnliche Haß verachtet und will gar nicht lieben . Wenn man aber weiß : Einer ist nur außer uns im Leben , der uns ganz und gar aufhebt und vernichtet ... Nun ringst du gerade mit dem und mit keinem andern ... Weicht er oder weicht er nicht ... An ihm allein missest du deine Kraft ... An ihm deinen Werth ... O , das ist ein ganz anderer Haß ... Ja schüttle dein liebes Köpfchen nur ... Du verstehst das alles noch nicht ... Tage und Wochen lang nur immer auf Einen denken , immer nur für dessen Widerlegung , wenn er uns misverstand , leben , dem zum Widerspruch , aber auch nur um Den allein das Höchste und Kühnste beginnen , malen , dichten , philosophiren , entbehren ; -