: General Arnheim . Cultus : Propst Gelbsattel . Handel und Gewerbe : Justus . Königliches Haus : Geheimrath von Harder . « Helene warf die Zeitung hin , als wär ' es ihr lieber , sie fiele gleich in die Flamme des Kamins . Sie sah nicht , daß der Bediente sie aufhob . Sie hörte auch nicht , ob er ging oder blieb . Ein sanfter Thränenstrom entfloß ihren Augen . Eine unendliche Rührung schien sie über ihre eigenen Schmerzen zu ergreifen . Erst erquickten sie diese rinnenden Perlenbäche , die aus den heißen fieberhaften Augen flossen . Dann aber gerieth sie doch wieder in lautes Schluchzen und wieder der Brustkrampf stellte sich ein . Sie mußte husten , als wenn sie ersticken wollte . Das Blut , das sie zuweilen in ihren Tüchern erblickte , schien ihr eine Erleichterung . Rafflard und Heinrichson ließen sich zum zweiten male melden . Sie nahm sie wieder nicht an . Gegen neun Uhr kam ein Billet von Paulinen . Ohne Hast , ergeben und schmerzlich , öffnete sie es . Pauline schrieb : » Helene , was hör ' ich ! Sie sind unglücklich über die glänzende Laufbahn unsres Freundes ! Eben sitzt Egon an meinem Schreibtisch und redigirt eine genauere Erläuterung seines meisterhaften Programms . Zwei Worte , die er fallen ließ , verriethen mir , daß Sie eine Scene hatten . Warum Das , Helene ? Warum fliehen Sie mich ? Warum schließen Sie sich nicht unsern großen , bedeutungsvollen Plänen an ? Egon liebt Sie , Helene ! Aber stellen Sie sich nicht in den Weg , der zu seinem Ruhme führt ! ... « Egon liebt mich ! rief Helene und zerriß , kurz den Rest dieses Billets überfliegend , es in hundert Stücke , die sie zornig in den Kamin warf . Er liebt mich ? Und kann mich mit Füßen treten , mich fast an den Haaren schleifen , wenn ich ihm sage : Vernachlässige mich nicht ! Waren die zwei Worte , die er fallen ließ , vielleicht die , daß ich auf der Erde vor ihm lag und ihn um den Tod bat ? Waren die zwei Worte vielleicht die , daß ich sagte : So will ich dein Weib sein ! War es die kalte , herzzerschneidende Antwort : Helene , ich muß zum König ! Beschäme mich nicht mit einem Geschenk , für das ich dir würdig zu danken keine Zeit habe ! Ein krankhaftes Lachen befiel sie bei diesem Selbstgespräch . Sie sprang auf . Sie wollte nun Menschen sehen . Sie rief nun nach Rafflard , nach Heinrichson . Es war aber nach zehn Uhr . Zu spät , um sie noch entbieten zu können ! Sie durchschritt die Zimmer , riß die Fenster auf , wollte ausgehen , zog an den Klingeln , die Diener und Mädchen standen hinter ihr , sie wußte nicht , was sie ihnen befehlen sollte . Laßt uns allein ! rief sie endlich den Dienern . Entkleidet mich ! stöhnte sie den Mädchen . Langsam schritt sie in ihr Zimmer zurück , ließ mit sich geschehen , was man beginnen wollte und sank in ' s Bett , bewußtlos , ohne Schlaf und ohne Wachen . Immer horchte das Ohr , ob nicht doch noch Egon käme , und wenn auch nach Mitternacht ! Erst gegen Morgen ergab sich das gequälte Gemüth den Forderungen des erschöpften Körpers . Sie entschlief ... Die Sonne stand schon hoch am Himmel , als Helene erwachte . Rafflard und Heinrichson hatten sich schon in aller Frühe nach ihrem Befinden erkundigen lassen . Von Egon fand sie keine Anfragen vor . Sie ließ sich langsam ankleiden . Sie fühlte sich vom Schlafe nicht gestärkt . Die Rückerinnerung an die gestrigen Erlebnisse war ihr grauenhaft . Um elf Uhr kam Drommeldey , der ihr Aussehen , ihren Puls bedenklich fand . Er war nicht ohne Neugier , der Sanitätsrath . Er kannte die eigenthümlichen Verhältnisse dieser gestörten Liebe ; noch mehr , da er ein vornehmer Frauenarzt war , verstand er sich auf die Pathologie der » brechenden Verhältnisse « . Er erklärte sie für einen jener Seelenzustände , bei denen man vorzugsweise dem gastrischen Rückschlage vorbeugen müsse . Er billigte die Diät der Gräfin und schied von ihr mit den Worten : Verehrte , hüten Sie sich zwar vor dem Übermaß der Gefühle ! Aber dennoch gesteh ' ich , daß ich mehr für das volle Ausbluten des Herzens bin , als für die gewaltsame Unterdrückung . Ich weiß nicht , was Sie so stören , so bewegen kann . Aber wenn Sie Kummer haben , meine Gnädigste , so nehmen Sie nur den Kelch des Schicksals gleich ganz , trinken Sie den bittern Schierling hinunter bis zum letzten Tropfen ! In der Wahrheit gegen sich selbst liegt die Genesung . Nur nicht fliehen vor dem Schmerz ! Nur nicht dem Fatalen aus dem Wege gehen ! Beileibe nicht ! Das gibt geistige Blutzersetzungen und erzeugt unterlaufene Seelenzustände , die sehr entzündlich werden können . Für heute aber thun Sie mir den Gefallen , lassen Sie anspannen und genießen Sie die stärkende , erfrischende Luft nicht nur , sondern auch die viel trostreichere und erquickendere Abwechselung der Gegenstände , die sich Ihnen bei einer raschen Spazierfahrt darbieten werden . Versprechen Sie mir Das ? Die Gräfin versprach es nicht nur , sondern erfüllte auch des Sanitätsraths Begehren , sogleich anspannen zu lassen . Er wollte sie ausfahren sehen . Ich bin noch nicht angekleidet . Sie müssen einen Mantel nehmen ! Es ist oktoberfrisch ... Dabei zog Drommeldey sein Portefeuille und gab ihr aus der kleinen portativen Apotheke , die er bei sich führte , einige Streukügelchen . Er erklärte also die Krankheit der Gräfin für eine von denen , bei welcher die Homöopathie zulässig war . Drommeldey , ein sehr kluger Weltmann , rührte die Streukügelchen selbst in einem Glase Wasser ein und plauderte dabei von