1868 , ging er , behufs Absolvierung seines Militärjahres , in die Heimat zurück . Er trat bei den Fürstenwalder Ulanen ein . Das kavalleristische Leben , das Reiten und Pistolenschießen , das Straffe des Dienstes und daneben die kecke , mit der Gefahr spielende Ungebundenheit der freien Stunden , das alles entsprach so recht dem Hange seiner Natur . Kein Wunder also , daß er am Schluß seines Volontärjahres erklärte , das Rechtsstudium aufgeben und die Frische des Daseins weiter genießen zu wollen . Er blieb Soldat , trat von den 3. ( Fürstenwalder ) zu den 4. ( Schneidemühler ) Ulanen über , machte seine Avantageurzeit durch und war bei Ausbruch des Siebziger Krieges Fähnrich im letztgenannten Regiment . Anfänglich bei der Ersatzschwadron verblieben , traf er erst am 13. September in der Metzer Zernierungslinie ein , machte Anfang Oktober eins der im Norden stattfindenden Gefechte mit , zeichnete sich durch Bravour aus und sollte am 16. Oktober vor der Front belobt und zum Offizier ernannt werden , als auf den Anruf des Regimentskommandeurs : » Fähnrich Anderssen ! « die Antwort gegeben werden mußte : » Fehlt seit gestern « . Jener Schritt war geschehen , der nicht mehr zurückgetan werden konnte und mit dem Tode endete . Im übrigen sei dem noch zu Erzählenden voraufgeschickt , daß er auch hier wieder auf dem Punkte stand , der leichtsinnig heraufbeschworenen Gefahr , voll echten Spielerglücks , zu entgehen . Eine Bagatelle entschied schließlich zu seinen Ungunsten . Hören wir wie . Das Regiment lag mit einigen Eskadrons in Garsch , zwischen Metz und Thionville . Hier befand sich auch Anderssen , der in dem Hause des Maires ein gutes Quartier gefunden hatte . Auch ein angenehmes , denn er stand auf bestem Fuße mit dem Wirt und allen Insassen des Hauses , besonders mit den Kindern , mit denen er , gütig und lebhaft wie er war , zu spielen und zu scherzen liebte . Am 15. Oktober fuhr Mr. Bauer ( Name des Maires ) mit einem leichten Ackerwagen aus seinem Gehöft auf die Dorfstraße , und unsers Fähnrichs ansichtig werdend , der rittlings auf einem Reisigbündel sitzend , eben Spielzeug für die Kinder schnitzte , rief er demselben zu : » Wollen Sie mit ? « » Wohin ? « › Thionville . ‹ » Gewiß ! « Ehe zwei Minuten um waren , hatte der Angerufene , mit der ihm eigenen Raschheit des Entschlusses , die Kleider gewechselt und fuhr nun in blauer Bluse , neben seinem Quartiergeber sitzend , plaudernd und rauchend auf Thionville zu . Ohne Aufenthalt oder Schwierigkeit ging es über die Festungsbrücke fort ; in das Tor hinein , bis der Wagen inmitten der Stadt vor dem vielbesuchten Café Luxembourg hielt . Das Publikum desselben , so wenigstens haben später eingezogene Erkundigungen ergeben , scheint unsern Anderssen gleich von Anfang an in seiner Verkleidung erkannt , an dieser Entdeckung aber nicht den mindesten Anstoß genommen zu haben . Im Gegenteil . Mit Vorliebe wandte man sich ihm zu , eine Mitteilung , die alle diejenigen am wenigsten überraschen wird , die persönlich in der einen oder anderen Eigenschaft auf dem Kriegsschauplatz anwesend waren . Denn gerade diese werden aus eigener Anschauung wissen , daß Heitres und friedlich Freundliches beständig in den furchtbaren Ernst des Krieges hineinwuchs und nur allzuoft in geradezu verführerischer Weise den einen oder andern Teil vergessen lassen konnte : dort steht dein Feind . Die Vorposten beispielsweise lebten sich kameradschaftlich miteinander ein , tranken sich zu , erwiesen sich kleine Dienste , bis dann plötzlich wieder – oft launenhaft und nach dem Voraufgegangenen durchaus unmotiviert – eine Gewehrsalve dazwischenfuhr und die Situation aufs neue klarlegte . So ähnlich scheinen die Dinge an jenem 15. Oktober auch in Thionville verlaufen zu sein . Der Nachteil , der der Stadt aus einem mit scharfem Appetit frühstückenden und mit der Dame du comtoir lebhaft plaudernden Prussien erwachsen konnte , war gering , der Vorteil aber lag auf der Hand , denn man hörte doch dies und das und sah das ewige Einerlei der Tage durch einen Zwischenfall unterbrochen , der in seinem keck-abenteuerlichen Aufstutz nur um so unterhaltender wirkte . Die Nachrichten hierüber mögen nicht in allen Stücken zuverlässig sein , aber so viel wenigstens wird mit Bestimmtheit erzählt , daß die Café-Luxembourg-Gäste unter scherzhaftem Hinweis auf seine Bluse unserm Fähnrich zugerufen hätten : » Passen Sie auf « . Er nahm es aber leicht , und mochte es leicht nehmen , denn in der Tat , das Glück schien gewillt , für seinen Liebling noch einmal all und jedes zu tun . Nichts Störendes intervenierte , der Wagen fuhr wieder vor , Wirt und Einquartierung nahmen auf dem Vordersitz ihren alten Platz und nach dem Café zurückgrüßend , fuhren beide die Straße hinunter auf das Metzer Tor zu , um noch vor Dunkelwerden Garsch zu erreichen . Alles ging gut ; erst im letzten Moment gebar sich das Unheil . Hart am Tor , da , wo nach rechts hin die Straße in eine schmale , halb von der Stadtmauer gebildete Gasse abbiegt , stand ein Wirtshaus , aus dem der Lärm heiterer Gäste herüberklang . Einige standen an den offenen Fenstern und grüßten mit den Deckelkrügen . » Noch einen Abschiedstrunk « , rief Anderssen und legte die Hand auf die Leine . Der Maire war gutmütig genug nachzugeben , man hielt und im nächsten Moment waren beide mit unter den Gästen . Was hier nun geschah , ist unaufgeklärt geblieben : zehn Minuten später aber sah sich Anderssen als preußischer Spion und Mr. Bauer als sein Complice verhaftet . Die Bierhausbevölkerung war eben eine andere , als die im Café Luxembourg . Im allgemeinen wird man sagen können : Alles wohl etabliert Imperialistische trug uns im stillen Sympathien entgegen . Alles Gambettistisch-Republikanische stand gegen uns . Unter dem Jubel Hunderter , die mit jedem Schritt anwuchsen , wurden die beiden Gefangenen nach dem Arresthause gebracht . Am