fragend auf Siegbert ruhen . Siegbert ' s Blick füllte sich mit Thränen . Ich weiß es , Rudhard , sagte er nach einigen Augenblicken der Sammlung . Ich habe einen Auftrag zu einer künstlerischen Aufgabe empfangen , die mich vorläufig auf einige Wochen von hier entfernen wird . Sagen Sie den Damen Ihres Hauses , den lieben Kindern , ein herzliches Lebewohl ! Rudhard drückte die Hand des jungen Mannes und sprach nur das Einzige : Ich danke Ihnen dafür , Wildungen ! Es war Ihrer würdig . Wir sehen uns wieder . Siegbert wandte sich und Rudhard ging langsam zum Palais des Fürsten . Als Siegbert zu seinen Begleitern zurück wollte , waren sie etwas vorausgegangen . Er konnte so noch Zeit finden , sich zu sammeln und die Thränen zu dämmen , die fast übermächtig in seine Augen schossen . Louis und Dankmar standen an einer Straßenecke , wo sie sich zu trennen hatten . Siegbert überraschte die Freunde durch den Entschluß , nach Schönau zu gehen und den künstlerischen Vorschlag Gelbsattel ' s , den er erzählte , für den Sommer schon jetzt in Angriff zu nehmen . Auch Dankmar , der ihn fragend fixirte , sprach von der Möglichkeit , daß ihn die Entscheidung der ersten Instanz seines Processes zwingen würde , nach Angerode zu reisen . Dann wünscht ' ich vorläufig , daß wir den Proceß verloren hätten , sagte Siegbert . Der Mutter wegen - mein ganzes Herz fliegt ihr zu . Louis , erschreckend , daß beide Brüder entschlossen waren , die Residenz zu verlassen , hoffte , sie wenigstens noch zu sehen , ehe sie reisten . Siegbert wollte sich eben seinem Atelier , Dankmar dem Gerichtshofe , Louis seiner Werkstätte zuwenden , als ein Wagen an ihnen vorüberrasselte und sie aus dem Schlage gegrüßt wurden . Es war Egon , der mit zwei Bedienten in voller Gala zum König fuhr . Es schlug zehn von den Kirchthürmen . Die Freunde trennten sich . Egon , der sich von einer Scene mit der Gräfin losgerissen haben mußte , hatte furchtbar ernst ausgesehen . Dreizehntes Capitel Eine Entscheidung Es war gegen zehn Uhr Abends . Die Lampe brannte düster in einem Zimmer , dessen grünseidene Fenstervorhänge tief herabgelassen waren . Im Kamin glühte noch etwas die eben verkohlende Asche . Draußen jagten Carrossen . Die Theater sind beendet . Die großen Gesellschaften füllen sich . Auch Volksmassen tummelten sich noch . Man hörte an dem lebhaften Sprechen der Vorübergehenden , das von unten herauf scholl , wie die Gemüther erregt waren . Auch der Schritt wandernder Militair-Patrouillen war dem Ohre hörbar , das hören wollte und konnte . Helene d ' Azimont , die zu diesen nicht gehörte , lag ausgestreckt auf einer Chaise-longue , die in die Nähe des Kamins gerückt war . Das Zimmer war fast überhitzt . Sie fror . Eingehüllt in einen großen Shawl konnte sie sich nicht erwärmen . Ihre Hände fröstelten . So zitterte das Kinn , daß sie laut stammelte . Diener und Kammermädchen hatte sie abgewiesen . Sie wollte keine Hülfe , sie erwartete den Tod . Schon seit dem Morgen um halb elf Uhr lag sie so . Sie war nach Hause gekommen , aus dem Wagen mehr gesunken , als gestiegen und hatte sich gleich auf ihr Bett geworfen . Die Mädchen entkleideten sie , was auf ihren stummen Wink geschah . Man wollte zum Arzte schicken . Sie hatte es heftig ablehnend untersagt . Wer an der Thür lauschte , hörte sie oft laut schluchzen . Dann lachte sie wie wahnsinnig , dann weinte sie wieder . Von einer Nahrung , die sie zu sich nahm , war keine Rede . Sie schüttelte nur , todtenblaß , ihr entstelltes , von Thränen fast ungleich gefärbtes Antlitz . Meldungen , sogar diejenigen , die Besuche von Rafflard , von Heinrichson ankündigten , wurden abgelehnt . Sie lag halb erstarrt . Ihr Kopf wühlte sich in ein Kissen , das von Thränen schon durchnäßt war . Nur auf vieles Zureden ihrer Mädchen erhob sie sich und ließ sich auf die Chaise-longue führen , die man an den Kamin rückte . Gegen Abend heizte man . Um sechs Uhr etwa begehrte die Gräfin einige Löffel Suppe . Sie aß nicht den vierten Theil eines Tellers und stieß den Rest zurück . Die Arme hingen herab vom Körper , willenlos , schlaff . Die Augen sahen starr oder schlossen sich vor Erschöpfung . Oft griff sie plötzlich nach dem Herzen . Man hatte alle Bänder an ihren Kleidern aufknüpfen müssen . Jeder Druck machte ihr Beengung . So streckte sie sich wie leblos . Gegen Acht wurde sie hörbar . Sie klingelte . Sie machte eine Miene , etwas zu begehren . Sprechen konnte sie nicht . Die Hand streckte sich nach einem kleinen Tisch am Fenster hinüber und deutete auf die dort gesammelten Zeitungen . Man wollte sie bringen . Sie schüttelte den Kopf und deutete hinaus auf den Eingang ihrer Wohnung . Man verstand sie jetzt erst . Sie wollte die Zeitung von diesem Abend haben . Man ging hinaus , sie zu holen . Sie war noch nicht angekommen . Ein tiefer Seufzer war ihre Antwort . Endlich kam das ersehnte Blatt . Sie erhob sich geisterhaft . Krampfhaft schlug sie das noch nasse Papier auf und durchflog es . Bald entdeckte sie die mit großen Lettern gedruckte Stelle , die sie suchte . Sie lautete : » Die Krisis ist noch nicht beendigt . Fürst Egon von Hohenberg hat ein Programm vorgelegt , das die vollständige Billigung des Hofes erhielt . Die Frage ist nur die , ob der Fürst sein Ministerium wird vervollständigen können . Die Nachricht einiger Blätter , daß er einige jüngere Beamte und Offiziere als Collegen vorgeschlagen hätte , ist eine Verleumdung . Vorläufige Liste : Conseilpräsident und Minister des Innern : Fürst Egon von Hohenberg . Auswärtige Angelegenheiten : General Voland von der Hahnenfeder . Krieg