aus einer seeartigen Breite plötzlich in engere Ufer tritt . Man wird fortgerissen . Die Zeit läßt sich durch einen Einzelnen nur in den seltensten Fällen bestimmen . Diese Begriffe von Links und Rechts , von Liberal und Conservativ sind in der That furchtbar einseitig , und jeder geistreiche Kopf , der positiv denkt und nicht von einer bloßen Manie der Neuerung getrieben wird , leidet unter der gegenseitigen Ausschließlichkeit dieser Antithesen ; allein diese Antithesen sind einmal die größten Tyrannen unsrer Zeit . Man glaubt , sie beherrscht , ihre Klippen vermieden zu haben , und scheitert an ihnen . Die Umstände zwängen uns immer wieder in die alten Schattirungen : Schwarz oder Weiß ! Licht oder Schatten ! Und sieh ! Wenn ich mir dächte ... Dankmar sprach nicht weiter ; denn sie wurden unterbrochen . Einer der Bedienten brachte dem jungen Fürsten , den die Äußerung Dankmar ' s von dem Blick in die Vergangenheit unter den Spiegeln und Leuchtern dieses Pavillons ernster gestimmt hatte , ein zierliches Billet . Über der Methode , Briefe auf silbernen Tellern zu überreichen , hatte Egon früher selbst gelacht . Heute fand diese Abgabe ganz in dieser komischen Form statt . Egon erbrach das Billet und schien zerstreut , verstimmt . Die Gräfin sind selbst da ! sagte der Bediente . Nein ! Nein ! rief Egon . Ich bin unter meinen Freunden . Ich sagte es ... Ich fahre zum König . Eben deshalb , sagte die Gräfin . O Gott ! O Gott ! schrie Egon auf . Er begleitete diesen Ruf mit Gebehrden wie ein wildes verwundetes Thier . Er sprang auf und warf das Billet den Freunden hin , daß sie es lesen sollten . Entschuldigt mich ! sagte er . Lebt wohl ! Damit verschwand er , noch die Serviette in der Hand , die er zornig zerknitterte und unterwegs mitten in der großen Rotunde von sich warf . Die plötzlich verlassenen Freunde ahnten , daß ihn die Gräfin d ' Azimont abgerufen hatte . Siegbert , dem das Billet am nächsten lag , nahm Anstand , es zu lesen . Auch Louis meinte , er könnte nichts hören , was von dieser Hand käme . Dankmar fand es wenigstens nicht erlaubt , das Briefchen liegen zu lassen . Warum wollen wir einen letzten Beweis von Freundschaft , den wir noch von Egon empfingen , nicht ehrend entgegen nehmen ? sagte er . Die drei Freunde schwiegen erschüttert . Sie traten in die große Rotunde . Das von oben herabfallende Licht erhellte den Raum hinlänglich , um die kleinen zarten Schriftzüge lesen zu können . Sie lauteten : » Ich sterbe ! Du wühlst den Dolch in meiner Brust ! Zertritt mich ganz ! Sage mir nur , daß ich mich unter den Huf deiner Pferde werfe . Dann ist ' s doch aus ! Aus ! O Gott , schenke mir Wahnsinn ! Tod oder Wahnsinn ! Egon , ich beschwöre dich ... sei Mensch ! Entsetzlicher ! Foltre mich nicht ! Laß mich sterben ! Morde mich ! Nur Entschiedenheit ! Erlösung , Licht , mindestens die Freiheit des Todes ! « Die drei Freunde sahen sich entsetzt an . Sie fühlten , daß Dies der Verzweiflungsschrei einer Frau war , die ihr Alles an Egon gesetzt hatte und wahrscheinlich fühlte , daß sie ihm von keinem Werthe mehr war . Die Genugthuung für Louis Armand hätte damit vollständig erreicht sein können , wenn sein fühlendes Herz eines so kalten Triumphes fähig gewesen wäre . Arme Louison , sprach er , du hast nicht gewollt , daß der Genius der Liebe so dein Andenken rächt ! Und doch , sagte Siegbert , den diese Worte der Schwester Adelen ' s tief in ' s Herz schnitten , doch ist Egon vielleicht unglücklicher als Helene ! Ein Weib geliebt haben und heraussein aus dem magnetischen Rapport , der in ihr noch voll und glühend nachwirkt , während man selbst erkältet , übersättigt ist ... Das ist Qual ! Man will nicht verwunden , man will nicht lügen ... Man hat ein Herz und darf ihm nicht folgen ... Armer Egon ! Der Schmerz , mit dem er aufstand , war furchtbar , fast wahnsinnig . Kommt ! Kommt ! sagte Dankmar . Die Luft dieses Pavillons , der Staub dieser Teppiche , das Lachen dieser Bilder , das Alles ist erstickend . An die frische Luft ! Ich kann nicht mehr Athem schöpfen . An der kleinen Treppe , die hinauf zu Egon führte , führte auch eine Thür gleich in den Hof . Dieser eilten sie zu und sogen die stärkende Oktoberluft wie Balsam ein . Es trieb sie fort , als brennte der Fußboden unter ihnen . Stürmende Gespenster schienen sie zu jagen . Sie sahen sich nicht um , sie flohen fast . Auf der Straße rief ihnen eine Stimme nach . Sie wandten sich um . Es war Rudhard , an dem sie vorübergeschritten waren , ohne ihn zu sehen . Nachdenklich , ruhig , stand er am Portal des Palais , auf einen Stock sich lehnend . Er winkte Siegbert . Siegbert bat die Freunde , einen Augenblick zu warten . Als Siegbert sich Rudhard nahte , erschrak er fast über des alten Mannes ernstes , gemessenes Antlitz . Ich wollte zu Egon , sagte Rudhard . Ich hörte , daß er nicht allein ist . Er fährt zum König . Er fliegt einem glänzenden Gestirne zu . Lieber Wildungen ... ein Wort ... Siegbert ahnte etwas aus den Mienen des Greises . Glauben Sie , daß ich Sie in mein Herz geschlossen habe , Siegbert ? - fragte Rudhard mit einem nach Bestimmtheit ringenden , bewegten Tone . Rudhard ! antwortete Siegbert und ergriff seine Hand . Ahnen Sie nichts , was ich Ihnen sagen muß ... muß , mit widerstrebendem Herzen ? Rudhard ließ seine Augen , die wie immer klar und ruhig waren , eine Weile