gefunden haben . ” “ Ja — das war aber nur Zufall . ” “ Alles Gute in der Welt ist Zufall . ” “ So müssen Sie nicht reden . ” “ Was wollen Sie — ich möchte auch gern an eine höhere Fügung glauben — aber ich sehe sie zu selten walten . Sie sind fromm — ich finde das sehr schön ! Ich könnte Sie mir gar nicht anders denken , mit Ihrem sanften Gesichtchen ! — Hier müssen wir aussteigen . So — geben Sie mir die Hand . Vorsichtig ! ” Sie waren schon ein Weilchen die letzten Passagiere gewesen und hatten ungestört plaudern können . “ Wollen Sie nicht meinen Arm nehmen ? ” fragte der Landrat . Agathe zögerte eine Sekunde — es war eigentlich nicht üblich . . . . Sie hatte so große Lust . . . . “ Man geht besser in Schritt und Tritt , ” sagte er überredend , und sie folgte ihm . Er drückte ihren Arm leicht an sich , sie fühlte seinen warmen kräftigen Körper und ging behaglich an seiner Seite . Es war ihr sehr wohl , ruhig und still fühlte sie sich . “ Fahren Sie heut Nacht noch nach Evershagen zurück ? ” fragte sie . “ Nein , ich bleibe in Mengs Hotel . Da habe ich ein ständiges Absteigequartier . Auf die Weise kann man die ländliche Einsamkeit schon ertragen . ” “ Ich kann Sie mir gar nicht auf dem Lande vorstellen . ” “ O jetzt im Sommer ist es hübsch da draußen . Viel Verkehr mit den Gütern . Und Wald in der Nähe . Ich habe mir einen Ponywagen angeschafft . Sie sollten mich wirklich einmal besuchen . Dann fahren wir mit den Ponys in den Wald . Was ? Wollen Sie ? ” “ O ja — ich weiß nur nicht , ob Papa . . ” “ Wenn ich dächte , daß Sie Lust hätten , würde ich an Ihre Eltern schreiben und mir das Vergnügen erbitten . . . Vielleicht kämen Ihre Geschwister auch ? ” “ Eugenie will an die See und hat noch große Schneiderei , ” sagte Agathe , es erhob sich in der Wille , Eugenie von der Partie fernzuhalten . . . . . Jede Frau kann einen Mann in sich verliebt machen , sobald er nicht eine andere große Liebe hat . . . . Und Raikendorf ? Hatte er eine andere große Liebe ? — “ Also — zu wann wollen wir Ihren Besuch verabreden ? ” fragte er . “ Bald , ” antwortete Agathe schnell , “ sonst kommt es gewiß nicht dazu . ” Unter dem Schein der Gaslaterne hob sie den Kopf und blickte Raikendorf in die Augen . Niemals hatte sie einen Mann auf diese Weise angesehen . Auch nicht Lutz . Es wurde ihr ganz schwindelig vor Scham über sich selbst . “ Nun wollen wir den Himmel um Sonne bitten — Sie stehen besser mit ihm , thun Sie es für mich , ” sagte Raikendorf , nachdem er ihren Blick gleichsam mit den Augen festgehalten hatte . “ Auf Wiedersehen ! ” Er drückte ihr die Hand . Und sie empfing das leichte Zeichen von augenblicklicher Zuneigung nicht gleichgültig wie sonst unzählige Male . Als Raikendorf “ Auf Wiedersehen ” sprach , erschrak sie , wie über eine böse Vorbedeutung — es waren dieselben Worte , die sie zuletzt von Lutz gehört hatte . Wollte der Herr , ihr Heiland , sie warnen ? Fröhlich spiegelte sich der Sonnenschein auf der Glatze des Landrats , als er den Hut lüftete , um den heranbrausenden Zug mit seinen Gästen zu begrüßen . Der Restaurationswirt , die zwei Kofferträger und der Stationsvorsteher von Evershagen beobachteten neugierig , wen er empfangen würde . Er sah so vergnügt aus . Ein hübsches Bild , wie er dem würdigen älteren Paar aus dem Wagen half , und wie das junge Mädchen leichtfüßig hinterhersprang . Trotz all des Kranken und Wunden in ihr und der schrecklichen Altjungfergedanken bot Agathe in ihrem hellen Sommerkleide noch immer einen Anblick , der jeden unbefangenen Menschen erfreuen mußte . Ihr intelligentes Gesicht lachte in gesunder Blüte unter dem runden Strohhut mit der großen gelblichen Spitzenschleife . — Keine Spur von Ermüdung nach der Fahrt . Sie hatte sich unterwegs die ganze Zeit mit dem jungen Dürnheim geneckt , der von den Eltern aufgefordert war , an der Partie teilzunehmen . Das Puritanische , die strenge tadelsüchtige Miene war zu Haus geblieben . Und dafür diese Fähigkeit , sich zu freuen — dies Entzücken an Luft und Grün und Sonne — übermütige Bewegungen — kecke kleine Antworten . . . Das stand ihr ! Ja — warum zeigte sie solchen Reichtum an Stimmungen nicht öfter ? Der ersetzte sehr hübsch die blumenhafte Poesie der ersten Jugend . Ein zarter , kaum merkbarer Stempel von etwas Durchlittenem über allem — das reizte den Landrat mit der Glatze . Wie viel oder wie wenig mochte solch ' ein Mädchen eigentlich vom Leben wissen ? Wie würden die verschleierten , schmerzlich glänzenden Augen blicken , wenn . . . . ? Die Liäsons mit den Frauen seiner Freunde — sie waren ja sehr nett — gewiß — allerliebst . . . . aber . . . . Man kannte alles zu genau . Jede sagte doch nur dasselbe , was die Vorige in ähnlicher Situation auch schon gesagt hatte . Übrigens — eine tüchtige Hausfrau war die Heidling jedenfalls — der Regierungsrat machte doch Ansprüche im Essen und in allem . — — Dürnheim verliebte sich heute auch in sie . Nun seh ' einer an , wie sie die Freiheiten und Vertraulichkeiten einer alten Kinderfreundschaft benutzte , um ihn zu locken . . . Raikendorf bemerkte es mit Vergnügen — es erhöhte ihm die Spannung , in der er sich dem Mädchen gegenüber seit neulich Abend befand . Wollte er wirklich