. Reizen ! Dieser Nordeck läßt sich überhaupt nicht reizen , am wenigsten durch mich . « » Nun , weshalb versuchst du es denn immer wieder von neuem ? « Wanda blieb die Antwort schuldig , aber der Vater hatte recht – sie konnte keine Gelegenheit vorübergehen lassen , den zu reizen , der einst bei jedem unbesonnenen Worte in leidenschaftlicher Empfindlichkeit aufloderte und der ihr jetzt mit dieser unverwüstlichen Gelassenheit gegenüberstand . Die übrigen Herren waren inzwischen auch aufmerksam geworden . Sie kannten Nordeck bereits als tüchtigen , wenn auch besonnenen Reiter , aber es galt ihnen als ausgemacht , daß er es darin mit dem Fürsten Baratowski nicht aufnehmen könne , und weniger rücksichtsvoll als Graf Morynski gönnten sie dem » Fremden « die voraussichtliche Niederlage von Herzen . Die beiden Brüder standen bereits bei dem Goldfuchs , Das schlanke , feurige Tier schlug ungeduldig mit seinen Hufen die Erde und machte mit seiner Unruhe dem Reitknecht viel zu schaffen . Leo nahm dem letzteren den Zügel aus der Hand und hielt das Pferd selbst , während sein Bruder aufstieg ; die tiefste innerste Genugthuung leuchtete dabei aus seinen Augen ; er kannte seinen Vaillant . Jetzt ließ er ihn los und trat zurück . Der Goldfuchs spürte in der That kaum die fremde Hand am Zügel , als er seinen ganzen Eigensinn zu zeigen begann . Er bäumte , schlug und machte die heftigsten Versuche , den Reiter abzuschütteln , aber dieser saß wie festgewachsen , und setzte dem leidenschaftlichen Ungestüm des Pferdes einen ruhigen , aber so energischen Widerstand entgegen , daß es sich endlich in sein Schicksal ergab und ihn duldete . Damit war aber auch die Fügsamkeit zu Ende , denn als Waldemar das Tier jetzt antreiben wollte , weigerte es sich entschieden zu gehorchen und war nicht vom Flecke zu bringen . Es erschöpfte sich in allerlei Tücken und Launen . Alle Geschicklichkeit , alle Energie brachte es auch nicht einen Schritt vorwärts . Dabei geriet es aber in eine immer größere Aufregung und nahm zuletzt eine entschieden drohende Haltung an . Bisher war Waldemar noch ziemlich ruhig geblieben , jetzt aber begann sich seine Stirn dunkel zu röten : seine Geduld war zu Ende . Er hob die Reitpeitsche , und ein schonungslos geführter Hieb sauste auf das widerspenstige Roß nieder . Doch diese ungewohnte Strenge brachte das eigenwillige und verwöhnte Tier zum Aeußersten . Es machte einen Satz , daß die umstehenden Herren rechts und links auseinanderstoben , und schoß dann wie ein Pfeil über den Rasenplatz hin , in die große Allee hinein , die nach dem Schlosse führte . Dort artete der Ritt in einen wilden Kampf zwischen Roß und Reiter aus ; das erstere gebärdete sich wie unsinnig . Es tobte förmlich und setzte augenscheinlich alles daran , den Reiter aus dem Sattel zu schleudern . Wenn Waldemar trotzdem seinen Platz behauptete , so konnte es nur mit äußerster Lebensgefahr geschehen . » Leo , mache der Sache ein Ende ! « sagte Morynski unruhig zu seinem Neffen . » Vaillant wird sich beruhigen , wenn du dazwischen trittst . Bestimme deinen Bruder , abzusteigen , oder wir haben ein Unglück . « Leo stand mit übereinandergeschlagenen Armen da und sah dem Kampfe zu , machte aber keine Miene , einzuschreiten . » Ich habe Waldemar die Gefahr nicht verhehlt , die das Pferd einem Fremden bringt , « erwiderte er kalt . » Wenn er es absichtlich wütend macht , so mag er auch die Folgen tragen ! Er weiß es ja , daß Vaillant keine Strenge verträgt . « In diesem Augenblicke kam Waldemar zurück ; er war des Zügels Herr geblieben und zwang das Pferd sogar , eine bestimmte Richtung einzuhalten , denn er jagte in einem Bogen um den Rasenplatz , von einer Fügsamkeit war aber noch lange nicht die Rede . Der Goldfuchs sträubte sich immer wieder von neuem gegen die Hand , die ihn mit so eisernem Griff regierte , und suchte mit seinen blitzschnellen , unberechenbaren Bewegungen den Reiter zum Sturze zu bringen , doch Nordecks Aussehen zeigte , daß das alte Ungestüm wieder in ihm wach geworden war . Flammendrot im ganzen Gesicht , mit sprühenden Augen und fest zusammengebissenen Zähnen gebrauchte er Peitsche und Sporen in seiner erbarmungslosen Weise , daß Leo außer sich geriet . Der Gefahr seines Bruders hatte er ruhig zugesehen , diese Mißhandlung seines Lieblings ertrug er nicht . » Waldemar , hör auf ! « rief er zornig hinüber . » Du ruinierst mir ja das Pferd . Wir haben es jetzt alle gesehen , daß Vaillant dich trägt . Laß ihn endlich in Ruhe ! « » Erst werde ich ihm Gehorsam beibringen . « In Waldemars Stimme klang die wildeste Gereiztheit ; er kannte jetzt keine Rücksicht mehr , und Leos Einspruch hatte keine andre Wirkung , als daß das Pferd bei dem zweiten Ritt um den Rasenplatz noch schonungsloser behandelt wurde , als vorhin . Als es zum drittenmal mit seinem Reiter die Runde machte , hatte es sich ihm endlich gefügt . Es widerstrebte nicht mehr , hielt die vorgeschriebene Gangart inne und stand auf einen einzigen Druck des Zügels am Schlosse still , freilich in einem Zustande , als müsse es jeden Augenblick zusammenbrechen . Nordeck stieg ab . Die Herren umringten ihn , und es fehlte nicht an Komplimenten für seine Reitkunst , wenn auch unleugbar eine Verstimmung auf der ganzen Gesellschaft lag . Leo allein sprach kein Wort ; er streichelte stumm das zitternde , schweißtriefende Roß , an dessen glänzend braunem Fell sich Blutspuren zeigten . So furchtbar hatten ihm die Sporen Waldemars zugesetzt . » Das war ja eine Kraftprobe ohnegleichen , « sagte Graf Morynski ; man horte den Worten das Gezwungene an . » Vaillant wird den Ritt so bald nicht vergessen . « Waldemar war seiner Erregung bereits wieder Herr geworden , nur die Röte auf seiner Stirn und die hochangeschwollene