vergriffen und bei der Entdeckung sich aus Scham und Verzweiflung den Tod gegeben hatte , selbst meine Mutter hat das geglaubt . « » Und Sie – Sie glaubten das nicht ? « » Ich wußte es , daß er schuldlos war . Ich fand in seinem Schreibtische einen Brief , nur wenige Zeilen , in seiner Todesstunde geschrieben und an mich , seinen Aeltesten , gerichtet , er wollte wenigstens vor seinem Sohne rein dastehen . Glauben Sie , Edith , daß ein Mann , dessen ganzes Leben rein und ehrenvoll gewesen ist , lügen kann , wenn er vor der Pforte der Ewigkeit steht , wenn er im Begriff steht , diese Pforte mit eigener Hand zu öffnen ? « » Nein ! « sagte Edith mit einem tiefen Atemzuge , » Also der Schuldige war ein anderer ? « » Ja , ein anderer ! « Raimar hielt einen Augenblick inne , dann sprach er halblaut , aber mit furchtbarer Bedeutsamkeit : » Die Depots waren nur einem zugänglich , außer dem Chef , seinem Prokuristen , und der hieß – Felix Ronald ! « Ein Ausruf des Entsetzens entrang sich Ediths Lippen . » Allmächtiger Gott ! Was wagen Sie da anzudeuten ? « » Was ich nicht beweisen kann , « entgegnete Ernst mit herber Aufrichtigkeit , » was wohl überhaupt nicht zu beweisen ist . Mein Vater scheint keinen Verdacht gehegt zu haben , wenigstens machte er keine Andeutungen in jenem Briefe , aber in mir erwachte der Argwohn in der ersten Stunde , wo ich wieder klar denken und urteilen konnte , und ließ mich nicht wieder los . Ich habe nach den Beweisen wochenlang , monatelang gesucht mit dem ganzen Scharfsinn eines Juristen , mit der fieberhaften Angst eines Menschen , der seine und seines toten Vaters Ehre retten will – es fand sich nichts , jede Spur war vernichtet . Ich war ja fern gewesen bei der Katastrophe , Ronald behauptete , er habe sofort nach dem Selbstmord seines Chefs das Fehlen der Depots entdeckt , er warf alle Schuld und Verantwortung auf den Toten . « Edith war totenbleich geworden , sie umklammerte mit beiden Händen die Lehne des vor ihr stehenden Sessels , endlich stieß sie abgebrochen hervor : » Das ist nur ein Argwohn – die Beweise fehlen – Sie sagen es ja selbst ! « » Ja , aber ich habe mir die Gewißheit verschafft , auf anderem Wege . – Es war zu Ende , der Sturz unseres Hauses entschieden , ich hatte mit Ronald geordnet , was noch zu ordnen möglich war , und er kam nun , um sich von mir zu verabschieden . Bis dahin hatte ich mit keinem Worte , keinem Blicke meinen Verdacht verraten , jetzt waren wir beide allein im Arbeitszimmer meines Vaters , da überstürzte ich ihn plötzlich mit der Anklage und schleuderte es ihm in das Gesicht : der Schuldige sind Sie ! « » Und da ? « Die Frage klang halb erstickt . » Nun , da sah ich es – das jähe Erbleichen , das Zusammenzucken , sah in seinen Augen die Angst vor der Entdeckung . Das dauerte freilich nur eine Minute , dann hatte er seine volle Fassung wieder und trat mir mit eherner Stirn entgegen . Er wies meine Anklage mit kaltem Hohne zurück , forderte die Beweise für meine › wahnsinnige Einbildung ‹ und fragte achselzuckend , ob ich es denn durchaus der Welt zeigen wolle , daß die Verzweiflung mich unzurechnungsfähig gemacht habe . « Er hielt inne und schien eine Antwort zu erwarten , als sie nicht erfolgte , schloß er ruhiger , aber mit tiefer Bitterkeit : » Ich habe das in der That nicht versucht . Der Tod meines Vaters galt als Schuldbekenntnis , und wäre ich mit einer Anklage aufgetreten , der auch nicht der Schatten eines Beweises zur Seite stand , man hätte mich wirklich für unzurechnungsfähig gehalten . Meine Ueberzeugung stand fest seit jener Stunde – und seit jener Stunde ist Ronald mein Todfeind gewesen ! « Edith stand noch immer regungslos da , aber ihre Augen hatten einen Ausdruck , als blicke sie in einen Abgrund . Das erste Zusammentreffen ihres Verlobten mit Raimar , dessen Zeuge sie gewesen war , sein wildes Auffahren , als er wissen wollte , was jener mit seiner Braut gesprochen , sein glühender Haß gegen den Mann , den er » zertreten « wollte , und den er doch offenbar fürchtete – das alles erhob sich jetzt in ihrer Erinnerung und zeugte wider Ronald . Es ging ein krampfhaftes Beben durch ihren Körper , als sie fragte : » Und das sagen Sie mir – jetzt ! « » Weil ich muß ! « erwiderte er tiefernst . » Sie trauen mir doch wohl keine niedrige Rache zu ? Sie wissen es , Edith , ich habe auch damals in Gernsbach noch geschwiegen , als ich aus Ihrem eigenen Munde vernahm , daß Sie Ronalds Braut seien . Ich glaubte , die Enthüllungen meiner Schrift , der Prozeß , der ja vorherzusehen war , würden Sie frei machen von dem unheilvollen Manne . Ich rechnete auf das Eingreifen Ihres Vaters , der jenes Band zerreißen würde . Ich hielt es für längst zerrissen und höre nun von Ihnen , daß es noch besteht , daß Sie sich einer vermeinten Pflicht opfern wollen – nun denn , so sollen Sie wissen , wem dies Opfer gilt ! « Edith richtete sich empor , das lähmende Entsetzen wich jetzt einem plötzlichen Entschlusse . » Ich werde es erfahren ! « sagte sie fest . » Er soll mir Rede stehen . « » Ihnen , die er liebt ? Glauben Sie , daß er sich selbst vernichten wird in Ihren Augen ? « » Ich glaube , daß ich allein die Macht habe , ihn zu zwingen , vielleicht ich allein auf der ganzen Welt . Er wird ja