stille schöne Tage vergangen . Die Neuhäuser hatten diesen Frieden nicht gestört , wie die Herzogin anfänglich befürchtet hatte . Prinzeß Helene war einigemale wie ein Wirbelwind in den Zimmern der Herzogin erschienen , hatte aber deutlich zu erkennen gegeben , daß sie die größtmögliche Eile habe , zu dem süßen Baby ihrer verstorbenen Schwester zurückzukehren . Die alte Prinzeß lag derweilen in Neuhaus mit verletztem Fuß auf einem Ruhebett . Klaudine sah Beate nur einmal flüchtig , als diese in aller Morgenfrühe nach dem Eulenhaus gewandert war , um sich nach einigen kleinen Prinzessinnenangewohnheiten zu erkundigen und eine Menge köstlicher Kuchenstückchen und sonstiger Süßigkeiten abzuladen . Sie sprach sich anerkennend aus über die neue Einrichtung im Eulenhaus , den Besuch des Fräulein Lindenmeyer betreffende Im übrigen war sie still und gedrückt und hatte auf Klaudines Frage nur gesagt , sie wünsche weiter nichts , als vier Wochen älter zu sein . Es sei fürchterlicher , als sie sich gedacht , kein Winkelchen sei im ganzen Hause , wo man seines Lebens sicher wäre vor der Prinzeß , diesem Irrwisch , und Lothar erwidere ihre Klagen mit Achselzucken . Klaudine hatte das Haupt gesenkt , als käme jetzt ein Blitzstrahl , der die letzte Hoffnung vernichten müßte , aber Beate war still geworden und hatte dann von etwas anderem gesprochen . Heute , an einem echten köstlichen Sommertage , hatte die Herzogin den Tee im Parke befohlen , dort , wo die Waldbäume an den Garten stoßen , an jenem Platze , wo Joachims Weib für immer eingeschlafen war . Unter den alten Eichen schaukelte die Hängematte der Herzogin , und Klaudine , im leichten weißen Kleide , saß neben ihr auf einem bequemen , mit Leinen überspannten Sessel aus Bambusstäben und las . Vor ihr auf dem Tischchen aus kunstvoller Flechtarbeit lag die unvermeidliche Wollstickerei der Frau von Katzenstein . Diese selbst stand etwas seitwärts und bereitete den Tee . Im Schatten einer mächtigen Kastaniengruppe , von den Damen um die Breite des Kiesplatzes getrennt , spielte der Herzog Luftkegel mit den zwei ältesten Prinzen , dem Rittmeister von Rinkleben und Herrn von Palmer . Das Jubeln der Kinder , das Lachen und das Klappen der umfallenden Kegel tönte herüber und die Augen der Herzogin sahen mit glückseligem Ausdruck dorthin . » Halten Sie ein , Klaudine « , bat sie jetzt . » Der Tag ist so schön , die Sonne so golden und diese Erzählung so düster . Heute erscheint mir das so unnatürlich . Was glauben Sie , was noch geschehen wird ? Mit jenen beiden in dem Buche , meine ich . « » Hoheit , ich fürchte , es endet entsetzlich « , sagte die junge Dame und legte gehorsam das Buch auf den Tisch . » Er hat sich ja bereits Gift verschafft « , gab die Herzogin zu . » Ja « , erwiderte Klaudine , » sie wird sterben müssen . « » Sie ? « fuhr die Herzogin erstaunt auf , » aber , beste Klaudine , welch entsetzliche Phantasie ! Er selbst will sich vergiften , weil er fühlt , er kann mit ihr nicht leben , und ebensowenig ohne die andere . « » Ich weiß nicht , Hoheit « , stotterte das Mädchen , » dem Gange der Geschichte nach vermutete ich – « » Bitte , geschwind das Buch ! « rief die Herzogin . Sie schlug es auf und las das Ende . » Mein Gott , Klaudine , Sie haben recht « , sagte sie dann . » Es ist psychologisch auch nicht anders möglich , wenn Hoheit der Charakterschilderung des Mannes , gefolgt sind – « » Es ist mir nichts besonderes an ihm aufgefallen « , unterbrach die Herzogin . » Nein , Klaudine , das ist unwahr ! Wir wollen das Buch nicht weiterlesen , die Welt ist so schön und ich bin so froh , so leicht heute . « Sie warf die seidene Decke zurück , die über ihr mattrotes Foulardkleid gebreitet war , und winkte mit der Hand hinüber zu den Kastanien . » Sehen Sie , Klaudine , da kommt eben der Herzog . Er scheint müde vom Spiel . Mein lieber Freund , ich bin etwas zu faul heute für unsere Dominopartie , aber vielleicht übernimmt Fräulein von Gerald meine Stelle ? Bitte , das Tischchen hierher « , befahl sie und wandte sich in der Hängematte herum , stützte das Haupt auf die Hand und sah zu , wie der Herzog Klaudine gegenüber Platz nahm , die Steine verteilte und die seinigen aufbaute . Klaudines schlanke Finger begannen plötzlich zu zittern , sie neigte das schöne Gesicht tiefer über die schwarzweißen Steinchen und eine rosige Glut stieg ihr bis unter das wundervolle üppige Blondhaar . Dort drüben , jenseits des Rasenplatzes , war etwas blaues aufgetaucht , flatterte näher wie ein zierlicher Schmetterling und blieb dann mit einemmal regungslos stehen . Und hinter diesem Blauen ? » Ah , mein Kind « , sagte die Herzogin halblaut , » Sie scheinen zerstreut , der Herzog wird das Spiel gewinnen . « » O , das ist ja eine idyllische Gruppe , das ist , als habe Watteau sie gestellt ! Ich fürchte , Baron , wir stören « , rief die in hellblaues Leinen gekleidete Prinzessin und wandte sich mit einem halb spöttischen , halb ärgerlichen Ausdruck nach rückwärts , wo ihre Mutter am Arme des Schwiegersohnes ging , gefolgt von dem Kammerherrn und der Hofdame . Und sie blickte in Lothars Gesicht , das , wie aus Erz gegossen , keinen Zug veränderte . Die alte Prinzessin nahm die Lorgnette vor die Augen und sagte , ohne eine Miene zu verziehen : » Vorwärts , mein Kind , du wünschtest Elisabeth zu überraschen , übernimm also die Anmeldung , bitte ! « Prinzeß Helene bewegte sich vorwärts , aber sie flatterte nicht mehr und ihre schwarzen Augen sahen sehr unzufrieden drein . Sie klappte