solche Charaktere sind zuverlässig . « Welche Mutter wäre nicht beseligt von solchem Lobe . » Ja , « murmelte sie , » ich darf es auch sagen , so ist er . « » Es kommt mir vor , « sprach Frau Senator , » als ob Marieluis und Ihr Sohn in eine bestimmte Atmosphäre von Beunruhigung geraten sind . Zwar - Marieluis ist nicht das Mädchen , etwas über ihr Innenleben zu verraten - auch mir nicht . Das acht ' ich , das lieb ' ich an ihr - das hab ' ich ihr ja anerzogen , sich stolz zu beschweigen . Aber ich sah sie zweimal erröten ! Natürlich ahnt sie nicht und soll es nicht ahnen , daß ich es sah . Und dann sonst noch Zeichen - Sie haben es kaum bemerkt : Am Tage nach dem Brande - Marieluis fiel mir in die Rede - das konnte nur die starke Begierde sein , Ihren Sohn weitererzählen zu hören . Und so allerlei . Und er ! Ja , ich finde , sein Humor wird wohl gelegentlich forciert , von versteckter Gereiztheit , wenn Marieluis lange schweigend dasitzt . Und so allerlei ... « » Sie meinen ... ? « stammelte Sophie . » Ich meine : es paßte ! Die beiden zusammen . Uns . Ihnen . Ich hoffe doch , auch Ihnen . « Sophie wurde dunkelrot . » Ich würde glückselig sein , « sagte sie , und Tränen traten in ihre Augen . Sie hatte das dringliche Bedürfnis , der andern Mutter um den Hals zu fallen . Aber die saß sachlich und voll äußerlicher Ruhe da und lud nicht zu solcher Rührung ein . Aber nun wußte Sophie es ja doch : unter all dieser verständigen Beherrschtheit verbarg sich ein warmes Herz . Und hinter all dieser sozialen Tätigkeit , die vor dem Kampf um sittliche Hebung auf den dunkelsten Gebieten nicht zurückschreckte , hinter dieser sehr modernen , moralischen Kühnheit lebte der ganz frauliche , uralte , rührende Mutterwunsch , das Kind glücklich zu verheiraten . - Die beiden Frauen waren sich dann klar : dies Gespräch mußte ihr Geheimnis bleiben , und man konnte nicht zart und nicht unbefangen genug sein . Aber immerhin wußte man nun beiderseits : solch Bündnis würde hüben und drüben Freude bedeuten . Auch konnten sie als kluge und taktvolle Frauen viel fördern , ohne daß es spürbar ward . Sophie merkte aus kleinen unwillkürlichen Wendungen schließlich auch ein wenig das Hochgefühl der Hamburger Patrizierin heraus , die sich bewußt war , vorurteilslos zu sein , indem sie sich bereit erklärte , die Tochter einem Anfänger ohne Vermögen zu geben . Aber es beleidigte nicht - gar nicht . Sophie war solche weiche Natur . Eine von denen , die das Bedürfnis haben , alle Schwächen bei andern zu entschuldigen ; denen ein Ohr gegeben ist , das Liebevolle doch am stärksten zu hören . Sie empfand vor allem dann das grenzenlose Vertrauen , das ihrem Sohn geschenkt ward . Und das erfüllte sie mit begeisterter Dankbarkeit . Von dieser Unterredung an lebte sie in Stimmungen - himmelhochjauchzend , zum Tode betrübt - als hänge ihr eigenes Herz an den spinnwebenen Fäden solcher Hoffnungen , die ein Windhauch zerreißen kann . An Vergangenes und Begrabenes ward Sophie in schmerzlichster Weise gemahnt . Zu ihrer grenzenlosen Ueberraschung erhielt sie einen Brief von Frau Geheimrat Lyda Rositz , geborenen Freiin von Buschke . Der Brief war verbindlich und schien sogar warm . Und dennoch verspürte Sophie , auf Grund ihrer genauen Kenntnis dieser Frau , daß die naivste Unverschämtheit ihn eingegeben hatte . » Hochverehrte , liebe , gnädige Frau ! Gleich nach dem Tode meines teuren Gatten haben Sie uns einen großen Dienst geleistet . Ihm selbst auch , indem Sie die Papiere für ihn verwahrten , die sonst verloren oder gestohlen worden wären . Ich war damals zu zerbrochen , um Ihnen gleich persönlich zu danken . Dann erfuhr ich , daß Sie abgereist seien , und bald ging ich ja auch hierher . In St. Moritz kommt man zu nichts . Deshalb hoffe ich auf Ihre Nachsicht . Nun wollen wir nach Nizza , und Tulla liegt mir in den Ohren , daß sie nicht mit will , und hat die fixe Idee , daß der Wunsch des Vaters erfüllt werden müsse , und beichtete mir , daß sie sich gewissermaßen schon mit Ihnen verständigt hat , und daß Sie so gern mein Töchterlein zu Ihrem Vergnügen malen möchten . Was soll ich dagegen einzuwenden haben ! Tulla darf gern nach Hamburg reisen , meine Jungfer könnte sie hinbringen . Wenn Sie in der Pension Tulla unter Ihre Fittiche nehmen wollten , fände ich es entzückend . Schreiben Sie mir nur , wieviel Geld Tulla da wohl wöchentlich braucht . Sie kann bis über Ostern bleiben . Ich wußte früher gar nicht , daß Sie eine so genaue Freundin meines Mannes waren . Wie finde ich es nett , daß er manchmal zu Ihnen kommen und mit Ihnen plaudern durfte . Unwillkürlich schreib ' ich Ihnen wie einer alten Bekannten . Aber wenn man auf so ungewöhnliche Weise durch so ernste und wichtige Dinge in Beziehung trat , macht sich das wie von selbst . Bitte , meine gnädige Frau , schreiben Sie mir gleich wieder , weil ich gern meine Abreise nach Nizza bestimmen möchte . Ihre dankbar ergebene Lyda Rositz , geb . Freiin Buschke . P.S. Tulla küßt Ihnen respektvoll die Hand . P.S. Wahrscheinlich bitte ich Sie später , auch mich zu malen . « Für Sophie stand zwischen den Zeilen : ich will Tulla gern für ein paar Wochen los sein , sonst wäre es mir nie eingefallen , dir zu schreiben ! Und dann diese glatte Unverfrorenheit , mit der die reiche Frau ihr zuschob , Tulla umsonst zu malen . Wie Allert es vorausgesagt hatte ! Und am ärgsten war der plumpe Hinweis auf