in stiller , grauer Einöde , kam der Zug zu einem Bache . » Da sind wir sicher ! « sagte Malimmes . » Jetzt muß sich der Bauer ein lützel zusammenklauben . « Er ließ den Taumelnden neben dem Bach auf den Boden nieder , wusch ihm das Gesicht und die offene Brust , klatschte ihm das kalte Wasser gegen Stirn und Augen , goß ihm aus einer gedörrten Gurke einen Schluck Branntwein zwischen die Zähne und gab dem halb Bewußtlosen unter wunderlichen Umständen mit der flachen Hand drei scharfe Schläge auf eine Stelle des Rückens . Rasch erholte sich der Bauer . Mit dem ersten klaren Blick sah er nach der Richtung hin , in der die Ramsau kg . Da war kein Feuerschein . Doch der Rauch des Brandes lag wie ein brauner Nebel über dem Tal . » So ? - Wohl , ich versteh schon ! - Jetzt ist der Jakob zugedeckt für ewige Zeit . « Ein Zittern rann durch die schwere Gestalt des Bauern . Und seine Augen irrten , während er schrie : » Das Maidl ? Wo ist das Maidl ? « Da trat der andre von den beiden , die ihn geführt hatten , im Grau des Morgens vor ihn hin , jung und schlank , in schlechtsitzender Bubentracht , einem siebzehnjährigen Knaben ähnlich , in einem verrosteten Holdenküraß , um den ein kurzes Schwert an dünner Kette hing . Über dem blassen , strengen Gesicht , das große , blaue , heißbrennende Augen hatte , saß eine rostige Eisenschaller , aus der das schwarze Haar , zausig abgeschnitten , bis zu den schmalen Schultern hing . Der Blick des Bauern glitt über dieses Eisen . War das nicht die Wehr seines Bruders , der jung hat sterben müssen ? Eine leise , herbe Knabenstimme : » Kennst du mich nit ? « Runotter erhob sich halb , unter heißem Lachen . » Bist du ' s gewesen , der mich unter dem Gaul herausgerissen ? « Ein stummes Nicken . Da sprang der Bauer auf , als wäre jede letzte Schwäche von ihm gewichen . Den Arm des Buben umklammernd , knirschte er durch die Zähne : » Recht hast ! Sei der Stellmann des Jakob ! Du ! Und tu das Eisen nimmer aus der Hand ! Und schlag und brenn und stich und mord ! Das Leben ist ohne Recht und Treu ! Und um so besser wird ' s , wie mehrer du niederschlagst ! « Malimmes lachte . » Gar so schiech wird ' s nit ausfallen . Ein paar lassen wir schon noch übrig . War doch ein lützel schad , wenn die Welt aussterben tät ! « Er wurde ernst . » Jetz komm , Bauer ! Zum Reden ist nit Zeit . Wir müssen flinke Füße machen . « Runotter schüttelte den Kopf . » Zum heiligen Zeno geh ich nit . « » Das hättst mir nit sagen brauchen . Ich mein ' , wir steigen über das Lattentor und nächten in der bayrischen Plaienburg . Unter Dach kann man weiterreden . « Der Bauer nickte . Zum Lattentor ? Da mußte man über das Hängmoos , wo der Jakob den letzten Schnaufer getan . Dort ein Vaterunser beten ! Weiter dachte Runotter in dieser grauen Morgenstunde nicht . Der Tag begann . Die Vögel waren wach geworden . Von einer steilen Wiese flüchtete ein Rudel Hochwild , als es die Menschen kommen sah , in den Schutz des Waldes . Die steigende Sonne verwandelte die wildzerklüfteten Grate des Lattengebirges in leuchtende Rosenhügel unter lachendem Blau . Und als sie herüberguckte über die Waldkuppen des Totenmannes , umglänzte sie den schweigsam wandernden Zug mit ihrem funkelnden Gold und warf die langen blauen Schatten der Menschen und Gäule weit voraus über den von Tauperlen schimmernden Grasweg . Über allen Bergen war der Himmel rein . Doch in der Scharte zwischen dem Lattengebirge und dem Untersberg , weit draußen in der westlichen Ferne , stand eine lange , violette Wolkenbank . Stieg da ein Gewitter herauf ? Oder wollten regnerische Tage kommen ? Am Saum des Waldes , der ganz rot von Sonne war , erhob sich ein Weib . Heiner , der mit dem Schimmel den Zug führte , blieb stehen , » Da ist wer . « Malimmes nickte . » Die müssen wir mitnehmen . « Um die andern kümmerte sich Traudi nicht . Sie schien nur den Malimmes zu sehen . Ihr Rock klatschte von der Nässe des Taues . Auf Hals und Stirn glitzerten die Perlen ihrer Mühsal . Eine Mischung von Staub und Schweiß hing fleckig an dem müden , verängsteten Gesicht . Das blonde Mädel mochte seit Mitternacht viel Heiteres nicht erlebt haben . Und dennoch war der Glanz eines Menschenglückes in ihren Augen , jetzt , als sie dem Malimmes mit dankbarem , schon wieder dürstendem Blick auf der offenen Hand den Goldpfennig hinhielt . » Da hast ihn wieder ! « » Den tu mir gut aufheben ! Meine Sack haben Löcher . « Ein leichtes Schwanken kam in seine ruhige Stimme , als er fragte : » Hast du am Taubensee das alte Weibl gefunden ? « Das Mädel nickte . Und während die beiden hinter den andern herwanderten , erzählte Traudi . Im Haus des Mareiner saß die alte Frau in der Herdstube neben dem Feuer . Sie zitterte vor Angst . Doch als sie die vier Goldpfennige - von dem , der am Zäunl gestanden - in den Strümpfen hatte , lachte sie ein bißchen . Immer wieder griff sie mit den dürren Händen zu ihren Füßen hinunter . Und dann schlief sie ein . Niemand war bei ihr in der Stube . Von den Buben der Nachbarsleute war keiner geblieben . Aber der Bauer und die Bäuerin waren noch beim Haus . Vieh und Karren standen im Hof , und immer schrie die Bäuerin nach dem Bauer , der mit