zu diesem Traum brauchen sie - « fragend sah ihn Stanislaus an . » Die Sozialisierung , ja gewiß , geebnetes Ackerland - als Boden für das Wachstum des einzelnen . Sehen Sie , da bin ich . Nicht aus Liebe , - aus Unliebe bin ich hierher gekommen . Aus Unliebe zum Vorhandenen und - aus heißer Sehnsucht nach - nach einer höheren Möglichkeit des Menschen . « Erregt , mit flammendem Blick , feurig , tief verwühlt in seiner Erlebnis , ging er auf und nieder . » Ich bin schon lange da « , erwiderte Stanislaus bedächtig und wiegte den Kopf . » Und aus sehr naheliegender Einsicht . Denn gehören nicht gerade wir zu den Besitzlosen ? Dabei sind wir nicht eins mit der Armut , wie der Proletarier , nicht gestählt durch sie . Mit unseren vielverzweigten Bedürfnissen sind wir in eine Situation gestellt , die es uns implicite verwehrt , gegen diese fremde und furchtbare Macht , die Armut , Front zu machen , - robust Gewinn zu suchen . Wer sonst als wir müßte ein heißeres Interesse daran haben , auf eine Gestaltung der menschlichen Gesellschaft hinzuwirken , die - Unfallstationen errichtet an allen Stellen , an denen sie gebraucht werden ? ! Wer sonst ? « Hoffmann schwieg , in Gedanken versunken . Nach einer Weile sagte er : » Ich will versuchen , mich anzuschließen , - da , wo ich glaube , - daß es gut und nötig wäre . « » Versuchen Sie es « , sagte Stanislaus . » Ich fürchte nur , daß man es - da - nicht für nötig hält . « Beide schwiegen . Dann fuhr Stanislaus fort : » Da ist etwas , das ich nicht genau - wahrnehme , nicht ich und nicht Sie . Es ist - wie eine verschleierte Gestalt . Ich sehe die Erscheinung , aber ich könnte die Formen ihres verhüllten Leibes nicht mit scharfen , wahren Linien umreißen ... nicht ich und nicht Sie . Da ist - glaube ich - ein Letztes , das fehlt , Ihnen und mir fehlt - ein letztes , notwendiges Wissen um dieses Ding . « Hoffmann blieb still . Dann sagte er : » Wer weiß denn um dieses Ding ? Wer kann diese Gestalt - kennen ? Ahnung - das ist alles . « » Ahnung - gewiß . Aber Ahnung , die am Wege wird , genügt nicht - fürchte ich , ist nicht die richtige Weiserin . « » Sondern ? « » Es gibt ahnend Geborene , - Freund , -und das sind nicht Sie und nicht ich . Deren Ahnung wächst dann mit ihnen auf , wird immer leuchtender , - und eines Tages ist sie Wissen geworden . Vielleicht lebt auch der , der um dieses Ding - mit dem wir ringen - weiß , der dann spielend löst , worüber wir grübeln . Solche Gutgeborene sind öfters gekommen ! « » Und zu denen gehören - nicht Sie und nicht ich « , wiederholte Hoffmann Stanislaus ' frühere Worte , und eine leise Bitterkeit zitterte über seine Lippen . » Wir tun das Unsere , auch das ist nötig . « Es war still und dunkel im Stübchen . Stanislaus holte die Lampe von der Kommode . » Seit wann sind Sie zurück ? « Hoffmann hatte seinen Hut ergriffen . » Seit zwei Wochen bin ich hier . « » So lange ? Ich bildete mir ein , Sie würden mich nach Ihrer Rückkehr früher finden « , fügte er , gutmütig lächelnd , hinzu . » Haben Sie Olga gesehen ? « » Ich sehe sie jeden Abend « , sagte Hoffmann mit leiser Stimme und blickte zu Boden . Stanislaus , der eben den Zylinder auf die brennende Lampe preßte , - wandte sich jäh und sah ihn an . » Sie sehen sie - « » jeden Abend « , sagte Hoffmann und hob den Blick voll zum Gesicht des andern . Der Lampenschirm von weißem Milchglas schlug klirrend an den Zylinder , als Stanislaus jetzt die Lampe fertig machte . » Leben Sie wohl , Stanislaus . « » Gehen Sie schon ? « » Ich gehe ... sie erwartet mich . « In Olgas möbliertes Zimmer trat die Wirtin ein . Es war eine noch junge Frau , von kümmerlichem Aussehen , blaß , mager , dürftig , die immer mit einem schwer verärgerten und fast lauernden Gesichtsausdruck umherging . Sie besorgte , ohne Dienstmädchen , die große Wohnung , deren einzelne Zimmer sie bis auf eines , in dem sie mit Mann und Kindern wohnte , alle vermietete , kochte daneben und gab ihren Mietern neben dem Frühstück auch einzelne Mahlzeiten . Besonders wünschte sie , daß man » das Mittag « bei ihr abonniere . Da dieses » Mittag « aber zumeist aus mehlig wäßrigen Büchsengemüsen mit zweifelhaften Fleischbrocken bestand , hatte sich Olga dazu nicht entschließen können . Man hörte den ganzen Tag Frau Schöcherts Stöhnen , - schwere Seufzer , die an ein Erbrechen gemahnten . Sie war melancholisch veranlagt , mißtrauisch bis zu Verfolgungsideen und schon einmal in einer Heilanstalt interniert gewesen . Die Familie war erst vor kurzem aus der Provinz nach Berlin übersiedelt . Der Mann war in einem Inseratenbureau angestellt , wo er Adressen schrieb , Kuverts zuklebte und Briefe frankierte . Seine Frau hörte es gern , wenn sie mit ihrem vollen Titel angesprochen wurde : Frau Expeditor . Drei kümmerliche Kinder krochen in der sonnenlosen Hinterstube , in Küche und Korridor auf ihren dünnen Beinchen , die an gestreckte Froschschenkel erinnerten , umher , und zumeist hörte man ihr Schreien und Weinen ; auch pflegten sie der Mutter , wenn sie in eines der Zimmer ihrer Mieter trat , nachzudrängeln , und schloß sich vor ihnen die Tür , so brach draußen ein ohrenbetäubendes Geschrei aus . Als Frau Expeditor Schöchert bei Olga eintrat , zog sie