nun ging es den Weg zurück , den wir gekommen waren . Im Dorfe drunten , am Mummelbach , wo die Pferde harreten , nahmen wir rasch ein Mittagsmahl und , nachdem der Offizier Verstärkung seiner Mannschaft requiriert hatte , schwangen wir uns in den Sattel und trabten gen Wasenstein . Die Sonne sank glutig hinter die Wälder , als wir vor dem Burgtor anlangten . Die Zugbrücke war hochgezogen , aus den Schießscharten lugten Musketen , und des Vogtes Stimme rief barsch : » Was ist euer Begehr ? « - » Obacht ! « gebot der Offizier ; » laß Er augenblicklich die Musketen einziehen und die Zugbrücke fallen . Befehl des Herzogs von Friedland ! Wer nicht gehorcht , soll büßen . Morgen reiset Seine Altezza unter starker Bedeckung nach Bayern und kommt hier nahe vorbei . Drum verständig , Herr Burgvogt ! Öffne Er das Tor . Hier bringen wir auch den Goldmacher . « - Nach etlichem Schweigen kam des Vogtes Antwort : » So Ihr den Goldmacher wiederbringet , sollet Ihr willkommen sein . « Und nieder ging die Zugbrücke , das Tor ward aufgetan , wir ritten hinein . Ich tat einen Jauchzer hinan zum Fenster der Jungfer Thekla . Ohne Verzug ordnete der Offizier ihre Freilassung an . Dem Vogte half kein Protestieren . Als aus ihres Gefängnisses Türe die Geliebte mir entgegen trat , frohes Hoffen im Auge , da stürzte ich wortlos zu ihren Füßen und konnte nichts tun , als ihre Hand immer nur küssen und glückselig aufschauen . Wir zögerten nicht , uns in die Freiheit zu begeben , und nur geringe Habe ließ die Jungfer durch Marianka zu einem Bündel schnüren . Verstohlen tat sie Goldstücke in meine Hand und flüsterte : » Nun rasch ins Weite , belohn Er die Soldaten ! « Allsogleich nahm ich den Offizier beiseite und bat ihn , fünf Dukaten anzunehmen . Wolle er uns mit seinen Leuten nach Tannwald geleiten , so werde sich die Jungfer Gräfin durch eine weitere Gabe erkenntlich zeigen . Das war der Offizier zufrieden , hatte auch nichts dawider , daß ich von den Soldaten für mich einen Karbiner , für Thekla ein Pistol kaufte . Sogleich bestiegen wir die Rosse . Thekla setzte sich hinter mich und schlang ihre Arme um meine Brust , während ein Soldat Marianka zu sich nahm . So ging es zur Burg hinaus in den Wald , auf den sich die Abenddämmerung senkte . Ohne Säumen verfolgten wir unser Ziel , und in leiser Zwiesprach überlegte ich mit Jungfer Thekla , wie zu reisen für uns das Ratsamste . Tat den Vorschlag , in Tannwald die Soldaten zu beurlauben und uns daselbst drei Pferde zu beschaffen . Da nämlich zu erwarten , daß der Vogt uns nachsetzen werde , so galt es , unsere weitere Spur zu verbergen . Es durfte niemand erfahren , wohin von Tannwald unsere Reise ging . Die Jungfer Gräfin stimmte meinem Plane bei , änderte ihn jedoch in einem Punkte ab : » Marianka muß in Tannwald bleiben . Sie kann das Reiten nicht vertragen und ist bereits jetzt dem Hinfallen nahe . Übrigens hat sie einen Bruder in Schwarzbrunn wohnen und wird froh sein , so wir ihr keine weitere Reise zumuten . Später einmal , wann ich eine ruhige Stätte gefunden , mag sie zu mir kommen . « Nach dieser Verabredung taten wir . In Tannwald belohnten wir den Offizier und die Soldaten und ließen sie heim reiten , während wir von einem Gastwirte für gutes Geld zwei Pferde kauften , mit der Angabe , wir wollten über Gablonz nach Kursachsen reisen . Selbiges sagten wir auch Marianka und rieten ihr , im Gasthause zu übernachten , andern Tages aber ihren Bruder aufzusuchen . Da ihr die Jungfer Gräfin reichlich Geld gab , so war die gute Dienerin zufrieden , wiewohl sie unter Tränen und Schluchzen vom Fräulein Abschied nahm . Nach einem kurzen Ritte in der Richtung von Gablonz bogen wir rechts in den Wald und fanden im Mondschein einen Pfad , der gen Weisbach führte , lenkten indessen gleich darauf wiederum ab , und zwar gen Morgen . Zween Bäche überschritten wir und kamen an den Kleinen Iser . Hier hatte mich vor drei Jahren das Waldvöglein gewarnet . Zur Linken lag der Wälsche Kamm . Wald dunkelte auf beiden Seiten . Wir waren zum Hinstürzen müde und schwiegen . Einmal hielt ich mein Pferd und des Fräuleins Pferd an ; Hufschläge glaubte ich hinter uns gehört zu haben , es war aber nur der Widerhall unseres Trabes . Der Nachthauch raunete durch die Tannen , fernes Gewässer rauschte , manchmal schrie eine Eule , auch Wölfe hörten mir bellen . Als der Tag graute , waren wir unweit der Abendburg , trabten ins Weißbachtal und langten beim Lodern der Morgenröte vor Preißlers Glashütte an . Unterwegs hatten wir verabredet , Frau Preislerin zu bitten , die Jungfer bei sich aufzunehmen . In Oheims Haus konnte sie nicht gut wohnen , weil er kein eigen Gemach für sie besaß , auch aus dem Grunde , weil jegliches Aufsehen in der Nachbarschaft vermieden werden mußte . Es traf sich gut , daß bei unserer Ankunft die Preislerin gerade allein vor ihrem Wohnhause war , das Gärtel begießend . Trotz des Bartes , der mir gewachsen war , erkannte sie mich wieder , wobei sie einer traurigen Rührung unterlag , im Angedenken an ihre selige Elfriede . Als ich mein Anliegen vorgetragen und für die Jungfer um Schutz gebeten hatte , war die gute Frau gern bereit und traf sofort Anstalten , ihren Gast zu beherbergen . Es sei ihr eine Herzensfreude , sagte sie , einer Landsmännin beizustehen , die gleich ihr des evangelischen Glaubens halber aus Böheim habe flüchten müssen , und sie wolle das Fräulein ansehen wie ihre eigene Tochter . Wir bedankten uns und machten miteinander aus , die Jungfer solle für eine Prager Verwandte der Familie