in dieser Rolle ? « » Ja , weiß ers denn ? « stammelte er . » Ob ers weiß ? Diese Frage ! Natürlich weiß ers ; selbstverständlich weiß ers ; selbstverständlich hat sie ihm getreulich jedes Wort , jede Träne , jeden Kniefall hinterbracht . Das war nicht bloß ihr Recht , sondern sogar ihre Pflicht ; unterließ sie es , so hätte sies mit ihrem Gewissen zu tun bekommen . « Da biß er sich auf die Lippen und senkte die Stirn . Plötzlich gewahrte er einen Gedanken , der schon lange unbeachtet vor ihm gestanden hatte . » Und Sie , Sie selber , gnädige Frau , woher , wenn mir die Frage erlaubt ist , woher wissen Sie das alles so genau ? « » Nun , natürlich von ihr . Sie weiß ja doch , daß ich Ihre nächste Freundin bin ; mithin war sie sicher , mir mit der Erzählung Ihrer Demütigung weh zu tun ; diesen Genuß wird sie sich doch nicht versagen ; das ist einmal unter uns Frauen so Brauch . Und sie hat richtig gezielt ! Anhören zu müssen , wie Sie Ihre Würde , Ihren Stolz vergessen , wie ein ernster , bedeutender Mann , an welchen man glauben möchte , Taktlosigkeiten begeht , sich wie ein schmachtender Jüngling zu Kniefällen erniedrigt , das schmeckt bitter . Mehr als einmal war ich auf dem Punkt , Sie zu mahnen ; allein ich habe keine Lust , in andrer Leute Wohnung einzubrechen wie eine Salutistin ; wer mich geflissentlich meidet , wer mir die Ehre seiner Besuche nicht gönnt , dem will ich mich nicht aufdrängen ; auch hatte ich immer noch eine kleine Hoffnung , Sie würden sich schließlich von selber auf Ihren Wert besinnen . Bis ich Ihnen dann heute zufällig begegnete . « » Also , kurz gesagt , Frau Direktor Wyß in Person hat Ihnen alles und jedes , was zwischen uns unter vier Augen geschah und gesprochen wurde , haarklein mitgeteilt ? « » Kurz gesagt : ja . « » Und alles auf einmal ? oder zu wiederholten Malen ? Jeweilen die neueste Zeitung ? - Sie schweigen ? Dann brauche ich keine weitere Antwort . « Ihm war , er ersaufe in Schande wie eine Maus im Nachttopf . Die Geschichte seiner selbstlosen , andächtigen Liebe von der Geliebten kolportiert wie ein Feuilletonroman im Stadtblatt ; Tag für Tag eine Nummer , Fortsetzung folgt ! Die Tränen , die ihm das unerträglichste Herzeleid erpreßte , ein heiliges Herzeleid , das weit über der Welt in der Heimat aller Seelen wurzelte , dem nüchternen Urteil Unbeteiligter vorgewiesen , zur verstandesmäßigen Prüfung . Frau Steinbach aber , da sie ihn so kleingeschlagen sah , gedachte seine Zerknirschung zu benützen , um einen rettenden Willensschluß aus ihm hervorzustrafen . » Also was wollen Sie ? was hoffen Sie ? worauf warten Sie ? « » Ich warte darauf « , antwortete er feindlich , » ob Sie mich nun endlich genügsam erniedrigt zu haben glauben oder ob Sie belieben , mich noch länger zu mißhandeln . « Betroffen schaute sie ihn an . Er war gänzlich verändert ; wie ein fremder , finsterer Dämon starrte er ihr entgegen . » O sehen Sie mich nicht so an « , rief sie schmerzlich . » Seien Sie doch nicht ungerecht ! ich meine es ja gut mit Ihnen ; es geschieht , das wissen Sie doch , aus lauter Freundschaft . « Allein seine Augen rollten , sein Mund verzerrte sich . Plötzlich war er aufgesprungen , erhob den Arm und rief mit lauter , bebender Stimme , als spräche er in die Ferne : » Wenn ich diese gräßliche Stunde erlebe , wenn ich schimpflich hier stehe wie ein abgestrafter Schulbub , mit Lächerlichkeit übergossen wie ein geprellter Liebhaber am Schluß einer Posse , ein Spielball herzloser Menschen , so erleide ich das , weil ich meinen Fuß auf den Weg zur Größe setzte . Ich hätte es anders haben können : Ruhm und Ehre , Ansehn und Reichtum , Glück und Liebe lagen zu meinen Füßen ; ich sah es glänzen , ich brauchte es bloß aufzuheben . Hätte ichs getan , hätte ich als ein Wicht gehandelt , die Niederung vorziehend , ich schwelgte heute in Wonne und Seligkeit , geliebt und umworben ; niemand spottete mein , niemand wagte mich zu schmähen , mich zu maßregeln ; mit scheuer Ehrerbietung würdet ihr mir heute nahen , die Männer würden sich meine Freundschaft zur Auszeichnung anrechnen , und das unedle Gezücht der Weiber würde mich umbuhlen . Herzlose Menschen ! stumpf und fühllos wie das Tier ! Siehe da , meine arme Seele überflutet von reiner , heiliger Liebe wie ein brandend Meer , ich begehre zum Entgelt um das Opfer meiner Jugend , meines Lebensglückes nichts als ein winziges , geiziges Tröpflein Liebe für mein durstiges Herz - was sage ich Liebe , o nicht einmal Liebe ; nichts als die Erlaubnis , ungestraft lieben und leiden zu dürfen . Und was gebt ihr mir dafür ? Spott und Gelächter . Wohlan denn , demütigt mich , nehmt Kübel und Kannen , stürzt eimerweise über meinen Scheitel allen Unrat der Schande , ich werde auch das zu ertragen wissen . Das aber sage ich euch , es wird eine Zeit kommen , wo vor meine Persönlichkeit andersartige Menschen mit ihrem Urteil herantreten werden , Menschen , die ein Herz und Gemüt haben ; die werden mir die beschmutzten Wangen mit Ruhm abwaschen , und wenn sie meine Wunden gewahren , werden sie sprechen : Der war kein Narr , sondern er war ein Dulder . Und meine arme , mißhandelte Liebe , die mir heute zum Verbrechen ausgelegt wird , um deretwillen ich von einer herzlosen Frau genarrt und von einer zweiten herzlosen Frau verunglimpft werde , ich sage euch , manch eine wird dereinst , wenn ich tot bin , in