nicht finden und begann am nächsten Tag von neuem . Nachts konnte sie nicht schlafen , wenn sie auch todmüde war . Ihre Gedanken gingen irre durcheinander . - Henryk mit seinem : Was soll daraus werden ? - Die Frage drängte sich auch ihr immer unentrinnbarer auf . - Von ihm fordern , daß er für sie und ihr Kind sorgen sollte , sein Künstlertum unterbinden , lähmen ? - Nein , er mußte freibleiben , sie wollte sich nicht wie ein Bleigewicht an ihn hängen . Aber was dann ? - Dann stand sie vor dem nackten Elend , vor dem Hunger - sie und ihr Kind . Ihr Geld war jetzt völlig zu Ende , hie und da lieh sie sich etwas von den Bekannten , aß mit Zarek zu Mittag , weiter brauchte sie nichts . Noch vor kurzem hatte es ihr ganz einfach geschienen , jahrelang so weiterzuleben , wenn sie sich von Reinhard trennte . Aber jetzt , wo ihre Kräfte immer mehr versagten , wo sie tagelang mit Ohnmachten und einem entnervenden Schwindelgefühl kämpfte und das kleine Leben in ihr sich immer beängstigender regte - und niemand , der ihr zu Hilfe kam . Sterben - immer wieder kamen ihre Gedanken darauf zurück - jedes Gefühl in ihr wehrte sich dagegen , aber was blieb ihr sonst ? Es muß sein - das sagte sie sich immer wieder vor wie eine Lektion , die nicht in den Kopf hinein will . - Den Brief an Reinhard wollte sie zurücklassen - er war jetzt endlich fertig geworden - und dann von Henryk Abschied nehmen , ohne daß er etwas davon wußte . Aber er kannte sie zu gut , er wußte immer , was sie dachte , und ihre Angst verriet sich , ohne daß sie es wollte . » Was hast du vor , Ellen ? - Du hast doch nicht schon an ihn geschrieben ? « » Schon ? « sagte sie . » Mir scheint , es ist höchste Zeit . Der Brief liegt da und braucht nur noch abgeschickt zu werden . « » Was hast du vor , Ellen ? « » Ich weiß selbst nicht - laß mich gehen , ich komme morgen wieder . « Henryk ließ sie nicht gehen , er schloß die Tür zu . » Ich weiß , was du willst - ich kann es mir denken - aber ich will es nicht . « Sie konnte sich nicht länger beherrschen und schrie auf : » Laß mich , Henryk ! - Es hat ja keinen Sinn , es noch länger hinauszuschieben . - Was soll ich denn tun ? ! « » Komm , Kind , sei vernünftig - du hast ja doch nicht den Mut dazu . « Nein , den hatte sie im Grunde nicht , das Grauen vor dem Tod schüttelte sie , wenn sie klar darüber nachdachte . Aber er sollte sie nur in ihrer Verwirrung lassen , dann würde es schon gehen - irgendwo hinaus ans Wasser und dann besinnungslos hinein , dann war ja alles gut . So setzte sie sich wieder auf das Bett , die Hände vorm Gesicht und wollte nicht antworten , nicht sehen , nichts mehr hören , nur ganz in sich hineinsinken , sich kalt und gleichgültig machen zu dem , was unabänderlich vor ihr stand . » Du hast mir gesagt , daß der Brief noch nicht fort ist - du darfst ihn überhaupt nicht abschicken , Ellen . « » Es geht nicht länger - er wartet immer noch darauf , daß ich komme . « » Du mußt ihn heiraten , Ellen , es bleibt nichts anderes übrig . « Es ging ihr eisig durchs Herz - ein Schrecken , der furchtbarer war , wie alles andere . Einen Augenblick war ihr zumut , als ob die ganze Welt um sie her zusammenbräche und in einem wirren Haufen zu ihren Füßen niederrollte . Sie sagte kein Wort , während Henryk immer weitersprach : » Er liebt dich , und ist es nicht besser , wenn einer glücklich wird , als daß wir alle drei zugrundegehen ? - Wenn du dir etwas antust , ist mein Leben mitzerstört und seines auch . Oder glaubst du , ich könnte weiterleben mit dem Gedanken , dich in den Tod gejagt zu haben ? Ellen , und ich kann dich nicht bei mir behalten mit einem Kind , du weißt es selbst - was sollte aus uns allen werden dabei ? « Nach langer Zeit nahm Ellen die Hände vom Gesicht und sah ihn an . Sie fühlte nur wieder , wie sie ihn liebte , daß ihre Liebe bis an die Grenzen des Wahnsinns ging . Mochte er von ihr verlangen , was er wollte , ihr den Kopf abschlagen , den Lebensnerv durchschneiden - sie hätte ja gesagt und stillgehalten . » Ja , Henryk , ich will tun , was du willst - mach jetzt die Tür auf . « Er faßte sie bei den Schultern und sah sie an : » Versprich mir , daß du dir nichts antust . « » Ja , ich verspreche es dir , aber laß mich gehen . « Als Ellen nach Hause kam , zerriß sie den Brief an Reinhard und schrieb einen neuen : » Ich komme , sowie alles in Ordnung ist , und bin mit allem einverstanden . « - Dann saß sie noch lange am Tisch mit geschlossenen Augen : wenn es möglich war , daß Henryk ihr das vorschlug , dann mußte sie es wohl auch tun können und brauchte nicht zu sterben . Sie fühlte keinen Groll gegen ihn - jede Empfindung in ihr war wie gelähmt . Gegen Abend brachte sie den Brief auf die Post und ging zu Zarek hinauf . Der Fritz war auch da ; die beiden sahen , daß Ellen sich kaum mehr auf den Füßen halten konnte und legten sie