schimpfte , ein paar Flüche wurden hörbar . Endlich war alles in Ordnung , aber der kranke Mann kam nicht weit : von einer plötzlichen Ohnmacht befallen , mußte er in den Wartesaal geführt werden , damit er sich erhole . Der Portier übergab ihn einem Kellner , der den Feingekleideten auf englisch um seine Befehle befragte . Der Reisende antwortete in deutscher Sprache mit geschlossenen Augen : » Kognak , Gepäckträger , Droschke ! « Nach dem Kognak erholte er sich sichtlich , und als er dem Gepäckträger , der die kleine Tasche übernommen hatte , durch die Korridore folgte bis zur Rückseite des Bahnhofes , wo es möglich war , einen Wagen zu erlangen , war sein Schritt nicht ganz so schleppend wie vorhin . Zwei hübsche Mädchen mit großen Hüten und enggeschnürten Taillen strichen dicht an dem Reisenden vorüber . Er hob den Kopf und sah ihnen nach , sein Gesicht belebte sich . » ßt ! Träger ! « machte er halblaut , » wie heißen die ? « Verständnislos blickte ihn das verschwitzte Gesicht unter dem blanken Mützenschild an : die plötzliche Veränderung des schlaffen Kranken war wie Hexerei . » Sie kommet wiet her , gelte Sie ? « sagte der Träger herablassend . Der Reisende stieg ein . Der Droschkenkutscher knallte . » Drißig Rappe , Herr ! « sagte der Träger , sich aufstellend . » Drißig Rappe , Sie ! « schrie er zornig , als er keine Antwort bekam , und er folgte dem sich bewegenden Wagen . » Drißig ! Sie ! « rief der Kutscher . » Pardon ! vergessen ! « Der Träger erhielt fünfzig Centimes , aber er mußte sie zwischen den Straßensteinen aufsammeln , der zerstreute Reisende hatte sie hinausgeworfen . Eine halbe Stunde später stand der gelbe , kranke Reisende vor dem Hause » Zum grauen Ackerstein « und las , sich niederbeugend , auf dem blanken Messingschilde den Namen : Dr. Georges Geyer . Er hörte noch das langsame Wegrollen des Wagens , der ihn hergebracht ; jenseits der Tür mit dem Messingschilde erklang Gelächter , leichte Füße trippelten , eine Flurlampe wurde angezündet . Das letzte Abendrot erlosch hinter der roten Gardine des Flurfensters ; der Reisende spähte hinaus auf den weiß herauf schimmernden , gekrümmten Weg , den ein knorriger Apfelbaum mit gelichteter Krone überwölbte . Er spähte hinein zwischen die bunten Vorhänge vor der Glastür . Das Gelächter , die leichten Schritte waren verhallt , still brannte die Lampe auf dem schmalen Örn . Ein Heimchen schrillte vernehmlich ; das Herz des Ankömmlings pochte so , daß die Musik des Heimchens damit zusammenklang . Zum Umsinken müde , mit zusammengebissenen Zähnen stand er unschlüssig . Endlich erhob er die gedunsene , zitternde Rechte und tastete nach der Klingel . Auf einmal fuhr er empor : die Finger hatten eine Vertiefung gefunden mit einem flachen Knopf . » War er nicht sonst groß und von Glas ? « murmelte er und beugte sich zu dem flachen Metallknopf in dem glänzenden Grübchen . Er wollte lachen . Der linke Mundwinkel zog sich gegen das Ohr abwärts , die linke Schulter zuckte gegen das Ohr herauf . » Äh ! wieder ! « ächzte er und fuhr sich glättend über die verzerrte Wange . Dann , mit einem ungeduldigen Kopfschütteln , legte er zwei Finger auf den Metallknopf in dem Grübchen und drückte . Ein langanhaltendes , starkes Läuten ertönte , dann Türöffnen , Schritte . Vor dem Reisenden stand ein schönes , schwarzhaariges Mädchen in einer feuerroten Ärmelschürze , groß und schlank , eine Stricknadel zwischen den Zähnen . » Bona sera , « zischelte sie , » zu wem wünschen Sie ? « » Frau Geyer , « murmelte der Fremde und verzerrte sein gelbes Gesicht in entsetzlicher Weise . Das schöne Mädchen wich zurück , ohne ihren Widerwillen zu verbergen . » Die Frau ist net daheim , ist mir leid , « sagte sie kurz , indes sie die Stricknadel zwischen den weißen Zähnen herauszog . » Wann kommt sie ? « beharrte der Besucher , das hübsche , finster gewordene Gesicht eindringlich musternd . » Um elf in der Nacht halt oder um zwölf ! « Der Fremde ächzte und schüttelte den Kopf . Argwöhnisch schaute er sie an . » Wo ist sie denn so lange ? « » Ja , in der Klinik halt ! Wenn mer emal Assistentin ischt , net wahr ? « » Ach ! « er schlug sich vor die Stirn , lachte auf seine nervöse , entstellende Weise und fragte grämlich : » Wer ist denn sonst daheim ? « Das Mädchen wunderte sich . » Der Herr Bernstein ist mit dem Fräulein Helene im Kolleg , aber der Herr Loginowitsch ist vielleicht daheim , i will go frage ! « Sie ging schnell und ohne anzuklopfen in eine Tür hinein ; als sie zurückkehrte , kam ein etwa elfjähriges , hellgekleidetes Mädchen mit langen , braunen , um Stirn und Nacken herabhängenden Haaren mit heraus . Die Kleine drängte ihre zarte , schmächtige Gestalt an die des schwarzhaarigen Mädchens , dessen kräftige Schönheit neben dem durchsichtigen Kindergesicht mit den großen , weit aufgeschlagenen und dennoch wie schlafenden Augen fast derb erschien . » Die Mama ist in der Klinik , « sagte eine leise , süße Stimme , und die durchsichtigen Bäckchen erröteten . Auch das kranke Gesicht des Besuchers hatte sich gerötet ; die Augen waren wie mit Blut gefüllt , der Mund zuckte unaufhörlich . Er hatte die Arme erhoben und sagte , gewaltsam seine Stimme dämpfend und ohne den Blick abzuwenden : » Aber du bist zu Haus ! « Damit trat er über die Schwelle , die Tasche schleifte er nach ... » Ich ? « schrie die Kleine schrill auf und flüchtete vor dem Eindringling bis in die offenstehende Küchentür . » Laure Anaise ! komm ! komm ! « Sie stampfte mit den Füßen