Panzer - alles das ist die Liebe - die beglückte und die trauernde . Noch jetzt ist mir der reichste Besitz die Erinnerung an meinen Toten . Dir , Rudolf , ist das Leben noch solchen Reichtum schuldig ... eine Gefährtin würdest Du brauchen - eine mitstrebende , dabei angebetete - « » Ich denke nicht an mich ... Und gerade jetzt , was mich erfüllt , ist Verzicht und Entsagungsweh - von Zukunfts- und Glückshoffnungen weiß ich nichts . Die Liebe , wie Du sie besessen hast , und für mich träumst , was ist das für eine seltene Zufallsgabe ! Ich gehe nicht aus , solche Wunderblumen zu suchen , für mich . Ich gehe aus , Pflichten zu erfüllen - für andere . Und traurig bin ich - « » Ja , das höre ich an Deinem Ton . Mir ist ' s auch zum Weinen . « » Also weine , Mutter , das erleichtert - - « Beide verfielen in wehmütiges Schweigen . Der Mond verfinsterte sich . Schwarze Wolken zogen über seine Scheibe und es erhob sich ein klagender Wind , der durch die Rauchfänge pfiff . Martha schüttelte sich fröstelnd . » Komm , « sagte sie , » laß uns zu den anderen zurückgehen . Harre bei Deinen Gästen aus - das letztemal . « Rudolf erfüllte den Wunsch seiner Mutter , er begab sich in den Salon zurück . Man saß und stand in lebhaft sprechenden Gruppen umher . Bei seinem Nahen verstummten die meisten Unterhaltungen ; er hatte den Eindruck , als wäre eben von ihm die Rede gewesen . In einer Ecke sah er Minister » Allerdings « , Pater Protus und Oberst von Schrauffen bei einander stehen . Auf diese Gruppe ging er zu . » Hier sind ja drei meiner nächsten Freunde versammelt - tres faciunt consilium - gern wollte ich hören , was Ihr gesagt habt . « » Ich sagte , « antwortete der Minister , » daß ich den Eisstoß schon lange kommen gesehen ... Dein Benehmen und Deine Äußerungen in der letzten Zeit ließen alles Extravagante vorausahnen . So toll habe ich es allerdings nicht erwartet - seinen Besitz herschenken ! « » Und Sie , Herr Oberst ? « » Na , nachdem Sie mich so grad herausfragen und Exzellenz Wegemann sich auch kein Blatt vorm Mund genommen hat , so rede ich auch grad heraus . Mir kommt die G ' schicht nicht nur stark verruckt , sondern sogar ein biss ' l straffällig vor . Wollen ' s unter die roten Sozialisten gehen ? Haben ' s ganz vergessen , daß Sie ein Kavalier - und daß Sie Reserveoffizier sind ? « » In der Tat , mon Colonel , in diesem Falle habe ich mich nur meines Menschtums erinnert . Und Sie , mein lieber Pater Protus - werden Sie mich auch exkommunizieren ? Wie ich Sie kenne , fürchte ich das nicht von Ihnen . « Der junge Pater blickte Rudolf ernst und mild ins Gesicht : » Sie haben recht , Herr Graf - mir liegt jedes Anathema fern ... Nicht einmal richten und urteilen möchte ich da , wo ich nicht ganz verstehe . Ihre Absichten - Ihre Gedankenkreise sind mir nicht ganz klar ; aber so wie ich Sie kenne , weiß ich , daß Sie Gutes wollen ... Mir tut es nur in der Seele weh , einen solchen Patron zu verlieren . Ach , hätte die arme Frau Gräfin und hätte das arme Bubi gelebt - Sie würden uns dann nicht verlassen haben . « Rudolf schob seinen Arm unter den des Paters und zog diesen ein paar Schritte weiter . » Kommen Sie , mein lieber Herr Pfarrer , ich möchte ein paar Worte mit Ihnen allein reden . Setzen wir uns hier in diesen Winkel , da hört und stört uns niemand . Den beiden anderen habe ich nicht weiter Rede stehen wollen . Ich habe mich von ihnen getrennt - abgrundweit , da gibt ' s kein Verständigen mehr und was jene von mir denken , muß mir gleichgültig sein . Ihnen gegenüber , Pater Protus , habe ich das Bedürfnis , mir noch ein bißchen das Herz auszuschütten . « » Das klingt ja wie die Einleitung zu einer Beichte . « » Ich habe bei Ihnen nie gebeichtet ... und überhaupt , wie Sie wissen , mich den kirchlichen Zeremonien ferngehalten - « » Sie - Herr Graf - wie gar viele - glauben , ohne auszuüben - « » Nein ... Sie sollen keine falsche Meinung von mir haben . Ich glaube nicht - und meinte , daß Sie das wußten - « » Ich vermutete es wohl , aber - « » Ach , seien wir in dieser letzten Stunde ganz aufrichtig ... ... Wir haben uns gegenseitig immer geachtet und gegenseitig hinter dem , was wir verschwiegen , einander auf den Grund der Seele geblickt , nicht wahr ? Ich weiß , was Sie Ihrem Beruf schuldig sind und schätze den Takt sehr , mit dem Sie es verstanden , ein so pflichttreuer Landpfarrer und ein Mensch von modernem Geist und Wissen zu sein . « » Und Sie , Herr Graf , vereinten taktvoll den kritischen Skeptiker mit dem adeligen Kirchenpatron . « » Ich aber , Pater Protus , habe dem Dualismus entsagt . Mit den anderen Majoratsprärogativen habe ich auch das Patronat niedergelegt - und so kann ich mich ganz frei geben . Takt - das ist so ein Ding , das diejenigen brauchen , die einen Widerspruch verbergen , den sie in sich tragen , oder durch den sie sich lavierend durcharbeiten wollen ... ich habe diese Notwendigkeit abgeschüttelt - und darum sage ich Ihnen jetzt ganz offen : der Kampf , zu dem ich mich rüste - der Befreiungskampf gegen alles , was die Menschheit in Fesseln , auch in geistige Fesseln schlägt - der wendet sich natürlich auch gegen