größten Bestimmtheit behauptet . Aber ich sollte sogleich vom Gegenteile überzeugt werden , denn er wickelte sich in seine Decke ein und sagte : » Der Frost ist weg , ganz plötzlich weg , wohl weil ich aufgestanden bin . Ich werde wieder warm . Nun bin ich müd , so sehr müd . Ich werde wieder schlafen . Gute Nacht , mein Sihdi ! « » Gute Nacht , mein lieber Halef ! « » Lieber Halef ! So sagst du zu mir ? Hast du mir verziehen ? « » Von ganzem Herzen ! « » Ich danke dir ! Wollen ja nicht vergessen , einander ohne alle Unterbrechung und ohne alles Aufhören recht , recht lieb zu haben ! Du hast mir vergeben , aber ich selbst mir nicht . Ehe ich dich weckte , habe ich über heut nachgedacht . Ich war nicht gut zu dir , nicht höflich und bescheiden . Das ist zwar nicht dein guter Halef , sondern jener böse Hadschi gewesen , der immer , immer Fehler macht , aber da ich diese seine immerwährenden Dummheiten nicht zu dulden habe , muß ich mich ganz ebenso wie ihn selbst anklagen . Er hat dich beleidigt und gekränkt . Das war schlecht , nicht bloß von ihm , sondern auch von mir ! « Nun war er still , der liebe prächtige Kleine . Ich lauschte . Er bewegte sich nicht mehr , und als ich mich nach einiger Zeit zu ihm hinüberbog , bemerkte ich , daß er eingeschlafen war . Er wachte zu meiner großen Freude auch nicht eher auf , als bis die Dunarun aufstanden und er durch den nun entstandenen Lärm aufgeweckt wurde . Da stand er auf , aß und trank , war munter wie ein vollständig gesunder Mann und sagte , als er sah , daß ich ihn beobachtete : » Sie ist längst wieder fort , die mich heute nacht besuchte . So alte Klage- und Jammerweiber halten es bei einem rüstigen Menschen niemals lange aus . Soeben steigt der Scheik auf das Pferd . Komm , Sihdi , laß uns dasselbe thun ! « Er schwang sich leicht und frei in den Sattel , so wie ich gewohnt war , es von ihm zu sehen . Ich wurde vollständig irr an dem Krankheitsbilde , welches mir in Beziehung auf ihn bisher drohend vorgeschwebt hatte , und fragte mich , ob es sich vielleicht doch nur um eine morbillöse Infektion handle . Aber dann hätte unbedingt ein Katarrh der Luftwege und der Augenbindehaut , begleitet von einem reichlichen Thränengusse , vorhanden sein müssen , und das war keineswegs der Fall . Mochte nun aber vorliegen , was da wollte , ich mußte die Entwickelung ruhig abwarten . Halef kämpfte jedenfalls mit größerer Anstrengung , als er mir eingestehen wollte , gegen dieses Uebel , und ich nahm mir vor , ihm diesen Kampf nicht thörichterweise zu erschweren , daß ich ihn die Größe meiner Besorgnis sehen ließ . Unser Nachtrab hatte uns gegen Mitternacht eingeholt . Er blieb noch hier , um auszuruhen und uns dann zu folgen . Wir aber ritten weiter . Es ist nicht mein Zweck , die Gegenden , durch die wir kamen , zu beschreiben . Topographische Ausführlichkeiten pflegen wohl für den Fachmann interessant , für andere aber langweilig zu sein . Es genügt vollständig , nur das zu erwähnen , was mit dem Zwecke unseres Rittes in Zusammenhang stand . Es war noch am Vormittage , als wir über eine Tiefung kamen , auf welche zwei breitere Thäler und mehrere schmale Schluchten mündeten . Es schien , als ob es hier einst einen tiefen See mit zahlreichen Wasserzuflüssen gegeben habe . Der Boden bestand aus einem feinen , hellen , fast mehligen Sande , in welchem jede vorhandene Spur mit ungemeiner Deutlichkeit zu sehen war . Man konnte sogar den Weg , den eine Maus oder ein kleiner , hüpfender Vogel genommen hatte , ganz genau erkennen . Die Stelle war rundum von Höhen umgeben , welche die Winde abhielten ; es gab also hier keine Luftbewegungen , durch welche die Spuren ausgewischt und verweht wurden . Daher auch die große Deutlichkeit einer Fährte , welche aus einer rechts von uns liegenden Schlucht herauskam , um links in einer andern zu verschwinden . Sie führte also quer über unsern Weg . Nafar Ben Schuri , welcher , wie bisher stets , unserm Zuge voranritt , sah sie zuerst . Er hielt an , um sie zu betrachten . Seine Leute gruppierten sich sogleich in der Weise um ihn , daß die Fährte unter den Hufen ihrer Pferde verschwand . Als wir nun hinkamen , hörten wir die Worte des Scheikes : » In dieser einsamen Gegend sollte man keine Spur vermuten . Ich weiß genau , daß es weder nach rechts noch nach links hin Menschen giebt . Wer mag das wohl gewesen sein , der hier vorüber gekommen ist ? « » Du fragst und scheinst es doch aber gar nicht wissen zu wollen , « antwortete Halef . » Wieso ? « fragte Nafar verwundert . » Wenn ich dir einen Brief schreibe , den ich auf einen schwarzen Schiefer geschrieben habe , was thust du da ? « » Ich lese ihn . « » Nein ! Ich sehe ja , daß du das nicht thust ! Du löschst ihn aus und fragst dich dann verwundert , was auf dem Schiefer wohl gestanden habe . « » Traust du mir wirklich keine größere Klugheit zu ? « » Wie kannst du mir eine Frage vorlegen , durch deren Beantwortung ich dich beleidigen würde ! Schau diesen Sand ! Er ist die Schiefertafel . Der , welcher hier geritten ist , hat eine Schrift geschrieben , welche zu lesen ist , nämlich seine Spur . Anstatt sie aber zu lesen , laßt ihr eure Pferde so über die Fährte trampeln , daß sie nun fast nicht mehr zu