, in dem Osman nach Safurs Gedicht fragt . Drauf erst tiefes Schweigen in der Runde . Als Safur ruhig sagt , daß er augenblicklich noch nichts geschrieben habe , in einigen Wochen aber » vielleicht « anfangen könne - da wirds so still , daß man sogar die Adler oben in den Palmen leise pfeifen hören kann . Die hiernach folgenden Auseinandersetzungen sind nicht grade sehr erquicklich . Kodama sagt höchst ärgerlich : » Da hört sich doch alles auf ! « Abu Maschar und Jakuby schütteln bedenklich den Kopf . Osman ist empört und recht grob , erklärt die Unfruchtbarkeit eines begabten Dichters für das größte Übel der Welt . Abu Hischam redet sehr altklug mit , salbungsvoll bemerkt er : » Nichts ist so gefährlich wie die Nichtstuerei - sie allein hemmt die Entwicklung der Menschheit . Durch Nichtstun kommen wir nicht weiter , das prägte mir bereits meine liebe Großmutter in frühester Jugend ein . Die Faulheit ist ein Laster . Nur das unermüdliche Weiterstreben kann der menschlichen Gesellschaft förderlich und nützlich sein . Meine Freunde , ich erinnere Euch an die Gesellschaft der lauteren Brüder , der wir doch Alle angehören - wäre die Gesellschaft , die nun bald vier Jahre besteht , wirklich imstande gewesen , in die Entwicklung der großen Gesellschaft , die wir die Menschheit nennen , mit Erfolg tatkräftig eingreifen zu können - wenn wir nichts getan hätten ? - Nie und nimmer , meine Freunde . Die Nichtstuerei ist daher ein schändliches nichtswürdiges Laster , das wir mit allen Kräften , die uns zu Gebote stehen , bekämpfen und unterdrücken müssen . « Schallendes Gelächter belohnt diese köstliche Rede . Und Osman ruft ärgerlich : » Na , Du sei doch man still ! « Und Abu Hischam ist es - er trinkt - trinkt lange . Safur jedoch , der sich das Lachen augenscheinlich abgewöhnt hat - denn er lachte wieder mal nicht - erwidert dem Abu Hischam mit ganz ernster Miene : » Lieber Abu Hischam , Du bist vollkommen im Irrtum , wenn Du glaubst , daß diejenigen Menschen , die immer was tun müssen , um sich die Zeit zu vertreiben , die Entwicklung der Menschheit fördern . Arbeiten kann schließlich Jeder - das ist nichts Besondres . Du glaubst wohl , Dichten sei auch nur Arbeiten , nicht wahr ? Nein , Dichten und Arbeiten sind zwei ganz verschiedene Dinge . Wer wirklich was hervorbringen will , das die Menschheit fördern kann - der muß einem fernen unerreichbaren Ziele zustreben . Wer das nicht tut , wird nichts Besondres tun . Wenn ich bloß ein Gedicht schreiben wollte , wies jeder dumme Tofaily fertigbringen kann , so dürft ich mich nur gleich begraben lassen . Ich will mehr - ich will das Unmögliche , das Unbeschreibliche , das Große , das Bedeutende - das wird aber nicht in einem Tage geboren - das wird vielleicht nie geboren - doch man soll dem Unmöglichen nachstreben - nur so kann was Neues entstehen . Ich arbeite nicht - ich dichte . Und was ich mache , geht Euch garnichts an . Kümmert Euch doch um andre Dinge . Für Euch ist ja doch nur der ein berühmter Mann , der ein paar tiefe Gedanken in den Dreck ziehen und zu gewöhnlichen Gedanken machen kann . Ihr seids wahrlich nicht , die die Entwicklung der Welt fördern . Ihr habt nur immer an mir gezehrt und Euch mit meinen Witzen gebrüstet . Ihr habt nie gewußt , was Ihr von mir halten solltet . Nennt mich doch unfruchtbar ! Nennt mich doch , wie Ihr wollt . Es ist schon zuviel , daß ich Euch Red und Antwort steh . Ihr rennt dem Erreichbaren nach - das tut die Tarub auch - natürlich - Tarubs Brüder seid Ihr - nicht lautere Brüder . Ganz Bagdad ist für mich Tarub - die ganze Welt , die Ihr mit Euren stumpfen Sinnen sehen und begreifen könnt , ist für mich nur Tarub . - Ich aber will in eine andre Welt , in die Ihr nie hinein könnt ! « Da murren die lauteren Brüder , und man muß befürchten , daß es am Strande des Tigris sehr - sehr ungemütlich wird . Zum Glück ergreift wieder der lustige Abu Hischam das Wort , streichelt Tarubs Zopf und sagt : » Nun , liebe Tarub , sei nur nicht traurig , daß Du auch Tarub bist . Bagdads berühmte Köchin zu sein , ist auch ein Verdienst . Mit dem großen Dichter Safur kannst Du Dich natürlich nicht vergleichen , der ist ja Bagdads berühmter Dichter . Aber wenn ich zwischen Euch wählen sollte , so nähm ich doch die Köchin lieber als den Dichter - bei der Köchin weiß ich doch immer , was ich habe . Wo bliebe die Literatur , wenns keine Tarub gäbe ? Freunde , seien wir nicht traurig , daß wir von Safur Tarubs Brüder genannt wurden ! Wir wollen gern den Namen Tarub tragen . Die Tarubs werden die Entwicklung der Welt besser fördern als die Safurs . Darum wollen wir zwei volle Becher auf Tarubs Wohl trinken ! « Lachend geschiehts . Tarub ist gerührt . Die Stimmung der Gesellschaft wird wieder besser - doch da fängt der Kodama wieder an , sagt der Tarub : » Du , weißt Du auch , daß Safur in Bagdad Deinen Namen tatsächlich als Schimpfwort gebrauchte ? Wenn er einen Tofaily beleidigen wollte , nannt er ihn Tarub . Wo Andre Esel riefen , rief Safur Tarub ! « » Sieh , sieh ! « fällt da schnell der auch boshafte Abu Hanifa ein , » gehörst Du ebenfalls zur Familie Tarub ? Das hätt ich garnicht gedacht ! Du verteidigst ja die Tarub vortrefflich ! Hetz nur schön ! Du bist wohl Tarubs Großmutter , nicht wahr ? « Nun legen sich die Andern ins Mittel und stellen die Ruhe notdürftig wieder her .