: die Studenten und die Professoren , oder wie sie sonst hießen . Er trug ein deutliches , höchst persönliches Bild von seinem Gotte in der Seele . Er wußte ganz genau , wie er zu dem da oben stand ; es bedurfte keines Vermittlers , um ihn zu Gott zu führen . Manchmal in früher Morgenstunde , wenn er auf dem Felde stand , allein , und die Welt erstrahlte plötzlich in überirdischem Glanze , dann fühlte er Gottes Nähe , da nahm er die Mütze vom Haupte und sammelte sich zu kurzem Gebet . Oder ein Wetter brauste daher über sein Haus und Land mit Blitzschlag und Donnergrollen , dann spürte er Gottes Allmacht . Oder nach langer Dürre ging ein befruchtender Regen nieder , dann kam der Allmächtige selbst hernieder auf seine Erde . In solchen Augenblicken ließ der Alte etwas wie eine Weihestimmung in sich aufkommen . Sonst liebte er das Hingeben an Gefühle nicht . Er war kein Beter . Des Abends beim Abendläuten nahm er aus alter Gewohnheit die Mütze ab , sobald die Glocke anschlug , und sprach sein Vaterunser ; das war aber auch alles . Im übrigen mußte der sonntägliche Gottesdienst für die Woche aushalten . Je älter der Bauer wurde , desto mehr zog er sich auf sich selbst zurück , umgab sich mit einem Mantel von Welthaß und Menschenverachtung . Und je einsamer er sich so machte , desto stärker wurde doch in ihm das Bedürfnis , welches tief in der Brust eines jeden Menschen lebt : sein Leben über den Tod hinaus fortzusetzen , seine Persönlichkeit nicht untergehen zu sehen , seinen Werken die Fortdauer zu sichern , daß er nicht der Vergessenheit anheimfalle , die Erinnerung an ihn nicht ausgelöscht werde wie die Fußspur im Sande . Wäre er eine mystisch angelegte Natur gewesen , so hätte er sein Heil in der Gläubigkeit gesucht . Aber er war derb und nüchtern , ein Bauer ; alle seine Triebe waren der lebendigen Wirklichkeit zugewandt . Darum konnte ihm die Seligkeit , wie sie das Christentum versprach , wenig Trost gewähren . Ein Himmel mit rein geistigen Freuden bot ihm keine Anziehung . Er wollte nicht Verklärung , er wollte Fortsetzung der Wirklichkeit , an der sein Ich mit allen Fasern hing . Er war ein Sohn der Erde . Was er hier gewesen , was er auf dieser Welt geschaffen und gewollt , sollte ewigen Bestand haben . Es konnte darum keine bitterere Erfahrung für den alten Mann geben , als mit ansehen zu müssen , wie sein Lebenswerk mehr und mehr dem Untergange entgegensteuerte . Von allen Seiten sah er feindliche Mächte vordringen , die ihm das entreißen wollten , was er aus der Hand seines Vaters als das köstlichste Erbteil empfangen hatte : sein Gut . Und in seinem Kummer war ein Stachel verborgen ; ein Tropfen gab dem Kelche den bittersten Beigeschmack : der Selbstvorwurf . Er wollte es sich nicht eingestehen , aber er mußte es doch fühlen , das wurmende und brennende Bewußtsein , daß er selbst die Schuld trug . Solche Erkenntnis kam nur blitzartig über ihn . Er wußte die selbstklägerische Stimmung wohl zu verscheuchen . Andere waren schuld , nicht er ! die schlechten Zeiten , die Verhältnisse . Haß gegen die Welt , das war der beste Trost , Ingrimm das beste Schutzmittel des Trotzigen gegen die gefürchtete Reue . Einen wirklichen Trost hatte er , und an diesen klammerte er sich mehr und mehr mit der verzweiflungsvollen Kraft des Sinkenden : seinen Sohn Gustav . Wenn jemand ihn retten konnte , so war er es . Das Zeug hatte der Junge dazu . In Gustav sah er ein Stück vom Großvater , Leberecht , wieder lebendig werden . Zweites Buch . I. Eines Tages wurde dem Büttnerbauer ein Schreiben vom Amtsgericht zugestellt . Es war ein Zahlungsbefehl . Das Gesuch dazu war von Ernst Kaschel gestellt , welcher Zahlung seiner siebzehnhundert Mark nebst Zinsen und Kosten verlangte , widrigenfalls er mit Zwangsvollstreckung drohte . Die Nachricht schlug wie ein Blitzstrahl ein . Trotz seiner mangelhaften Kenntnis von der Rechtspflege begriff der alte Mann doch sofort , was das zu bedeuten habe . Nun stand es fest , daß Kaschelernst seinen Untergang wollte ; dies hier war die Waffe , mit der er ihm auf den Leib rückte . Zwangsvollstreckung und in letzter Linie Zwangsversteigerung des Gutes , darauf hatte der Kretschamwirt es abgesehen . Der Büttnerbauer hatte in seinem Leben mehr als ein Gut der Nachbarschaft unter dem Hammer weggehen sehen . Manchen Bauern hatte er gekannt , der als wohlhabender Mann angefangen und schließlich mit dem weißen Stabe in der Hand aus dem Hofe geschritten war . Zwangsversteigerung ! Der Gedanke daran konnte einem das Blut in den Adern gerinnen machen . Das war das Ende von allem ! Der Bauer , dem das geschah , war gestrichen aus der Liste der Lebenden , losgerissen von seinem Gute , ausgerodet , hinausgeworfen auf die Landstraße , wie man ein Unkraut aus dem Acker rauft und über den Zaun wirft . - Gustav war der einzige von der ganzen Familie , mit dem der Bauer von diesem neuesten Unglück sprach . Gustav sah sofort die Gefährlichkeit der Lage ein . Er sagte sich , daß etwas geschehen müsse , um die angedrohte Maßregel zu verhindern . Zunächst schien es immer noch das vernünftigste , mit Kaschelernst selbst Rücksprache zu nehmen . Am Ende ließ er sich doch dazu bringen , Stundung zu gewähren , vor allem , wenn man ihm vorstellte , daß er sein Geld bei einer Zwangsvollstreckung kaum herausbekommen und im Falle der Versteigerung sogar gänzlich einbüßen werde . Dadurch gewann man Frist , und währenddessen gelang es vielleicht , von anderer Seite Hilfe zu schaffen . Gustav ging also noch am selben Morgen , als die Urkunde vom Gericht eingetroffen war , nach dem Kretscham . Leicht wurde ihm der Gang nicht . Er würde