, sei klug und bringe dich nicht um einer gefährlichen Person und einer flüchtigen Laune willen um die Fundamente , die das Leben tragen und ohne die es kein rechtes Glück gibt . « Leopold , der sich , zu seinem eigenen Erstaunen , all die Zeit über durchaus nicht niedergeschmettert gefühlt hatte , schien einen Augenblick antworten zu wollen ; ein Blick auf die Mutter aber , deren Erregung , während sie sprach , nur immer noch gewachsen war , ließ ihn erkennen , daß jedes Wort die Schwierigkeit der Lage bloß steigern würde ; so verbeugte er sich denn ruhig und verließ das Zimmer . Er war kaum hinaus , als sich die Kommerzienrätin von ihrem Sofaplatz erhob und über den Teppich hin auf und ab zu gehen begann . Jedesmal , wenn sie wieder in die Nähe des Fensters kam , blieb sie stehen und sah nach der Mansarde und der immer noch in vollem Lichte dastehenden Plätterin hinüber , bis ihr Blick sich wieder senkte und dem bunten Treiben der vor ihr liegenden Straße zuwandte . Hier , in ihrem Vorgarten , den linken Arm von innen her auf die Gitterstäbe gestützt , stand ihr Hausmädchen , eine hübsche Blondine , die mit Rücksicht auf Leopolds » mores « beinahe nicht engagiert worden wäre , und sprach lebhaft und unter Lachen mit einem draußen auf dem Trottoir stehenden » Cousin « , zog sich aber zurück , als der eben von Buggenhagen kommende Kommerzienrat in einer Droschke vorfuhr und auf seine Villa zuschritt . Treibel , einen Blick auf die Fensterreihe werfend , sah sofort , daß nur noch in seiner Frau Zimmer Licht war , was ihn mitbestimmte , gleich bei ihr einzutreten , um noch über den Abend und seine mannigfachen Erlebnisse berichten zu können . Die flaue Stimmung , der er anfänglich in Folge der » Nationalzeitungs « -Korrespondenz bei Buggenhagens begegnet war , war unter dem Einfluß seiner Liebenswürdigkeit rasch gewichen , und das um so mehr , als er den auch hier wenig gelittenen Vogelsang schmunzelnd preisgegeben hatte . Von diesem Siege zu erzählen , trieb es ihn , trotzdem er wußte , wie Jenny zu diesen Dingen stand ; als er aber eintrat und die Aufregung gewahr wurde , darin sich seine Frau ganz ersichtlich befand , erstarb ihm das joviale » guten Abend , Jenny « auf der Zunge , und ihr die Hand reichend , sagte er nur : » Was ist vorgefallen , Jenny ? Du siehst ja aus wie das Leiden ... nein , keine Blasphemie ... Du siehst ja aus , als wäre dir die Gerste verhagelt . « » Ich glaube , Treibel « , sagte sie , während sie ihr Auf und Ab im Zimmer fortsetzte , » du könntest dich mit deinen Vergleichen etwas höher hinaufschrauben ; verhagelte Gerste hat einen überaus ländlichen , um nicht zu sagen bäuerlichen Beigeschmack . Ich sehe , das Teupitz-Zossensche trägt bereits seine Früchte ... « » Liebe Jenny , die Schuld liegt , glaube ich , weniger an mir als an dem Sprach- und Bilderschatze deutscher Nation . Alle Wendungen , die wir als Ausdruck für Verstimmungen und Betrübnisse haben , haben einen ausgesprochenen Unterschichtscharakter , und ich finde da zunächst nur noch den Lohgerber , dem die Felle weggeschwommen . « Er stockte , denn es traf ihn ein so böser Blick , daß er es doch für angezeigt hielt , auf das Suchen nach weiteren Vergleichen zu verzichten . Auch nahm Jenny selbst das Wort und sagte : » Deine Rücksichten gegen mich halten sich immer auf derselben Höhe . Du siehst , daß ich eine Alteration gehabt habe , und die Form , in die du deine Teilnahme kleidest , ist die geschmackloser Vergleiche . Was meiner Erregung zugrunde liegt , scheint deine Neugier nicht sonderlich zu wecken . « » Doch , doch , Jenny ... Du darfst das nicht übelnehmen ; du kennst mich und weißt , wie das alles gemeint ist . Alteration ! Das ist ein Wort , das ich nicht gern höre . Gewiß wieder was mit Anna , Kündigung oder Liebesgeschichte . Wenn ich nicht irre , stand sie ... « » Nein , Treibel , das ist es nicht , Anna mag tun , was sie will , und meinetwegen ihr Leben als Spreewälderin beschließen . Ihr Vater , der alte Schulmeister , kann dann an seinem Enkel erziehen , was er an seiner Tochter versäumt hat . Wenn mich Liebesgeschichten alterieren sollen , müssen sie von anderer Seite kommen ... « » Also doch Liebesgeschichten . Nun sage , wer ? « » Leopold . « » Alle Wetter ... « Und man konnte nicht heraushören , ob Treibel bei dieser Namensnennung mehr in Schreck oder Freude geraten war . » Leopold ? Ist es möglich ? « » Es ist mehr als möglich , es ist gewiß ; denn vor einer Viertelstunde war er selber hier , um mich diese Liebesgeschichte wissen zu lassen ... « » Merkwürdiger Junge ... « » Er hat sich mit Corinna verlobt . « Es war ganz unverkennbar , daß die Kommerzienrätin eine große Wirkung von dieser Mitteilung erwartete , welche Wirkung aber durchaus ausblieb . Treibels erstes Gefühl war das einer heiter angeflogenen Enttäuschung . Er hatte was von kleiner Soubrette , vielleicht auch von » Jungfrau aus dem Volk « erwartet und stand nun vor einer Ankündigung , die , nach seinen unbefangeneren Anschauungen , alles andere als Schreck und Entsetzen hervorrufen konnte . » Corinna « , sagte er . » Und schlankweg verlobt und ohne Mama zu fragen . Teufelsjunge . Man unterschätzt doch immer die Menschen und am meisten seine eigenen Kinder . « » Treibel , was soll das ? Dies ist keine Stunde , wo sich ' s für dich schickt , in einer noch nach Buggenhagen schmeckenden Stimmung ernste Fragen zu behandeln . Du kommst nach Haus und findest