einen Felsvorsprung getreten und rief , auf die Wiese jenseits des Baches deutend : » Daher kommt ' s , da hat man eine schöne Aussicht , auf die Tante Dolph , auf deine Buben , Wilhelm , die dort herumwimmeln , und auf die Jausen . « » Und auf einen wackeligen Steg « , fiel Hermann ein . » Wie oft habe ich den schon abreißen lassen , immer wird er wieder aufgerichtet , sogar jetzt bei Hochwasser . « » Das änderst du nicht , solange der Holzschlag dauert oben im Gebirg « , sprach Wilhelm . » Den Umweg von zweihundert Schritten über die Brücke macht dir ein Holzknecht nie . « » Ich würde ihn auch nicht machen « , rief Fee , » besonders wenn jemand , der mir lieb ist , am anderen Ufer stehen möcht . Aber schauts nur , schauts , die Aussicht ist wirklich der Müh wert . Lassen wir uns unterdessen die Aussicht schmecken . « Alle umringten sie . Auf der Wiese trafen einige Diener unter der Leitung Helmis Vorbereitungen zu einem ungemein reichlichen five o ' clock tea . Die Gefräßigen unter den jungen Herren verfolgten diese Tätigkeit sehr aufmerksam , während die anderen die Seltsamkeiten zu erspähen suchten , welche der Vogelherd barg . Gräfin Dolph war am schattigen Waldesrand im Wagen sitzengeblieben . Sie freute sich , ihren Liebling Hermann die Läuferkünste ausführen zu sehen , die er ihr bereits angekündigt hatte . Er rannte bis zu den Weiden am Ende der Wiese und wieder zurück , die Kreuz und die Quer , recht wie ein Füllen , das seine junge Kraft austoben will . Auf einmal blieb er stehen , hob den Kopf , sah zur Burg empor , und als er dort oben auf dem Berge seine Eltern erblickte , streckte er ihnen die Arme entgegen und warf ihnen Küsse zu : » Ich seh euch , Vater , Mutter , ihr seid kleinwinzig « , er maß an seinem Finger , » so klein ! « Seine Stimme drang nicht bis hinauf ; man sah nur die herzigen Gebärden , unter denen er sich dem Ufer näherte , rühmte den » Prachtbuben « , winkte ihm Grüße zu . Clemens machte ein Sprachrohr aus seinen Händen und rief : » Komm her , wenn ' s d ' Courage hast . « Plötzlich stieß Maria einen Ruf des Schreckens aus , und Hermann , über den Abgrund gebeugt , schrie aus allen seinen Kräften : » Fort vom Wasser ... Geh zurück ! « Das Kind schien einen raschen Entschluß gefaßt zu haben , es lief dem Stege zu . Die alte Wärterin , die sich in seiner Nähe gehalten hatte , hinter ihm her , stolpernd , keuchend . Die übrigen Kinder waren aufmerksam geworden . Ein und derselbe Impuls durchzuckte alle . - Dem Hermann nach zum Steg ... Und fort stoben sie , Wilhelms siebenjähriger Hansel an ihrer Spitze . Es dauerte einige Zeit , bevor Helmi mit Hilfe der Bonne und der Diener die Flüchtlinge wieder eingefangen . Eben auch hatte die Wärterin sich Hermanns zu bemächtigen gewußt ; der Widerstand , den er ihr entgegensetzte , schien bereits überwunden , als es ihm gelang , sich mit einem heftigen Ruck loszureißen und zu entrinnen . » Ich hab Courage ! Vater , Mutter , ich komm zu euch ! « Er lief und lief , und alle , die ihm von der Wiese her nachgeeilt kamen , blieben weit hinter ihm zurück . Nun schimmerte sein weißes Kleidchen durch die Zweige der Weiden , und nun erschien er auf dem Steg . Im selben Augenblick stürmte Hermann der Felsentreppe zu und die jähe Steile ihrer verwitterten Stufen hinab . Lautlos folgte ihm Maria , und rasch wie ein Pfeil war Willi an ihrer Seite . Aber auch von den übrigen besann sich keiner , den schwindelnden Pfad zu betreten . Keiner dachte an das , was er wagte . Ein Gefühl nur durchzitterte alle , dieselbe Angst , derselbe Wunsch ... Sie glitten , sie wankten , fanden das Gleichgewicht wieder und rannten weiter . Eines Pulsschlags Dauer hielten sie inne in ihrem kühnen Beginnen . Sorglos schreitend war das Kind bis zur Mitte des Steges gelangt , triumphierte laut und forderte seine Verfolger heraus : » Jetzt fangt mich , jetzt ! « sah sich um , beschleunigte seinen Lauf , strauchelte , stürzte - Alle anderen überholend , erreichte Hermann das Ufer . Den Blick unverwandt auf das Kind gerichtet , das , ohne unterzusinken , von der Strömung fortgerissen wurde , warf er den Rock ab , stürzte sich in die Flut und hatte im nächsten Augenblick den Kleinen erfaßt . Hermann auf dem Fuße waren Wilhelm und Clemens gefolgt . Der erste voll Geistesgegenwart , wissend , was er wollte , der zweite halb wahnsinnig vor Bestürzung über die Folgen seines verhängnisvollen Scherzes . Wilhelm lief mit Blitzesschnelle der Brücke zu . Neben dieser war ein Kahn ans Land gezogen , junge Baumstämme lagen da aufgeschichtet , zur Herstellung der Vogelhütte bestimmt . Nach einem von denen griff Wilhelm , ließ ihn aber fallen , als Clemens einen Floßhaken entdeckte und an sich nahm , der im Kahn geborgen oder vergessen worden . Rascher , als Worte schildern , eilten beide zurück und langten glücklich an der Stelle an , wo sich Hermann mit übermenschlicher Kraft gegen die andringenden Fluten behauptete . » Näher ! um Gottes willen , näher ! « schrien Wilhelm und Clemens ihm zu , und jeder hielt die Stange fest mit beiden Händen , und sie reichten sie ihm hin , soweit sie konnten . Er griff nach ihr - verfehlte sie ... Da sprang Clemens ins Wasser , kämpfte sich vor bis ans äußerste Ende der von Wilhelm allein nur mühsam im Gleichgewicht erhaltenen Stange und wagte einen verzweifelten , einen vergeblichen Rettungsversuch . Schon hatte die