in Verlegenheit , was er sagen soll , wie er am besten den unbefangen lustigen Ton trifft , der sonst zwischen ihnen üblich ist . Dann ist ihr das Schweigen wie eine süße Beängstigung auf die Seele gefallen , und zuweilen hat sie mit schnellem Auge das liebe Angesicht gestreift . Er hat den Blick gefühlt - jedesmal . Und das Schweigen ist auch ihm immer beklemmender geworden . Er weiß , er fühlt es , daß das Weib an seiner Seite ihn liebt . Dies Bewußtsein klopft in seinen Pulsen , schnürt ihm die Kehle zu - er weiß , wenn er jetzt spricht , das Alltäglichste , das Einfachste , wird der Ton , sein Ton , über den er keine Herrschaft mehr hat , auch ihr seine Erregung verraten . Und von Minute zu Minute wird es schwerer , das Schweigen zu brechen . In der hellen Einöde ringsum sind sie so allein . Das Schweigen wird zur Qual . Er weiß , daß er mit einem Blick , mit einem Wort ein Geständnis hervorrufen kann , und er hat nicht mehr die Kraft , dies zu wollen oder nicht zu wollen . Alles ist aus seinen Gedanken wie gelöscht , außer der Spannung , die ihn ganz beherrscht : was wird geschehen , was wird das erste Wort sein , das Fanny spricht ? Wer will ihn verdammen ? Die Spannung wird unerträglich . Irgend etwas soll und muß geschehen . Wenn er so noch drei Stunden neben der schönen Frau sitzen soll , so nahe , daß ihr Gewand seine Füße deckt , daß ihr Ellenbogen zuweilen den seinen streift , daß ihr Parfüm ihn umduftet , und immer dazu dies gewitterschwüle Schweigen , dann , so ist ihm , dann könnte er wahnsinnig werden . Er will ein Ende machen und lustig schwatzen , damit sie sieht , daß er kein solcher Narr ist , zu denken , eine Fanny könne ihm , dem Unbedeutenden , ihr Herz geben . Sie soll meinen , daß ihm so etwas im Traum nicht einfällt . Auch durchzuckt es ihn flüchtig , daß er Severina das schuldig sei . Er wendet sich zu ihr . Sekundenlang bleibt ihm noch jeder Laut in der Kehle stecken . Dann kommt eine leere Frage heraus , aber in zitterndem Ton . » Sind Sie auch kalt , Fanny ? « Sie erhebt die Augen zu ihm und sieht ihn an . Seine Worte hat sie gar nicht verstanden , aber der langsame , zärtlich eindringliche Tonfall seiner Stimme macht , daß ihr der Atem stockt . Sie lächelt mit feuchten Augen . Er schlingt die Zügel um den linken Arm , fährt aus seinen riesigen Handschuhen , sucht unter dem Pantherfell ihre Hand , streift auch dieser den Handschuh ab und sagt , ihre kalten Finger zwischen seine warmen nehmend , mit derselben bedeckten , unbeherrschten Stimme : » Sie haben so kalte Hände , Fanny . « Ihre Finger zittern in den seinen . Ihr Auge sucht hilflos seinen Blick . » Fanny ... « Er stockt . Es wird dunkel vor seinen Augen ; ihm ist , als ob alles Blut ihm in die Pupillen träte . » Fanny , was ist Ihnen ? « murmelt er . Sie schüttelt den Kopf lächelnd , mit nassen Blicken und faßt seine Hände fester . » Haben Sie mich lieb , Fanny ? « Sie antwortet nichts . Aber sie neigt ihren Kopf gegen seine Schulter und legt ihre Arme um seinen Hals . Dabei hat es an den Zügeln einen heftigen Ruck gegeben und die Pferde stehen . » Fanny ! « ruft er , die Welt vergessend . Er küßt ihren Mund . Und da springt die Flamme aus ihrem Herzen hervor und sie sagt es ihm mit tausend beredten Worten , wie sie ihn liebt , wie sie bereit ist , ihm alles zu geben , ihre Gegenwart und ihre Zukunft . Das Gebäude eines unfaßlichen Glücks steigt vor Joachim auf . Sein rasches Blut wallt in heißen Wünschen Fanny entgegen . Dankbarkeit , überwältigte Eitelkeit vielleicht und seine überschäumende Jugendkraft rauben ihm alle Besinnung . Kein flüchtigster Gedanke führt ihn jetzt zu Severina zurück . Er glaubt , daß alles , was er je empfand , ein Irrtum war und daß der Inhalt dieser Stunde die Wahrheit ist . - Unterdes kam der andere Schlitten der Herrschaft nach ; das Läuten der Glöckchen , deren auch die beiden Braunen trugen , schreckte die Glücklichen auf . Joachim ergriff die Zügel , Fanny schmiegte sich an ihn und weiter ging die sausende Fahrt . Aber nicht mehr so schweigsam wie zuvor . Welche Thorheiten sind thöricht genug , um von den Lippen verschmäht zu werden , die sich eben im Küssen geübt ; welche Worte sind zu groß , um nicht von Herzen gewählt zu werden , die sich eben dem Glück erschlossen ? ! Fanny und Joachim plauderten und lachten in dem Vollrausch ihrer neuen Zusammengehörigkeit . Als sie endlich die Taißburg erblickten , sagte Fanny : » Eins , Geliebter , verzeihe mir : daß ich Dich nicht schon heute der ganzen Gesellschaft als meinen künftigen Gatten vorstelle . Freilich , es wird mir unmöglich sein , mein Glück zu verbergen ; mögen sie denken , was sie wollen . Aber die Rücksicht auf Lanzenau verbietet mir , eine Verlobung zu verkündigen , die einen herben Schmerz für ihn bedeutet . « In Joachims Gesicht ergoß sich jäh dunkle Röte . Lanzenau , der von seiner Beziehung zu Severina wußte - Severina - o Gott , wenn Fanny das erfuhr ! Und wenn Severina erfuhr - eine große Angst beklemmte sein Herz . » Was ist Dir ? « fragte Fanny angstvoll . Und einen ganz verkehrten Schluß auf den Grund seiner sichtlichen Bestürzung machend , fuhr sie im Ton einer heiligen Versicherung fort : » Sei gewiß , daß Lanzenau niemals von mir die