, und Barosch meinte , die Absicht , mit den Bauern zu reden , könne der Bub haben , ausführen werde er sie schwerlich : » Weil « , und dabei klopfte er voll ungewohnter Hochachtung gegen sich selbst an die eingefallene Brust , » weil wir mit uns nicht reden lassen . « » Überhaupt « , rief der Wirt , » nimmt er sich in der letzten Zeit viel zuviel heraus . « » Was denn eigentlich ? « fragte Anton , der bis jetzt geschwiegen hatte , worauf der Wirt versetzte : » Und man soll es ihm einmal wieder zeigen . « » Was soll man ihm zeigen ? « Auf diese zweite Frage erhielt Anton ebensowenig Antwort wie auf die erste , niemand wußte eine ; trotzdem stimmten alle dem Wirte bei : Der Bub nimmt sich zuviel heraus , und man muß » es « ihm einmal wieder zeigen . Und eine kleine Karikatur der Fama setzte eine Kindertrompete an den Mund und huschte im Dorfe umher von Haus zu Haus , von Hütte zu Hütte und verbreitete die Kunde , am Sonntag kommt das Gemeindekind ins Wirtshaus und wird dort Rechenschaft verlangen von seinen Nährvätern , und die werden ihm das geben , was ihm gebührt . Sie haben sich ' s vorgenommen , sie werden » es « ihm einmal wieder zeigen . Worin das geheimnisvolle » Es « bestand , verriet die kleine Fama nicht und gab dadurch dem zu erwartenden Ereignis einen ganz besonderen Reiz . Am Sonntag war das Wirtshaus überfüllt ; aber der Bürgermeister erschien nicht und von den Räten nur der älteste Peschek , ein braver Mann und auch energisch , wenn er nicht eben an Schlafsucht litt . Peter hatte sich eingefunden mit seiner zahlreichen » Freundschaft « . Er sah übel aus , seine Kleider schlotterten um ihn , seine Stimme war heiser , und sein Atemholen glich dem Geräusch einer arbeitenden Säge . In der dunklen Ecke neben dem Ofen hockte auf einem Schemel Virgil . Das rote Gesicht des Alten und seine funkelnden Augen glänzten aus dem Schatten hervor . An die große Wirtshausstube stieß das einfenstrige Zimmerchen , in dem der Honoratiorentisch stand . Vor einer Weile hatten der Doktor und der Förster an demselben Platz genommen und den einzigen Zugang , den es hatte , die Tür ins anstoßende Gemach , offenstehen gelassen , da auch sie nicht ganz ohne Neugier den Dingen , die da kommen sollten , entgegensahen . Sie blinzelten einander zu , als der Wirt hereinglitt , mit anmutig auswärts gesetzten Füßen , wie er zu tun pflegte , wenn er das Honoratiorenzimmer betrat , und lispelte : » Da ist er . « Pavel trat ein , und zum allgemeinen Erstaunen kam Arnost in seiner Begleitung . Waren am Ende gute Kameraden aus den zweien geworden während ihrer kurzen Dienstzeit ? etwas Militärisches hatten beide angenommen . In strammer Haltung , ohne den Hut zu lüften , trat Pavel auf den Tisch der Bauern zu . Er trug ein weißes Blatt , das er langsam entfaltete , in der Hand , näherte sich Peschek , hielt es ihm vor die Augen und sprach : » Der Wirt sagt , daß der Bürgermeister und die Bauern wollen , ich soll diese Rechnung bezahlen . Ist das wahr ? « Kein Laut der Erwiderung ließ sich vernehmen . Peschek hatte gar nicht aufgeblickt , und Pavels Stimme klang vor Bewegung so unterdrückt , daß der Rat bei dem herrschenden Durcheinander auch wirklich tun konnte , als hätte er die Frage überhört . Er klopfte mit dem geleerten Bierglas traumselig auf den Tisch und mahnte den Wirt einzuschenken . Pavel wartete , bis das geschehen war , dann wiederholte er Wort für Wort sein Sprüchlein . Zum zweiten Male verweigerte ihm Peschek seine Aufmerksamkeit , und nun legte Pavel die Hand auf dessen Schulter und sprach fest und drohend : » Antwortet mir ! « » Hund ! « ertönte es vom andern Ende des Tisches . Peter hatte geredet , und in seiner Umgebung erhob sich ein beifälliges Gemurmel . Pavel jedoch drückte stärker , als er wußte und wollte , die Schulter des alten Rates . » Ob ich zahlen muß , frag ich Euch , frag ich die Bauern , frag ich den dort « , rief er zu Peter hinüber . » Ja ! ja ! ja ! « wetterten ihm alle unter einer Flut von Flüchen entgegen . Peschek wand und krümmte sich ; ihm war der Schlaf vergangen : so wach hatte er sich lange nicht gefühlt und kaum je so hellsehend . » Laß mich los « , drohte er zu Pavel hinauf und dachte bei sich : An dem Menschen wird ein Unrecht begangen . - » Ich kann dir nicht helfen « , fuhr er fort , » auch wenn ich möchte ... Du mußt zahlen . « Pavel wechselte die Farbe und zog seine Hand zurück . » Gut « , knirschte er , » gut also . « Langsam , mit einer feierlichen Gebärde , griff er in die Brusttasche , entnahm einem Umschlage , den er bedächtig öffnete , eine Zehnguldennote , reichte sie samt der Rechnung dem Wirt und sprach : » Saldier und gib heraus . « Eine Pause des Erstaunens entstand : das hatte niemand erwartet . Schadenfreude und Enttäuschung teilten sich in die Herrschaft über die Gemüter , nur der Wirt war eitel Entzücken . Bereitwilligst legte er , nachdem er die Banknote eingesteckt , einen Gulden vor Pavel hin . Dieser nahm ihn in Empfang , kreuzte die Arme und warf einen kühnen , herausfordernden , einen wahren Feldherrnblick über die ganze Gesellschaft , » So « , sagte er ; seine Stimme war nicht mehr umschleiert ; sie klang laut und mächtig , und mit einem wahren Genuß ließ er sie zu den Worten erschallen : » Und jetzt sag ich