Ja ? Sie sagen gar nichts ? « » Mit Ihrer Erlaubnis , Herr Doktor . Ihr blaues Wolkenheim mit dem anstoßenden frisch grünenden Garten und dem plätschernden Springbrunnen ist für mich eine Idylle . « Schlichtings Stimme klang matt , belegt . Seine Augen waren rot gerändert , seine Lippen blaß . In der Fensteröffnung neckte sich die durchsonnte Frühlingsluft , die stürmisch hereinflutete , mit den Rauchschwaden , die freien Abzug suchten . Hellblauer Himmel spannte sich über die Häuserlücke , in welche das Gärtchen eingebettet lag . Zwei Tauben saßen auf dem Beckenrand des kleinen Springbrunnens und hoben ihre weißen und grauen Flügel , um den erfrischenden Wasserstrahl im Niederstäuben aufzufangen . Gelbe Schlüsselblumen äugelten aus den grünen Rasenbeeten . In der Mauernische sonnte sich des Königs Büste , ein Modell von dem Bildhauer Achthuber . » Sie sind auch zu gut für diese Welt , mein lieber Impressionist . Und nun endlich zur Sache Letzte Zwischenfrage . Wie viel Uhr ist es ? « » Neun Uhr , Herr Doktor . « » Recht . Dann , können wir noch eine gute Stunde ungestört plaudern . Die Kanaille da droben empfängt nicht vor zehn Uhr . Und ich bin bis halb Elf auch frei . Hoffentlich überfällt mich den Vormittag kein Kurier des Königs . Ich erwarte nur meinen Leibschneider und einen jungen Tonheros , der sich gestern schon melden ließ - Eleve von Franz Liszt , wie er stolzbescheiden auf seiner Visitenkarte annonciert - Arthur Friedberg mit Namen . Also ! Der Preßbandit sitzt jetzt im Bewußtsein seiner redaktionellen Macht und Würde an seinem Werktisch , um die Korrekturen seines Witzblattes zu lesen . Er erwartet seinen ständigen Mitarbeiter , einen vor langen Jahren aus der Armee gestoßenen Leutnant , einen Pfälzer Landsmann von mir , der sich als Winkellitterat und Karikaturenzeichner in der Hauptstadt niedergelassen hat und bei seinem zügellosen Lebenswandel allmählich so in Mißkredit gekommen ist , daß er als Bohémien der Feder und des Stiftes nicht mehr wählerisch in der Art seines Tagewerkes sein kann , will er sich überhaupt noch in dem faulen Sumpfe erhalten , der für ihn das Leben geworden . Aus seiner früheren Zeit hatte er sich wohl noch manche Beziehung bewahrt , die er als galanter Abenteurer und Schmarotzer ausbeuten konnte . Von reich verheirateten Damen , denen er einst zu mancherlei heimlicher Kurzweil behilflich gewesen und die seine Enthüllungen fürchteten , bezog er jahrelang einen Tribut . Allein auch diese Quellen sind im Wechsel der Zeit und der Verhältnisse endlich versiegt . Vom Salonstrizzi und gelegentlichen Mitarbeiter der besseren humoristischen Blätter ist er von Stufe zu Stufe bis zum journalistischen Wegelagerer und Staudenhecht gesunken . Neben manchem guten Fang und fetten Brocken waren es lange Zeit doch nur schmale Bissen , die er zu erjagen bekam , weil er als Einzelner mit seiner Haut einstehen mußte und seine Schleichwege dem Auge der Polizei in allen Krümmungen bekannt waren . Die Münchener Verhältnisse erwiesen sich als nicht großstädtisch und kompliziert genug , um auf eigene Faust das Freibeutertum mit hinlänglicher Regelmäßigkeit , Ergiebigkeit und Sicherheit auszuüben . Mit der Gründung der Kloake eröffnete sich ihm plötzlich die glänzende Aussicht eines festen Erwerbs in der Preßbanditen-Branche unter der Verantwortlichkeit eines andern . Jetzt brauchte er seine gefährlichen Schmieralien nicht mehr persönlich zu hausieren ; er hatte in der Kloake ein gesichertes Absatzgebiet , wo er unter dem Schutze des verantwortlichen Herausgebers und Verlegers darauflos hantieren konnte , ohne der Welt gegenüber im schlimmen Falle mit seiner eigenen Person einstehen zu müssen . In der Redaktion der Kloake hat das Schmierantentum eine regelrechte Organisation gefunden , wo jeder einzelne Mitarbeiter in erwünschter Anonymität hinter dem Schilde des einzig verantwortlichen Räuberhauptmannes und Chefs seinem Gewerbe fröhnen , seine Notdurft befriedigen kann . In der königslosen Residenzstadt , wo durch die Abwesenheit eines die höchsten Gebiete des geistigen und geselligen Lebens macht- und glanzvoll umspannenden und befruchtenden Hoflebens auch Litteratur und Journalistik mehr und mehr in die Wege des spießbürgerlichen Industrialismus getrieben und der kapitalistischen Ausbeutung unterworfen wurden , konnte sich in den letzten Jahren besonders in der niedrigeren Tagespresse eine immer entschiedenere Richtung ausprägen , welche die ergiebige Pflege der schmutzigsten Skandal- und Schmähsucht auf ihre besudelte Papierfahne geschrieben hat . Hatte selbst in den glücklicheren Zeiten der noch am Königshofe regelmäßig gepflegten Symposien die hauptstädtische Tagesschriftstellerei die größte Mühe , mit der Aristokratie des Geistes und der Geburt in Fühlung zu kommen und dadurch ihr Ansehen und ihren Einfluß in Stadt und Land zu erhöhen , so waren jetzt , in der Epoche der Residenzflucht des Staatsoberhauptes , doppelte Anstrengungen nötig , um in der Journalistik Münchens eine dem hohen Rufe der Kunststadt einigermaßen entsprechende Repräsentation aufrecht zu erhalten . Durch den Mangel einer königlichen Hofhaltung war ja das residenzstädtische Leben der süddeutschen Biermetropole der stärksten Triebkräfte und Anregungen zur Entfaltung vornehmer , reicher Geselligkeit im großen Stile beraubt . Es fehlten die hohen Vorbilder , im Rahmen eines genial pulsierenden Kunststadtlebens die äußeren Lebenserscheinungen im Salon , im Theater , im Konzert- und Ausstellungssaal , auf den Promenaden mit Pracht und Glanz und geistig-vornehmer Grazie auszustatten . In der Tagespresse spiegelt sich der Rückgang echt aristokratischen Wesens am deutlichsten . Die Werkeltäglichkeit des Gehabens , das Hemdärmeltum im Verkehr , die Verachtung der schönen Formen , die Banalität und Verphilisterung , wie sie sonst nur dem platten Materialismus einer Industrie- und Fabrikstadt eigentümlich sind , drücken mehr und mehr auch der königslosen Residenz- und Kunststadt ihr gemeines Gepräge auf - und Isarathen , als lebendige Erscheinung auch im Menschlichen , nicht bloß in toten Bau- und Bildwerken , ist eine Fabel geworden . Ton und Haltung des größten Teils der Tagespresse aber hätten der Münchener Journalistik am allerwenigsten ein Anrecht auf den hellenischen Ehrentitel erwerben und dieselbe als Trägerin atheniensischer Kulturgedanken und Lebensformen erweisen können . Die Tages- und Wochenblättchen , welche auf die lumpigsten Instinkte einer geistig und sozial herabgekommenen Lesewelt spekulierten , schossen , Dank der