ihnen gefalle und gehe ? » Gut ! « sagten sie mit einer seltsamen Mischung von Glück und Befangenheit , indem sich jedes Paar bei der Hand faßte . Die Jünglinge hatten sich die Rede des Pfarrers als bare Münze zu Herzen genommen und doch das Gefühl , daß nicht alles ganz richtig sei ; überlegend , ob sie nicht redend auftreten sollten , wußten sie im Augenblick nichts zu sagen , das ihnen genügen würde , und fanden , es sei angemessener , wenn sie sich still verhielten an diesem Tage . Dennoch strahlte die jugendlich unvorsichtige Eitelkeit und das Selbstgefallen von ihren hübschen Gesichtern und gaben ihnen einen Anflug von Unreife neben den in voller Reife aufgeblühten Bräuten , und diese verspürten denn auch im hellen Tageslicht dieses Festes eine wunderliche Empfindung , etwa wie diejenige einer reichen Schönen , die sich mit vollem Bewußtsein einem armen , unansehnlichen Menschen mit ihrer Neigung zugewendet hat und doch wünscht , das Hochzeitsfest möchte überstanden sein . Da jetzt neue Speisen aufgetragen wurden , beschloß das Salandersche Ehepaar , das für einmal genug gespeist hatte , einen Gang zwischen den Tischen und um die Baumwiese herum zu machen . Das Weidelichsche Paar wollte späterhin das gleiche tun . Als Marie an Salanders Arm ging , drängte es sie nachträglich , sich über den Geistlichen auszusprechen . » Das scheint doch ein schnurriger Herr zu sein ! « sagte sie , » erst die dicke Lobhudelei und nachher , wenn man nur das Nötigste dagegen höflich bemerkt , wenn er kommt , den Dank zu holen , gleich spitzige Worte , deren Zusammenhang man suchen muß . Wie verfänglich grob hat er dir so blitzschnell geantwortet ! Und mir hat er mit gleicher Artigkeit zu verstehen gegeben , daß es sich nicht um mich , sondern um eine künstlerisch abgerundete Volksrede handle ! « » Du mußt das nicht für so gefährlich auffassen , « entgegnete Martin Salander , » er liegt eben immer im Kampfe mit seiner eigenen Sophistik , die sich stets in seine Rede drängt , auch wenn er nichts damit will . Er braucht sie unbewußt , wie ein natürliches Verteidigungsmittel , auch wo kein Mensch ihn angreift . Ich habe einmal über einen Parteigenossen mit ihm gesprochen und beklagt , daß dieser soviel lüge . Da gab er mir zur Antwort , er sei der beste Hausvater und erziehe seine Kinder musterhaft . Damit war ich abgefertigt , weil es ihm nicht bequem war , über das Thema zu sprechen , und er nicht wußte , wieweit es sich gegen ihn drehen könnte . « » Du lieber Gott , « sagte die Frau Marie in ihrer Einfalt , » das ist ja eine traurige Existenz ! « » Nicht so traurig ! Es ist nur Manier ! Jeder , der viel spricht , besonders in Politik , hat seine Manier , und es gibt solche , welche eine Manier der Unwahrheit haben , ohne gerade etwas Übles damit zu bezwecken ; diese sind immer damit geplagt , anderen kleine Fallen zu stellen , sie aufs Eis zu führen , verfängliche Fragen an sie zu richten ; das alles bildet mehr eine schützende Hecke für sie selbst , ein System der Abschreckung , als ein Angriffsmittel . Aber was führen wir da für Hochzeitsgespräche ! « Sie hielten da und dort grüßend bei den Gästen , welche sie nicht gerade am Tafelvergnügen störten . Dann wandelten sie längs des Einfanges um den Baumgarten herum , wo sich bereits allerlei Zuschauer zu sammeln begannen und im Schatten überhängender Bäume auch etwas zu hören trachteten . Es war dafür gesorgt , daß dem sich zusammenschließenden Menschenkranze späterhin erfrischendes Getränk und Körbe voll Kuchenbäckerei geboten wurden für jeden , der zugreifen mochte . Schon wurden einige Tische für Gefäße und Körbe an den leichten Stangenzaun gerückt . Ein Bübchen in weißen Hemdsärmeln , die Daumen beider Hände in den Armlöcher des Sonntagswestchens haltend , wie ein Alter , stand zuvorderst und verfolgte mit offenem Munde und großer Spannung diese Anstalten . Frau Marie konnte sich nicht versagen , vom nächsten Tafeltische ein Stückchen Torte zu holen und es dem Kinde vor den Mund zu halten , das gleich hineinbiß . Der Knirps machte Miene , so fortzufahren , ohne die Däumchen aus der Weste hervorzuziehen ; erst als ein zweiter , größerer seine Zähne auch ansetzen wollte , packte jener das süße Stück und fuhr wie der Blitz hinweg . Auch für die Brauteltern war es Zeit umzukehren ; sie wurden benachrichtigt , es sei das kleine Festspiel in Bereitschaft , und sie eilten an ihren Platz . In dessen Nähe , auf der hölzernen Terrasse des anstoßenden Hauses , hatte man mittels einiger Dutzend Ellen weißer und rotgefärbter Baumwolltücher einen Spielraum abgegrenzt . Das aufzuführende Stück bestand aus einem in gereimten Versen geschriebenen Zwiegespräch , ungefähr nach der von Salander angegebenen Idee . Den Inhalt oder Text kannte er selbst nicht , da er nach getroffener Verabredung mit den betreffenden Genies nicht mehr Zeit gefunden , sich darum zu kümmern . Als ein Trompetenstoß das Zeichen gegeben und die ganze Hochzeit nach dem Theaterchen guckte , trat aus den Tüchern hervor eine derbe , junge Bauernfrau auf , mit einer hölzernen Kelle oder Kochlöffel im Gürtel , und stellte sich als die reine Demokratie , das heiße Volksherrschaft , vor , die gewohnt sei , ihren Brei selbst zu kochen , anzurichten und warm zu essen usw. Von der andern Seite kam sodann ein sogenannter ältlicher Halbherr in der Tracht der ersten dreißiger Jahre , mit hohem Hut , Vatermördern , blauem Frack und kleinen Ohrringen . Er sah ungleich komischer aus , als Salander gedacht , daß er aussehen sollte und sich für den Fall gebührte . Befragt , wer er sei und wo er denn hin wolle , stellte er sich als den Liberalismus vor . Er habe vernommen , daß eine große demokratische Hochzeit gefeiert