bleibt unbelästigt . Höchstens hau ich es Ihnen ab . « Solches Schrauben und Aufziehen war an der Tagesordnung , störte aber keinen Augenblick das gute Einvernehmen , da der » Wuschewierer Baron « , wie er in der ganzen Umgegend hieß , bei aller sonstigen Grundverschiedenheit von Bamme , wenigstens eine gute Seite mit ihm gemein hatte : er war nicht empfindlich . Auch nicht als Dichter , wozu ihn , seinem eigenen Geständnisse nach , das Podagra gemacht hatte . Er wollte nämlich beobachtet haben , daß das Podagra seine Muse jedesmal weiche , eine vetrauliche Mitteilung , die seitens des Guser Kreises zu folgendem Verse benutzt worden war : Cedo majori Als des Barones Podagra Nun seine Muse kommen sah , Erschrak es sehr und sagte : » Ach , Daneben bin ich doch zu schwach « , Und packte schnell das Zwickzeug ein Und ließ die beiden ganz allein . Es hieß angeblich , Bamme habe diesen Vers gemacht ; in Wahrheit wußte jeder , daß er von Doktor Faulstich herrühre , der immer bereit war , seine kleinen Piratenboote unter fremder Flagge segeln zu lassen . Der fünfte des Kreises war der Kammerherr von Medewitz auf Alt-Medewitz , ein langweiliger , pedantischer Herr , sehr durchdrungen von der Bedeutung der Medewitze , trotzdem die Blätter der vaterländischen Geschichte den Namen derselben nirgends aufzeichneten . Seine Spezialität waren Erfindungen , in betreff deren er , nach Art der Philosophen , nichts Großes und Kleines kannte . Er hatte für alles die gleiche Liebe . Sparheizung , luftdichter Fensterverschluß , Zerstörung des Mauersalpeters in Schaf- und Pferdestählen , künstliche Morchelzucht , das waren einige der Fragen , die seinen beständig auf Lösungen und Verbesserungen gerichteten Geist beschäftigten . Den Militärbehörden war er wohlbekannt durch seine mehrfach eingereichten Abhandlungen über erleichtertes Gepäcktragen und praktische Mantelrollung . Immer mit beigefügter Zeichnung . Sein eigentliches Steckenpferd aber waren die Dosen . Er war ein Sammler , und man durfte füglich sagen , was Seidentopf für die Urnen war , das war von Medewitz für die Tabatieren und alles ihnen Anverwandte . In bezug auf die Friderizianische Zeit war seine Sammlung so gut wie komplett . Von der Mollwitzdose an , auf der der junge König am Gattertor von Ohlau mit Flintenschüssen empfangen wurde , bis zur Hubertsburgdose , auf der ein Kurier , mit einem wehenden Tuche und dem Worte » Friede « darauf , durch die Welt flog , hatte er sie alle , einzelne sogar doppelt . Soweit war alles gut . Er begnügte sich aber nicht mit der » stillen Dose « , er war vor allem auch ein leidenschaftlicher Verehrer jener damals auf der Höhe ihres Ruhmes stehenden , in Gold und Schildpatt ausgeführten Miniaturleierkästen , die unter dem Namen der Spieldosen ihre Reise um die Welt gemacht haben . Solche mit Musik geladene Überfallwerkzeuge führte von Medewitz beständig bei sich , und mit ihnen war es , daß er seine gesellschaftlichen Attentate verübte . Wie es Menschen gibt , vor deren Anekdoten man , und wenn man in einer Begräbniskutsche mit ihnen säße , nie ganz sicher ist , so war man nie sicher vor einer Medewitzschen Spieldose . Er war sich dieser Macht bewußt und übte sie , mitunter glücklich und taktvoll , durch Ausfüllung ängstlicher Pausen ; aber viel häufiger noch folgte er den Eingebungen bloßer Laune oder verletzter Eitelkeit . Unfähig , aus eigenen Mitteln zur Gesellschaft beizusteuern , wachte er eifersüchtig über allem , was durch Wissen oder Darstellungsgabe sich auszeichnete , und wenn vielleicht der glänzend aufgebaute Satz eines guten Sprechers eben seinen Abschluß erhalten sollte , durfte man sicher sein , aus bloßer Neidteufelei eine Papageno-Arie oder die » Schlacht bei Marengo « dazwischentreten zu sehen . Was das Niederdrückendste war , war , daß das Mittel , wenn nur ein einziger Fremde bei Tische saß , trotz seiner Verbrauchtheit immer wieder wirkte . Der Gräfin wäre es ein leichtes gewesen , dieser Mißgunstsmusik ein Ende zu machen ; aber so abgeschmackt sie das Gebaren fand , so freute sie sich doch jedesmal , den verlegenen Ärger der um ihren Redetriumph Betrogenen beobachten zu können . Der Unbedeutendste des Guser Zirkels war von Rutze , leidenschaftlicher Jäger , ein langer , sehniger , ziemlich schweigsamer Mann , ehemals Hauptmann im pommerschen Regiment von Pirch . Er hatte Protzhagen , das übrigens uralter Rutzescher Besitz war , erst vor etwa zwanzig Jahren gekauft . Die Veranlassung dazu wurde wie folgt erzählt : Nach Stargard hin , wo das Regiment von Pirch in Garnison lag , verirrte sich eine Topographie des Oderbruchs . In dem Kapitel » Buckow und seine Umgebung « hieß es auf Seite 114 : » Bei Protzhagen , einem Gute , das drei Jahrhunderte lang den Rutzes angehörte , zieht sich eine tiefe Schlucht , die Junker Hansens Schlucht . Sie führt diesen Namen , weil Junker Hans von Rutze hier stürzte und verunglückte ; dies war 1693 . Es war der letzte Rutze . « Kaum war von einem der Kameraden diese Notiz entdeckt worden , so hieß es in nicht endenden Scherzreden : » Rutze sei untergeschoben ; es gäbe keine Rutzes mehr : der letzte läge längst in der Protzhagener Kirche begraben . « Unser Hauptmann , kein Meister im Repartie , wurde mißmutig ; er nahm den Abschied und kaufte Protzhagen , um nunmehr an Ort und Stelle die Beweisführung anzutreten , daß es mit dem » letzten Rutze « noch gute Wege habe . Aber er verbesserte sich dadurch nur wenig . Die Stargarder Neckereien waren bekannt geworden und hatten nun auf Schloß Guse ihren Fortgang . Bamme verschwor sich hoch und teuer , daß es mit einem der beiden » letzten Rutzes « , dem jetzigen oder dem früheren , notwendig eine sonderbare Bewandtnis haben müsse . Entweder sei der selige Hans von Rutze nichts als eine gespenstische Vorerscheinung , eine Spiegelung von etwas erst Kommendem gewesen , oder aber der