einst gestanden , daß sie sich eigentlich nicht mehr am Argenstein , sondern auf dem Stighof in den seit mehr als fünfzehn Jahren gewohnten Verhältnissen recht und ganz daheim fühle . Eine kleine Strafpredigt oder wenigstens einige Klagen über dieses Geständnis hätte das Mädchen entschieden viel lieber gehabt , als sie das Lächeln sah , mit welchem das Mathisle sein kurzes : » Schon gut , ganz recht ! « begleitete . Von jetzt an ward es ihr immer noch heißer in des Vaters kleiner Stube , in welche sie jedoch kaum noch jedes Halbjahr zu kommen pflegte . Was nun aber , wenn sie mit Hansen nicht mehr einig wurde , wenn er es ihr immer nachtrug , was sie gesagt und getan , als er einmal nicht gerade ihr zum Dienst gehandelt hatte ? Am ersten Tage nach der Kirchweih antwortete sie sich auf diese Frage ganz kurz , sie könne auch anderwärts ihr Brot verdienen . Bei ruhigerer Überlegung jedoch war sie mit dieser Antwort in keiner Weise mehr zufrieden , obwohl sie keine andere finden konnte . Wenn sie an den Vater , an ihre Pflicht gegen ihn und die Schwester dachte , mußte sich sich sagen , auch Jos hätte an seine Mutter denken und sich anders benehmen sollen . Erst seit Hans so mürrisch an ihr vorüberschoß , wußte sie recht , wie gut er sonst immer war . Nur einmal hatte er sich so gegeben , daß sie ihn kaum noch kannte ; aber wenn er am Kirchweihtag den Knecht seine Unzufriedenheit empfinden ließ , und mehr tat Hans ja eigentlich nicht , so war das noch immer weit eher in der Ordnung , als wenn sie dann Hansen , ihren größten Wohltäter , darum öffentlich tadelte . Dem Mädchen ging ' s wie ein Stich ins Herz , wenn es dem mürrischen Burschen begegnete , denn es hatte keine Ahnung , daß oft nur seine Ratlosigkeit wegen einem Kuhhandel ihm die Stimmung verdarb und daß er überhaupt sich selbst noch weit mehr vorzuwerfen habe als ihr , die ihn eigentlich nur mit sich selbst noch unzufriedener gemacht hatte . Am Sonntage nach der Kirchweih ging Hans wie jeden Sonntag , wo die Hitze während des Nachmittagsgottesdienstes ihn durstig machte , in die Kronenwirtschaft , die des guten Bieres wegen besonders berühmt war . Kaum hatte er sein Glas vor sich , als auch der Krämer , hier ein etwas seltener Gast , sich neben ihn hermachte und von allem redete , was er von der Kirchweih mit heimgebracht hatte . Der Mann wurde dabei so lang und breit , wie vielleicht kaum den vertrautesten Freundinnen gegenüber ein Mädchen , welches da zum erstenmal im Leben auf dem Tanzplatz aufgeführt wurde . » Recht lustig « , schloß er endlich laut und beinahe feierlich , » prächtig ist alles gewesen . Jede Stunde , jede Minute ein neues Vergnügen . Ich hab ' noch keine solche Kirchweih erlebt , und doch weiß jedermann , daß ich schon weit in der Nähe herumgekommen bin . Musik , gute Weine , ordentliche Bedienung , nun , das sind so Sachen , die unsereiner immer und überall findet , aber seltener trifft sich ' s , daß ganz die rechten Leute sich zusammenfinden . Da wurde denn doch einmal mit dem Gesindel gehörig aufgeräumt . Lächerlich noch zu allem Unfall ist dem Jos gegangen . « » Wenn etwas an der ganzen Geschichte noch lächerlich sein sollte « , betonte die Wirtin streng , » so wär ' das gewiß nur der Umstand , daß ein Mensch so ganz zum Krämer wird , daß er auch Menschen verhandeln und umtauschen will wie Tuch und Mehl um einen Heustock . « Hans hatte unwillkürlich die Augen geschlossen wie immer , wenn ein unerwartetes Wort ihn wie ein Schlag traf , den er wehrlos hinnehmen mußte . Er sah nicht mehr , wie aller Blicke sich auf ihn richteten , aber er fühlte es ebensogut , als er den Hieb der Wirtin auf den Heustock gefühlt hatte . Die schon mitgebrachte üble Laune hatte ihn viel empfindlicher gemacht , als er sonst gegen derlei Bemerkungen zu sein pflegte . Gewöhnlich mochte Hans mit jedem Menschen sich gern unterhalten , und über einen guten Einfall konnte er herzlich lachen , ohne zu fragen , von wem er sei . Mancher wohlhabende Wälder kümmert sich vor allem um Stand und Vermögen seines Gesellschafters , damit er einen Maßstab für die Länge und Vertraulichkeit der Unterhaltung gewinne . Hans aber pflegte nur seinem Gefühle zu folgen . Er konnte jeden sogleich verlassen , der ihm nicht paßte , sobald er irgendwo Besseres wußte ; nur heute , als der Krämer zu ihm her katzenbuckelte , blieb er trotz dem in ihm sich regenden Widerwillen wie angenagelt sitzen . Das vom Krämer gebrauchte Wort » lächerlich « machte ihn schwach und empfindlich für die Zurechtweisung der Wirtin , welche er ganz bestimmt erwartet hatte . Nein , lächerlich war ' s nicht , was dem guten Jos begegnete , als er , zu bescheiden , um gegen den Brotherrn aufzutreten , sich so gut als noch möglich durch die Flucht aus der Sache wickeln wollte . Die Wirtin hatte - wie gewöhnlich - ganz recht , daß sie den herzlosen Mann gehörig abtrumpfte und auch daß sie ihn , Hansen , einen Heustock nannte . Ja , er war wirklich der träge , dumme Heustock gewesen , heute aber wollte er der um keinen Preis mehr länger sein . War auch der Wirtin nicht ganz zu entrinnen , so wollte er denn doch ihre Predigt nicht mit dem Krämer anhören ; besonders da nicht mehr , als der , statt seine frühere Rede zu verbessern , ganz trocken sagte : » Dir , du strenge Predigerin , würde die Geschichte schon auch lustiger vorgekommen sein , wenn sie unter deinem Dach und bei deinem Weine sich zugetragen hätte . « Solche Krämerantwort