, die man ihnen vorsagte , als solche zu nennen , welche mit ihnen dem Teufel gehuldigt und Hexensabbath gefeiert . Die Angegebenen wurden dann wieder so grausam gefoltert und gemartert , bis sie endlich auch gestanden - und dann wurden sie auf unmenschliche Weise hingerichtet oder verbrannt . Aber trotzdem , daß so ein Gelehrter versuchte diese Schändlichkeit zu enthüllen und zu erklären , wollte man nun an andern Orten auch von Zauberei und Teufelsspuk hören , und die Finsterlinge , denen stets die Dummheit des großen Haufens und der Glaubenseifer edlerer Naturen willkommen ist ihr Reich zu kräftigen , fanden hier ein treffliches Netz , es immer weiter auszuwerfen und mehr darin zu fangen . « » Wenn ich nicht irre , « sagte Hieronymus , » sind es etwa fünf Jahre , daß Papst Innocenz die Bulle erließ , durch welche der Hexenglaube und das damit verbundene Rechtsverfahren die kirchliche Weihe erhielt ; aber Du überschätzest wohl die Schädlichkeit ihres Einflusses . « » Gewiß nicht ! « eiferte Ulrich ; » die Dominikaner und Professoren der Theologie Heinrich Krämer in Oberdeutschland - und Jakob Sprenger am Rhein waren schon zu Inquisitoren ernannt , als sich noch viele der besseren und aufgeklärteren Geistlichen ihrem Verfahren widersetzten ; aber seit der päpstlichen Bulle und noch mehr seit der päpstlichen Bestätigung wagt das Niemand mehr , die Geistlichen wie die Laien haben sich gefügt , denn diejenigen , welche es nicht thaten , wurden ihrer Stellen verlustig . Der Hexenhammer , der erst kürzlich erschienen , enthält eine förmliche Hexengerichtsordnung , die nun überall gelten soll . Unsinn , Dummheit und Unflätherei wetteifern darin mit der schauderhaftesten Grausamkeit , und unzählige Frauen sind bereits als ihre Opfer gefallen . Das Schlimmste ist nur , daß die weltlichen Gerichte ihr Ansehen allein dadurch zu behaupten wähnen , daß sie den geistlichen Gerichten nicht die Spitze zu bieten , sondern ihnen zuvorzukommen suchen ; so kommt es endlich zu einem förmlichen Wetteifer , wer mehr Teufels- und Hexenspuk aufspüren und wer seine Opfer gräßlicher foltern und bestrafen kann . « Die Beiden sprachen noch lange so über ein einmal angeregtes schreckliches Thema und über eine , durch ein einziges Wort heraufbeschworene Gefahr , die nun wie ein Damoklesschwert über Ulrich ' s Haupte hing ; denn kam der Verdacht eines unehrlichen Herkommens auf einen Baubruder ; war seine Mutter der Schande verfallen , so verfiel er derselben mit und ward für immer aus der Gemeinde der freien Maurer ausgestoßen und dadurch zugleich gewissermaßen für vogelfrei erklärt . Als der zweite Abend nach diesem herankam , zogen die Baubrüder , ohngefähr zehn an der Zahl , vor das Thor an der Veste sich im Walde zu ergehen . Keiner , außer Hieronymus und Ulrich , ahnte dabei eine andere als die von diesen angedeutete Absicht , die schöne Waldluft zu genießen und an der Natur selbst Muster der Ornamentik zu studieren . Denn wie überhaupt die himmelanstrebenden Säulen der gothischen Dome , die oben in Zweigen und Aesten sich auseinander theilten , in den deutschen Hainen majestätischer Buchen und schlank aufstrebender Tannen ihre Vorbilder hatten , so bildete man jetzt mit immer wachsenderer Vorliebe für das Vegetabilische die Verzierungen an Säulen und Thüren , Piedestalen und Kapitälern dem lebendigen Laube in durchbrochener Steinarbeit nach , und die strebsamsten Steinmetzen , immer bemüht nach eigenen Anschauungen Neues und Eigenes zu schaffen , statt nach alten Maßbrettern zu arbeiten , suchten und zeichneten sich selbst ihre Muster in der Natur . Jeder der Baubrüder hatte seine Ledertasche umhängen , und an die Stelle des Abendbrodes , das darin steckte , bis es unterwegs verzehrt ward , sammelte man schön geformte Blätter hinein , sie gelegentlich als Modelle zu benutzen . Das kurze Schwert trug Jeder umgegürtet , nur bei der Arbeit trennten sie sich davon . Als sie an der von der Jüdin bezeichneten Hütte vorüber kamen , sagte Ulrich : » Mich dürstet , und hier sehe ich nirgends eine Quelle oder einen Brunnen ; ich denke , man wird mir hier einen Trunk Wasser nicht versagen . « Er schlug mit seinem Schwert an die verschlossene Thür , nur der eine Steinmetz Erwin , der auch Durst verspürte , wartete mit ihm . Endlich öffnete man , und eine alte Frau fragte unwirsch , was es gäbe . Als Ulrich sein Begehr sagte , entfernte sie sich in ein inneres Gemach , um ein Trinkgefäß zu holen . Auf einem Schemel in der unsauberen Hausflur saß ein Mann in städtischer Dienertracht , der Ulrich zunickend zu ihm sagte , wahrscheinlich um seine Anwesenheit in diesem üblen Lokal zu rechtfertigen : » Wenn Ihr nicht ganz verdurstet seid , möcht ' ich Euch nicht rathen hier zu trinken ! drinnen liegt eine alte Frau im Sterben - wer weiß , was ihr fehlt . Wir sind herausgegangen , weil sie die Amme meiner Herrin gewesen . « » Ja , « sagte Ulrich , » es ist auch ein schlechter Dunst hier : wenn Eure Herrin noch drinnen ist , möcht ' ich Euch rathen bald mit ihr zu gehen , damit ihr kein Leid geschieht ! ohnehin wird es bald dunkel , und da treibt sich hier oft schlechtes Gesindel herum ; das ist kein Weg für Damen . « » Das hab ' ich auch gesagt , « bestätigte der Diener . Die Frau kam mit dem Wasser , drinnen hörte man ächzen und stöhnen ; Erwin schüttelte sich jetzt vor dem Wasser , und Ulrich goß es draußen weg statt zu trinken und winkte dem Diener heraus . » Warum wartet Ihr nicht lieber außen ? « fragte er ihn . » Weil es ein verrufenes Haus ist ; man schämt sich , wenn einen Jemand sieht ; die Frau , die heraus kam , giebt sich mit Zaubereien ab , und ich kann nicht Jedermann erzählen , daß die Frau Scheurlin aus lauter christlicher Barmherzigkeit drinnen bei ihrer Amme