einen Mann ! So eine Familie ! Da kann ' s ihm nicht mehr fehlen . Nein , der Dami darf sich nicht in ' s Dorf wagen . O lieber Gott ! er ist ja ausgewiesen ! Aber der Kohlenmathes , der könnte es , und vielleicht doch der Dami . Hin und her wie ein Irrlicht schweifte ihr Denken , und sie selber irrte durch die Feldwege , ohne zu wissen wohin , und es war ihr heute so schreckhaft , wie das immer ist , wenn man nichts weiß von der Welt und in Gedanken so dahin geht ; sie erschrak vor jedem Tone , die Frösche im Weiher krächzten so fürchterlich , und die Schnarren in den Wiesen so heimtückisch , die Bäume stehen so schwarz in die Nacht hinein . Es hat heute gegen Endringen Zu gewittert . Der Himmel ist von fliegenden Wolken überzogen , nur manchmal blinkt ein Stern hervor . Barfüßele eilt durch das Feld in den Wald , sie will doch zum Dami , sie muß sich wenigstens mit einem Menschen davon ausreden . Wie ist es im Wald so dunkel ! Was ist das für ein Vogel , der jetzt in der Nacht zwitschert , fast wie eine Amsel , wenn sie am Abend heimfliegt , und » ich komm ' komm ' komm ' ; komm ' schon , komm ' schon ! « lautet der Klang ? Und jetzt schlägt die Nachtigall , so ohne Athemholen , so von innen heraus , quellend , sprudelnd , leise rieselnd , wie ein Waldquell , der aus dem Innersten der Erde gespeist wird . Mehr hin und her schlängelten sich nicht die Wurzeln auf dem Waldwege , als die Gedanken Barfüßele ' s durcheinander liefen . » Nein , der Plan ist nichts ! Geh ' nur wieder heim , « sagte sie sich endlich , und kehrte um , aber noch lange wanderte sie in den Feldern umher ; sie glaubte nicht mehr an Irrlichter , aber heute war es doch , als ob eines sie hin- und herführte , und heute zum Erstenmal spürte sie auch , daß sie im Nachtthau so lange barfuß umherging , und dabei brannten ihr die Wangen . In Schweiß gebadet kam sie endlich heim in ihre Kammer . 15. Gebannt und erlöst . Am Morgen als Barfüßele erwachte , lag das Halsgeschmeide , das sie einst von der Landfriedbäuerin erhalten , auf ihrem Bett ; sie mußte sich lange besinnen , bis sie sich erinnerte , daß sie dasselbe noch gestern Abend herausgenommen und lange betrachtet hatte . Als sie sich aufrichten wollte , waren ihr alle Glieder wie zerschlagen und die Hände mühsam in einander klammernd jammerte sie : » Um Gotteswillen nur jetzt nicht krank sein ! Ich habe keine Zeit dazu , ich kann jetzt nicht . « Wie im Zorn gegen ihren Körper , ihn mit der Willenskraft gewaltsam bezwingend , stand sie auf ; aber wie erschrack sie , als sie sich jetzt in dem kleinen Spiegel betrachtete . Ihr ganzes Gesicht war geschwollen . » Das ist die Strafe , weil du gestern Nacht noch so herumgelaufen bist und hast fremde Menschen und auch böse zu Hülfe rufen wollen . « Sie schlug sich wie zur Züchtigung in ' s schmerzende Gesicht , nun aber verband sie sich über und über und ging an ihre Arbeit . Als die Meisterin sie sah , wollte sie , daß sie sich zu Bette lege ; aber die Rosel schimpfte , das sei eine Bosheit des Barfüßele , daß sie jetzt krank sein wolle , sie habe das zum Possen gethan , weil sie wisse , daß man sie jetzt nöthig habe . Barfüßele war still und als sie im Schuppen war und Klee in die Raufe steckte , da sagte eine helle Stimme : » Guten Morgen ! Schon fleißig ? « Es war seine Stimme . » Nur ein bisle , « antwortete Barfüßele und biß dann die Zähne über einander , vor Allem über den neidischen Teufel , der sie so verhext und entstellt hatte , daß er sie unmöglich erkennen konnte . Sollte sie sich jetzt zu erkennen geben ? Man muß es abwarten . Während sie nun molk , fragte Johannes Allerlei . Zuerst über das Milchergebniß der Kühe und ob man verkaufe und wie , und wer buttere und ob vielleicht Eines im Hause Buch darüber führe . Barfüßele zitterte , es war jetzt in ihrer Hand , ihre Nebenbuhlerin zu beseitigen , indem sie zeigte wie sie war ; aber wie seltsam zusammengesponnen sind die Fäden alles Thuns ! Sie schämte sich vor Allem , über ihre Meistersleute schlecht zu sprechen , obgleich sie nur eigentlich die Rosel getroffen hätte , denn die Anderen waren brav ; aber sie wußte , daß es auch einen Dienstboten schändet , wenn er das innere Wesen des Hauses zur Schande preisgiebt . Sie sicherte sich daher , indem sie zuerst sagte : das stehe einem Dienstboten nicht wohl an , seine Meistersleute zu beurtheilen ; » und gutherzig sind sie Alle , « setzte sie in innerem Gerechtigkeitssinn hinzu ; denn in der That war dies auch Rosel trotz ihres heftigen und herrischen Wesens . Jetzt fiel ihr was Gutes ein . Sagte sie gleich wie die Rosel sei , so reiste er schnell wieder ab , er war dann freilich von der Rosel los , aber er war dann auch fort , und mit kluger Rede sagte sie daher : » Ihr scheint mir bedachtsam , wie auch Eure Eltern den Namen dafür haben . Ihr wisset aber , daß man kein Stückle Vieh in einem Tag recht kennt ; so mein ' ich , Ihr solltet ein bischen hier bleiben und nachher können auch wir Zwei einander besser kennen lernen und da wird dann schon ein Wort das andre geben , und wenn ich Euch dienstlich sein kann , an mir soll '