sich so an jede nackte Felsen- und jede kahle Mauerwand lehnt , sie verschönernd durch seine trauliche Ansiedelung ! Vor den Reisenden lag dann auch endlich auf eine Stunde Weges entlegen das Schloß Hohenberg . Schon lange konnten sie das im Geschmack der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts errichtete stattliche Gebäude unterscheiden . Je näher sie diesem ihrem gemeinschaftlichen Reiseziele kamen , desto unruhiger wurde Hackert , desto heftiger seine Antworten , desto ungeduldiger das Seufzen , das ihm zuweilen entfuhr . Er wandte sich jetzt wieder zu Dankmarn und äußerte : Bis hierher , Herr ! Fahren Sie jetzt ! Dankmar beherrschte sich und erwiderte : Bis ich die Cigarre fertiggeraucht habe ! Die Aussicht auf das Schloß verschwand . Man war in einem anmuthigen Buchenwalde , der sich bis nach Plessen hinzuziehen schien . Welch frisches Laub ! Welche zauberhaften Lichter , wenn die Baumgattungen abwechselten und Tannen sich an Birken reihten , um gemeinschaftlich dann die Buchengruppen zuweilen zu unterbrechen ! Welcher Smaragdschimmer , wenn grünbewachsene Plätze zwischeninnelagen und von der Sonne beschienen wurden , die schon großer Öffnungen bedurfte , um mit ihren sich senkenden Strahlen hier durchzudringen ! Da sprangen ja noch Rehe erschreckt von ihrem grünen Lager unter einem großen freistehenden Eichbaum auf ! Es mußte mit des Jägers Kummer über die ausgeschossene Belebung dieser Wälder nicht so schlimm stehen . Der Fremde war im Anblick dieses stillen Friedens wie verloren . In dem Augenblicke hörten sie in der Ferne Pferdegetrappel . Hackert springt auf . Man sieht einen Zug von etwa fünf Reitern dahertraben , in der Mitte eine Dame , wie man an dem in der Luft fliegenden blauen Schleier erkannte . Hackert wirft Peitsche und Zügel fort , springt vom Sitz , schießt wie besessen über den Chausseegraben und ist im Nu im Wald verschwunden . Der Gaul , erschreckt von der heransprengenden Cavalcade , bäumt sich . Die Zügel schleifen schon an der Erde . Dankmar wirft eiligst die Cigarre fort . Der Fremde hält ihn , damit er nicht hinausspringt . In dem Augenblick jagt die Dame mit ihren Begleitern , an deren Spitze Dankmar den Stallmeister Lasally erkannte , vorüber . Es war Dies ein Glück für den bescheidenen Einspänner ; denn dem stutzigen Gaul wurde die Gelegenheit zum Durchgehen genommen . Die Cavalcade nahm sie im Vorbeireiten in die Mitte . Die Dame lachte vielleicht über die komischen Capriolen des zügelfreien Thieres und die verlegene Besorgniß der beiden Männer . Mit einem Sprung war Dankmar , als der Gaul glücklicherweise stand , hinaus und griff nach dem Zügel . Mit Verwünschungen gegen den Betrüger , der sie hier so plötzlich im Stich gelassen und ihm auch die Gelegenheit genommen hatte , die Dame zu fixiren , hieb er auf das erschreckte Thier zu und ohne sich weiter um Hackert ' s Rückkehr zu bekümmern , jagte er auf und davon . Was hatte nur der tolle Mensch ? fragte der Fremde , über das Zusammentreffen aller dieser Vorfälle erstaunt . Ich sehe , er ist verrückt , antwortete Dankmar . Ich glaubte diese Eigenschaft schon längst an ihm bemerkt zu haben . Es erleichterte Dankmarn , seinem Begleiter zu erzählen , wie er an diesen Gesellen gekommen wäre . Als er dabei einen Bericht über den eigentlichen Zweck seiner Reise erstattete und den Schrein erwähnte , den er in Hohenberg verloren und dort suchen wollte , unterbrach ihn der Fremde mit den Worten : Einen Schrein ? Etwa von drei Fuß Länge ? Wie ? fragte Dankmar gespannt ; allerdings ... etwa drei Fuß Länge ... Eiserne Bänder an dem Deckel ? Wohl ! Und am Boden ... Zwei Fuß breit mit ausgefelgten Rändern ? Zierlich geschnitzt ... Auf dem Deckel in erhabener Holzarbeit ein Kreuz ... Himmel , wo haben Sie diesen Schrein gesehen ? Er ist es ! Wo hab ' ich ihn gesehen ! fragte sich der Fremde selbst . Besinn ' ich mich wol , wo mir noch gestern dieser Schrein auffiel ! Ich beschwöre Sie , rief Dankmar , forschen Sie in Ihrem Gedächtniß . Die wichtigsten Angelegenheiten knüpfen sich für mich an diesen Schrein . Das Kreuz hatte nicht die gewöhnliche längliche Form der Kirche ... Doch ! doch ! Es war ein Malteserkreuz ! Ähnlich ! Ganz recht ! Es war ein Kreuz an den Enden mit kleeblattförmigen Rundungen . Das ist er ! Dankmar war wie auf glühenden Kohlen . Das Pferd hielt er an , da der Fremde ohnehin gewünscht hatte , aussteigen und nach Plessen einen Seitenweg einschlagen zu dürfen . Endlich , als Dankmar fast krampfhaft und erwartungsvoll des Fremden Hand ergriffen hatte , rief Dieser aus : Ich weiß es . Den Schrein sah ich gestern Abend im Hofe des Heidekrugs auf Schlurck ' s Wagen . Auf Schlurck ' s ... ? wiederholte Dankmar und stockte . Auf Schlurck ' s Wagen , versicherte der Fremde , der sich ihm in diesem Augenblick in einen Boten des Himmels verwandelte ; es war nach vier Uhr . Es dämmerte aber noch sternhell , als ich im Heidekrug ankam . Anfangs wollt ' ich die Nacht benutzen und nach einer Erfrischung weiterwandern . Da sah ich im Hof einen Reisewagen stehen , leicht bepackt , elegant . Der Kutscher zündete die beiden Laternen an , als wollte er weiterfahren . Der Wagenschlag hatte eine Chiffre , die mich fesselte . Ich blieb in der Nähe stehen . Ich sah dem Kutscher zu , wie er die Laternen befestigte . Dann ordnete er an seinem Fuhrwerk Dies und Jenes . Unter seinem Sitze hatte sich in einer dort befindlichen Vache Stroh gelockert . Er riß es vollends ab und rief den Hausknecht um neues an . Einen in der Vache liegenden Gegenstand schien er frisch emballiren zu wollen . Bei der Gelegenheit sah ich deutlich jenen Schrein , der mir wegen seiner alterthümlichen Form und des auf ihm sehr zierlich angebrachten Kreuzes , da der Deckel zur