Lande büßen , manchmal alsbald , manchmal erst nach zwei , drei Jahren . Das nun faßte Joggeli ins Auge und behauptete , Uli nutze ihm den Hof aus und so sei es keine Kunst , Geld zu machen . Wenn der Hof dann nichts mehr abtrage , so gebe er ihn ihm wieder an die Hand und er könne zusehen , was damit machen ; er ward hässig darüber , er sagte , er hätte es auch machen können , wenn er gewollt , aber er hätte nicht das Haus zum Fenster aus werfen wollen ; die , welche ihm zu einem Pächter geraten , sollten jetzt kommen und sehen , wie es ihm ergehe : geraubet werde ihm das Geld , verhunzet das Land , und wer sich das alles müsse gefallen lassen und froh sein , wenn man ihm nicht noch die Kleider nehme , das sei er , Joggeli , der Glunggenbauer . Aber neben diesem großen Verdruß hatte er doch auch seine große Freude , und diese Freude erwuchs ihm aus dem Mißgeschick , welches Uli mit seinem Gesinde hatte . Es war ein edler Stoff . Ulis alter Meister , der Bodenbauer , hatte ihn belehrt über die Bedeutung , welche ein guter oder böser Name für einen Knecht oder eine Magd hat , und dieses hatte Uli vollkommen begriffen , darnach gelebt und den Erfolg erfahren . Nun hätte der Bodenbauer Uli auch Vorlesungen halten sollen über den Wert des guten oder bösen Namens für Meisterleute , das hatte er leider unterlassen . Wahrscheinlich dachte er , Uli werde die allgemeine Regel auch auf sein neu Verhältnis anwenden können , aber im Anwenden , insbesonders auf sich und seine eigenen Verhältnisse , sind nicht alle Leute stark . Gar viele haben es wie der Vogel Strauß , der , wenn der Jäger ihm an der Ferse liegt , den Kopf unter einen Flügel steckt und meint , der Jäger sehe ihn nun so wenig als er den Jäger . Überhaupt haben die meisten Menschen die Meinung , sie seien gerade recht , wie sie seien , und wer anders sei als sie , der sei nicht recht . Diese Meinung findet man auf allen Stufen der Gesellschaft , sie macht sich geltend in allen Lebens , gebieten , vom absoluten Staate weg bis ins Bettlerhandwerk hinein . Einem Absoluten oder einem mit absoluter Meinung von sich selbsten kömmt es nie in Sinn , daß er nicht den rechten Namen habe , daß er mit besonderer Vorsicht für einen guten zu sorgen hätte . Von solch absoluter Gesinnung sind nun unendlich viele Meisterleute , es fällt ihnen nicht ein , daß in der Masse der Dienstboten jedes Haus , jeder Meister und jede Meisterfrau einen viel ausgeprägtern Namen haben als Dienstboten unter den Herrschaften . Es ist unter den Dienstboten ein viel größerer Zusammenhang , ein viel inniger Zusammenhalten als unter den Herrschaften . Ach Gott , wenn so manches gute , liebe Frauchen wüßte , wie sie betitelt wird unter dem Gesinde , wie schwarz ihr Name angeschrieben stünde in der Weltgeschichte der Gesindestube , welch schrecklich dumme , lächerliche Geschichten man ihr nacherzählte , sie kriegte sicherlich Ohnmachten . Sie meint es nicht böse , aber sie hat keinen Begriff von diesen Verhältnissen , darum tölpelt sie darin so schrecklich herum . Es ist merkwürdig , wie dumm die Leute sind , besonders die Gebildeten . Da lassen sie zum Beispiel ihre Töchter bilden , mit großer Not und Geld , im Ausland und im Inland , in Klöstern und Pensionen , mit Gouvernanten und Tanzmeistern , damit der Tölpel abgeschliffen werde , damit sie sich in gebildeter Gesellschaft , in Salons und auf Dampfschiffen ohne Anstoß , aber mit Anstand leicht und angenehm bewegen könnten . Denn , wohl gemerkt , dies müsse gelernt sein , sagen sie , und eingeübt , von selbst gebe das sich nicht ; so viel Verstand haben sie und richten ihre Töchter zum einfachen Teeservieren zum Beispiel monatelang ab . Aber so viel Verstand haben sie nicht , zu begreifen , daß man auch das Bewegen nach unten , in Gesindestube und Küche , erlernen und einüben muß , daß man da mit Anstand und taktfest sich bewegen lerne , nicht tölpelhaft werde und verhöhnt von Spandau bis Magdeburg . Man glaube es doch nur , es kömmt unendlich mehr Elend ins Haus , ins Gemüt , ins tägliche Leben , wenn die Herrschaft , namentlich die Frau , taktlos und tölpelhaft in der Küche und unter dem Gesinde hantiert , als wenn sie linkisch im Salon tut und eben nicht graziös sich zu beugen und zu neigen weiß . Ach Gott , wie manches gute , liebe Frauchen sah dies nach Jahren , nachdem sie unsäglichen Jammer ausgestanden , ein Elend geschluckt hatte , ein zehnmal größeres als Napoleon im Feldzug von Rußland , endlich ein , lernte , was sie versäumt hatte , suchte gut zu machen , den Ruf zu verbessern , aber wie lange versuchte sie dies umsonst ! Ein guter Name geht in Augenblicken verloren , ein schlechter wird in Jahren nicht zu einem guten . Ist bei einer Herrschaft , welche nicht im guten Geruch steht , eine Stelle leer , so melden sich diejenigen nicht , welche etwas auf ihrem Rufe halten . Ein guter Knecht hält sich für hundertmal mehr als ein schlechter Meister und es tief unter seiner Würde , bei ihm sich zu melden , er findet überall sein Fortkommen . Es meldet sich also lauter mittelmäßig oder schlecht Zeug , und auch dieses tritt mit vorgefaßter Meinung ein . » Da mache nur , was du willst , und laß dich nicht kujonieren ; da bleibst doch nicht lang , da ist noch Keins lange geblieben , « heißt es in allen Ecken . Ja , so ein Mägdlein würde es für eine eigentliche Schmach halten , wenn es länger bliebe als die Andern