viel Besitz hat , viele Hände , so bezahle er sie , und es wird Niemand darüber murren , daß er in dieses oder jenes reichen Herrn Lohne stehe . Es ist aber ein himmelschreiendes Unrecht , von hundert und tausend Armen , die das Glück in keine goldne Wiege mit Perlmutterwalzen gelegt hat , zu verlangen , daß sie zwei Drittheile ihres ganzen Lebens unentgeltlich dem Manne zum Opfer bringen sollen , den ihnen der blinde Zufall zum Herrn gegeben , und daß sie dieses furchtbare Opfer auf Kosten ihres eigenen vernunftgemäßen Vortheils bringen sollen ! Wer viel besitzt , viel gewinnt , soll viel davon ab- und ausgeben . Das ist Naturgesetz und bringt eine wohlthätige Gleichheit unter die Menschen , die ohnehin zu sehr von einander abhängig gemacht worden sind durch allerhand Wunderlichkeiten , die sich seit Adams Zeiten in der Welt eingenistet haben . Braucht also Jemand viel Arme , so bezahle er diese Arme , verlangt er aber , daß diese Arme für ihn ohne Entgelt arbeiten und sich abmühen sollen , so verdient er , daß man ihm den Kopf zurecht setze , wie ' s drüben in Paris die Franzosen gemacht haben und noch machen . « Auf diese lebhafte Entgegnung blieb der Voigt dem Maulwurffänger eine Antwort schuldig , die Knechte , sonst gegen Alles gleichgiltig , was nur irgend wie mit allgemeinen Interessen zusammenhing , rückten dem Sprecher immer näher und bekundeten ihre Theilnahme am sichersten dadurch , daß nach und nach eine Tabakspfeife nach der andern zu qualmen aufhörte . Zuletzt rauchte nur Heinrich noch , der nie versäumte , dem verglimmenden Kraut durch frisches Feuer wieder nachzuhelfen . » Ein Wort , Maulwurffänger , « sprach der Großknecht nach einigem Zögern . » Habt Ihr das unserm gnädigen Herrn in ' s Gesicht gesagt ? « » Dazu hatte ich keine Zeit , « versetzte Heinrich . » Ueberdies war das auch gar nicht nöthig , da ich ihm genug zugeflüstert habe , um ihn festhalten zu lassen an seinem Beschlusse . « » Ist ' s , wie Du sagst , « fiel hier der Voigt wieder ein , » so begreife ich eben so wenig , was aus der Welt , noch was aus den Herren werden soll ! Sie müssen gradeswegs zu Grunde gehen , bei meinem Eid ! « Heinrich lachte mit dumpfem Kehllaut . Man konnte nicht leicht errathen , ob aus Schadenfreude oder weil er die Bemerkung des Voigtes lächerlich fand . » Was würdest Du denn machen , he , « sagte er , » wenn nun alle die reichen und mächtigen Grundbesitzer mit sammt ihren alten gemalten Vorfahren und steinernen Wappenschildern so über Nacht verschwänden , als hätte sie die Erde verschlungen oder als wären sie in einem Brücherche1 versunken ? He , was würdest Du denn machen ? « Der Voigt wußte auch auf diese Frage keine Antwort zu geben . Er schüttelte den Kopf und sah finster vor sich hin . » Nun ich will Dir auf die Sprünge helfen , « fuhr der Maulwurffänger fort . » Kommt es wirklich dahin , wohin ich wünsche , daß es recht bald kommen möge , so kann zweierlei geschehen . Entweder schlagen die reichen Herren in sich , kriegen , wie vom heiligen Geist erleuchtet , gesunden Menschenverstand und geben ihren Nebenmenschen , was ihnen gehört . Dann werden sie bei einigem Verlust sich ganz wohl befinden und den Dank ihrer Mitbrüder erwerben . Oder sie bleiben verstockt und pochen auf ihre Rechte , die ich in meiner Beschränktheit für Unrecht halte . In diesem Falle wird man ihnen mit Gewalt nehmen , was sie im Guten nicht geben wollen , und da kann ' s wohl möglich sein , daß Mancher mit sammt seinem Hechelkram von Ritterschwerten und Grafenkronen , ehe er sich ' s versieht , in eine Irre geräth , aus der ihm keine Sonne mehr heim leuchtet . « » So dumm wird unser gnädiger Herr nicht sein , rechne ich mir , « warf einer der Knechte ein . » Was auch Der und Jener an ihm aussetzen mag , gescheidt ist er wie der Teufel und pfiffig wie ein Advocat ! « » Er wird thun , was die Andern thun , « sagte Heinrich , » und in diesem löblichen Eutschlusse habe ich ihn zu bestärken gesucht . Dafür hat er mich belobt , wie ein Schulmeister seine Jungen , wenn sie ' was gelernt haben , und mir verheißen , Du , mein lieber Voigt , würdest mir die Mandel Maulwürfe , die ich heut auf Seiner Gnaden Feldern abgeknötelt habe , bezahlen . Du kannst sie zuvor nachzählen , sie stecken in meinem Ranzen . Für diese Nacht bitt ' ich mir ein Oertel2 aus , wenn ' s sein kann , in der Hölle ; denn morgen mit dem Frühesten will mir der Herr Graf zu wissen thun , was er von der Sache hält und wie er dabei zu handeln gesonnen ist . « Wir brechen die Unterhaltung in der Gesindestube auf kurze Zeit ab , um denjenigen unserer Leser , die mit den Verhältnissen der Unterthanen zu ihren Herren wenig oder gar nicht vertraut sind , einige Winke darüber zu geben . Zu der Zeit , wo unsere Geschichte spielt , waren noch alle Dorfbewohner ihren verschiedenen Herrschaften frohnpflichtig , eine Last , die mit wenigen Ausnahmen bis in die neuere Zeit sich erhalten hat und erst seit wenigen Jahren ganz aufgehoben worden ist . Alle Landbewohner zerfielen in drei Klassen , in Bauern , Gärtner und Häusler . Das Landeigenthum der Bauern war sehr verschieden , doch kann man annehmen , daß jeder Bauer durchschnittlich wenigstens zu dreißig Dresdner Scheffel Aussaat besaß . Bei Einzelnen mochte sich dieser Besitz verdoppeln , ja verdreifachen . Weit geringer war das Landeigenthum der Gärtner , indeß immer noch groß genug , um darauf Zugvieh zu halten . Der Häusler dagegen