, die , unermüdlich in Nachtwachen und Dienstleistungen , der eigenen geringeren Leiden gern vergaß ; an dem innern Verstehen dieser Beiden durch Alter , Bildung und Vaterland so ganz verschiedenen Naturen lernte Leontine den Werth eines begrenzenden Glaubens , die Gefahr ihrer eigenen Ansichten erkennen . O , wie beneidete sie selbst Jean Carlo , wie er jetzt ohne Scheu vor ihr sich nennen ließ , um den Trost seiner Fürbitte , um sein inbrünstiges , den von Heiligen erfüllten Himmel erstürmendes Gebet ; denn nach demselben ward er ruhiger , er hörte die fromme Schwester mit stiller Ergebung an , er faßte neue Hoffnung und einte die Palme des Friedens der Dornenkrone , die sein Vaterland ihm als letztes Geschenk hinterlassen . Aber diese Dornen stachen schwer und tief , er litt unsäglich ! Nachdem König Ferdinand des Vierten Reise nach Laibach der Neapel kaum gewährten Constitution den frühen Todesstoß gegeben , nachdem die lange Jahre hindurch heimlich vorbereiteten Pläne des Carbonarismus eigentlich bereits vernichtet waren , hatte dennoch ein Sproß des Freiheitsbaumes sich grünend zu erhalten vermocht . Boralli ' s Schilderung der Lage des Königs in Laibach erweckte eine durchgehende allgemeine Begeisterung und Krieg ! ward die überall im ganzen Lande widerhallende Losung . Jean Carlo hatte sich im Gebirg , wo er die Truppen organisiren half , den festesten Glauben an die Thatkraft seines Volkes bewahrt . Ueber jeden Zweifel hinweg trugen ihn die Flügel seiner jungen Phantasie und der feurigsten Verehrung für Guglielmo Pepe , seines Oheims langjährigen Freund und Waffengenossen . Als aber kurz nach dem so glänzenden Beginnen des Kampfes diese Flügel , gewaltsam geknickt , zur nutzlos mit Bürgerblut befleckten Erde niedersanken , als die regellose , wilde neapolitanische Armee , ohne Disciplin , ohne Kriegsübung , ja sogar ohne hinreichende Waffen , der Uebermacht des sieggewohnten österreichischen Heeres fast ohne Widerstand erlag , als mehr noch als alles dies der durch lange Knechtschaft entartete Charakter der niedern Volksclassen dem Gelingen allzukühner , zu rascher Entwürfe einen innern , ja den allergefährlichsten Feind entgegenstellte , da focht Jean Carlo unter dem Helden seiner Wahl - um die Gunst des Todes . Sie ward ihm nicht ! Er erlebte es , bei Rieti durch General Walmoden die Ueberbleibsel des unglücklichen Heeres zerstreut zu sehen . Pepe ging nach Neapel zurück und brachte nichts mit sich dahin , als die trostlose Nachricht seiner eigenen Niederlage . Jean Carlo ' s Oheim , der ihn an Vaters Statt erzogen , dessen Adjutant er in dem kurzen Feldzuge gewesen , an dessen Seite er den goldnen Freiheitstraum geträumt , ward vermißt ; ob er gefallen , ob geflüchtet , war nicht zu ergründen . Zerbrochen an Leib und Seele , hatte Jean Carlo neben ihm gefochten , bis er selbst bewußtlos niedersank . Ihn weckte die Nachricht der neuen Schmach , die Carascosa ' s Heeresabtheilung getroffen . Als er in einem kleinen Dorfe von seiner Wunde insofern genesen war , daß er aufstehen und sich bewegen konnte , zog er Erkundigungen ein . Die vom König eingesetzte provisorische Regierung hatte einen Preis auf seines Oheims Kopf gesetzt . Monato , Hiacinth de Passe fielen , unzählige Bekannte , Freunde und Verwandte des unglückseligen Jünglings büßten Leben oder Freiheit ein , ihn selbst retteten günstige Zufälligkeiten und die Zuneigung eines mit seinem Hause befreundeten Fürsten , Medici , der sein Pathe war . Ihm ward die Flucht erleichtert . Längst ruhten seine Eltern im Grabe , ihm blieb eine einzige Schwester , die in einem unfern Neapel gelegenen Kloster in Pension war . Als er in der Nacht , verkleidet , sich hinüberschlich , um Rosalien ein vielleicht letztes Lebewohl zu sagen , fand er die Aebtissin desselben , eine Base seiner Mutter , von all den Sorgen um die Ihren schwer erkrankt und schon im Todeskampf . Der Einzug des Königs war nahe , die Amnestie für Alle , die bis zum vierundzwanzigsten März an geheimen Gesellschaften Theil genommen , noch nicht ausgesprochen , über Jean Carlo ' s mögliche Rückkehr in sein Vaterland nichts vorauszusehen , und kein einziger Verwandter , dem er die Schwester übergeben konnte , ungefährdet oder frei , die meisten heimlich verborgen oder geflüchtet . Noch vor Anbruch des nächsten Tages stand die Auflösung der Aebtissin zu erwarten , die wortlos des armen jungen Mädchens zarte Hand in die seine legte . Rosalien blieb nur die Wahl des schützenden Schleiers , das Kreuz des Heilands , oder das Schwere der herben Theilnahme am ungewissen Geschick ihres Bruders . Sie wählte das letzte . In fast wahnsinniger Verzweiflung umklammerte sie den einzigen Beschützer , der ihr geblieben , und beschwor ihn unter heißen Thränen , sie nicht zu verstoßen , sie nicht allein in dem der Knechtschaft geweihten Lande zurückzulassen , sie mit sich zu nehmen in die Fremde - ach ! die Aermste kannte ja diese Fremde nicht , die sie um seinetwillen lieben zu können hoffte , in welcher sie nur für ihre Todten und für die einstige Auferstehung ihres Volkes zu beten gedachte und in der sie unbewußt sich selbst den frühen Tod erbeten hatte . Die dringende Eile der Stunden und die Thränen des armen Kindes siegten . Vereint flohen die Geschwister . Eine Weile lebten sie unbemerkt in Frankreich und gingen dann nach der Schweiz . Von dort aus ward Jean Carlo nach Baden geschickt , weil seine schlecht geheilte Wunde aufgebrochen . Ach , eine unendlich tiefere öffnete sich ihm dort , als die Hoffnung schwand , Rosaliens Gesundheit herzustellen , deren Schwäche der junge Mann früher bei seinen sie immer momentan neu belebenden Klosterbesuchen nicht wahrgenommen hatte . Die Aerzte schrieben ihr Uebel einer Erkältung beim Uebergang der Alpen zu - der Tod will ja eine Ursache haben . Leontine , Schwester Renate und Jean Carlo saßen in stummem Schmerz am Bett der plötzlich , nach einem neuen heftigen Blutauswurf sanft wie ein Kind Entschlafenen ; die Nonne betete still für die durch