Wohnung gehabt . Q. Sie wölle wohl nit verstehen . Ob sie mit dem leidigen Satan Unzucht getrieben , und sich fleischlich mit ihm vermischet ? Hier ist sie also verschaamrothet , daß sie sich mit beiden Händen die Augen zugehalten , und darauf angehoben zu weinen und zu schluchzen , und da sie nach vielen Fragen keine Stimme von sich geben , ist sie vermahnet worden , die Wahrheit zu reden , widrigenfalls sie der Angstmann wieder auf die Leiter heben würd . Hat jedoch endlich » nein ! « gesaget , welches aber Ein ehrsam Gericht nicht gegläubet , sondern sie dem Angstmann abermals befohlen , worauf sie mit ja geantwortet . Q. 14 - Q. Ob sie von dem Satan in Wochen gekommen , oder einen Wechselbalg erzeuget und in welcher Gestalt ? R. Nein wäre nie geschehen . Q. Ob ihr der böse Geist kein Zeichen oder Maal an ihrem Leib geben und wo ? R. Die Maale hätte Ein ehrsam Gericht ja allbereits gesehen . Nunmehro seind wieder die Zaubereien im Dorf fürgekommen , so sie alle eingestanden . Doch hat sie Nichtes wissen wöllen umb den alten Seden seinen Tod , item umb der kleinen Paaschen ihre Krankheit , wie letzlich , daß sie mit der Macht des bösen Feindes mein Ackerstück umgehaket , und mir Raupen in meinem Kohlgarten gemacht . Und wiewohlen sie abermals mit der Folter bedräuet worden , der Angstmann sie auch zum Schein hat wieder auf die Bank setzen müssen und ihr die Daumschrauben anlegen , ist sie doch standhaft verblieben , und hat gesprochen : was wöllet Ihr mich martern , da ich doch weit schwerere Dinge bekennet , denn diese sind , so mir nicht das Leben aufhalten werden wenn ich sie leugne . Dieses hat auch Ein ehrsam Gericht letzlich eingesehen und sie wieder von der Marterbank heben lassen , zumalen da sie den articulum principalem15 eingestanden , daß ihr Satan wahrhaftiglichen als ein Riese wäre auf dem Berg erschienen . Von dem Wetter und der Poggen , item dem Schweinsigel ist aber nichts mehr fürgekommen , alldieweilen Ein ehrsam Gericht nunmehro wohl selbsten die Unsinnigkeit eingesehen , daß sie hätte Wetter machen söllen , da sie ruhig auf dem Wagen gesessen . Schließlich hat sie noch gebeten , daß ihr müge vergönnt werden , in demselbigen Kleid dereinst ihren Tod zu erleiden , welches sie angehabt , als sie den schwedischen König salutiret , item ihrem elenden Vater zu vergönnen , daß er mit zum Scheiterhaufen führe , und dabei stünde , wenn sie gebrennet würde , wie sie ihm solches in Gegenwärtigkeit Eines ehrsamen Gerichtes versprochen . Darauf ist sie dem langen Büttel wieder überliefert und selbigem anbefohlen worden , sie in ein ander und schwerer Gefängnüß zu setzen . Doch ehe er mit ihr aus der Kammer gangen , ist den Amtshaubtmann sein Hurenbalg , so er mit der Ausgeberschen gezeuget , mit einer Trummel in den Keller kommen , hat immerzu getrummelt und geschrieen : kamt tom Gosebraden , kamt tom Gosebraden16 so daß Dn . Consul in einen schweren Zorn gerathen , und hinter ihm her geloffen . Aber er hat ihne nicht kriegen mögen , dieweil er in dem Keller guten Bescheid gewußt . Und hat mir der Herr sonder Zweifel meine Unmacht geschicket , daß ich dieses neue Herzeleid nicht mehr haben söllte . Darumb sei ihm allein die Ehre . Amen . Fußnoten 1 ho , ho , nun sind sie da , nun wird das Kitzeln wohl anfangen . 2 plattdeutsch : für schauderte . 3 rechtmäßige überwiegende und hinreichende Gründe zur Tortur . 4 böses Gerücht . 5 öffentlich begangene Zauberei . 6 die Erscheinung des Teufels auf dem Berge . 7 Den Prediger zu Benz , einem unsern von Pudgla belegenen Kirchdorfe . 8 brodelte 9 Denn man wähnte , wenn die Hexe die Marter mit ungewöhnlicher Geduld ertrug , oder gar dabei einschlief , wie unbegreiflicher Weise öfter vorkam , der Teufel hätte diese Gefühllosigkeit ihnen durch ein Amulet verliehen , das sie an geheimen Theilen des Körpers verborgen hielten . Zedlers Universallexicon Bd . 44 unter dem Artikel Tortur . 10 plattdeutsch : für gerollet . 11 Mein Gott , mein Gott , warum hast du mich verlassen . Matth . 27 , 46. 12 griechisch und nach der Erasmusschen Aussprache : Deisidaimonia , d.i. der Aberglaube . Welch bewundernswürdiges Weib ! - 13 Dieser Name ist durchaus nicht im Manuscript zu enträthseln . 14 Diese abscheuliche Frage kann ich nur lateinisch hersetzen : » num semen Daemonis calidum fuerit aut frigidum « - » ob denn der Same des Teufels warm oder kalt gewesen sei ? « , worauf sie geantwortet , daß sie sich darauf nicht mehr besinnen könne . Uebrigens kommt diese Frage in allen Hexenprocessen vor , und wird unbegreiflicher Weise immer mit » frigidum « beantwortet . 15 Hauptartikel . 16 Kommt zum Gänsebraten ! Capitel 24. Wie der Teufel in meiner Gegenwärtigkeit die alte Lise Kolken hohlet . Als ich mich nach meiner obgedachten Unmacht wiederumb verhohlet , stand den Krüger sein Weib über mir mit meiner alten Magd und kelleten mir eine Biersuppen ein . Die alte getreue Person schriee laut auf für Freuden , als ich meine Augen wieder aufschlug , und erzählete mir darauf auf meine Erkundigunge , daß mein Töchterlein sich nit hätte recken lassen , besondern freiwillig ihre Uebelthat bekennet , und sich für eine Hexe ausgegeben . Solche Kundschaft war mir in meinem Jammer fast erquicklich , angesehen ich das Feuer für eine geringere Strafe erachtete , denn die Marter . Aber als ich anheben wollte zu beten , wollt ' es nicht gehen , worüber ich abereins in großen Mißmuth und Verzweiflung kam , und gläubete , daß der heilige Geist gänzlich sein Angesicht von mir elenden Menschen abgewendet hätte . Und wiewohlen die alte Magd , als sie solches merkete , sich für mein Bette stellete , und anhub