die das Mädchen unglücklich wird ? Vater , Du gehst zu weit ! sagte Eduard in heftiger Bewegung . Der Vater aber , der bis dahin mit kalter Ruhe , fast streng mit dem Sohne gesprochen hatte , nahm plötzlich seine Hand , die er herzlich drückte , und sagte mild : So , Eduard , urtheilt der Mann , und Du verdienst den Tadel . Der Vater bedauert Dich , und wollte Gott ! ich könnte Dir helfen . Mein Herz ist nicht so kalt geworden , daß ich Dein Leiden nicht verstehen könnte ; aber weil ich Dich , mein Sohn , vor Reue , und das Mädchen , das ich schätze , vor Kummer wahren möchte , darum ist es meine Pflicht , Dir zu sagen : halte inne . Thue keinen Schritt vorwärts ; vermeide Alles , was Euch einander näher bringen , Clara ' s Erwartungen erhöhen könnte , bis Du weißt , ob Du auf sie hoffen darfst . Denn wenn selbst , was ich bezweifle , der Staat eine solche Verbindung zugäbe , stände Dir mit Clara ' s Eltern noch ein schwerer Kampf bevor . Und doch wollte ich , sie allein wären es , die Du gegen Dich hast ! schloß er , und sah bekümmert auf das verdüsterte Antlitz des Sohnes . Dieser schwieg lange , dann sagte er : Ich bin mir bewußt , daß der Gedanke an Clara ' s Ruhe ebenso wenig aus meiner Seele gekommen ist , als das Gefühl meiner Liebe ! Der Schwäche bin ich freilich schuldig , daß ich mein Herz nicht fest zusammen nahm , daß ich mich dem beglückenden Reiz des Augenblicks mehr als ich sollte , überließ , daß ich hoffte , weil ich wünschte ; aber falle mein Loos , wie es wolle , Du sollst mich Deiner würdig finden . Das genügt , mein Sohn ! sprach der Vater . Ich traue Dir , und wollte nichts , als Dich warnen vor Dir selber . Damit trennten sie sich , Beide tief ergriffen und besorgt , aber ruhig im Aeußern , wie sie es immer waren , obgleich Eduard nun mit doppelter Ungeduld die Entscheidung seines Schicksals ersehnte . Je länger er diese Liebe zu Clara in stiller Brust genährt , um so tiefer war sie in sein Herz gedrungen . Er konnte zwar sein Leben ohne Clara ' s Besitz denken , aber kein Glück ohne sie . Sie zu erkämpfen und seinem Volke zugleich damit zu nützen , das war der belebende Gedanke in seiner Seele geworden ; und mit der Energie , die ihm eigen war , hatte er rasch die nöthigen Schritte dazu gethan , ohne mit irgend Jemandem darüber zu sprechen . Anfangs hatte er mit Zuversicht auf einen günstigen Bescheid gerechnet und sich mit einer Art von stolzer Sorglosigkeit der Leidenschaft hingegeben , die ihn beherrschte ; nun aber , als die Antwort , die er erwartete , von Tag zu Tag ausblieb , als die Erkundigungen , welche er einzog , auf eine abschlägige Bescheidung hinzudeuten schienen , mußten die Ermahnungen seines Vaters einen um so tiefern Eindruck auf ihn machen . Zerstreut war er zu seinen Kranken gekommen und hatte kaum die nöthige Aufmerksamkeit für ihre Klagen in sich erzwingen können . Das machte ihn noch trüber und unzufriedener mit sich . Er zog sich in den Stunden , welche ihm seine Praxis frei ließ , ganz in seine Wohnung zurück und kam auch nur des Mittags zu den Seinen , weil in dieser Stimmung ihm selbst der Umgang mit seiner Familie keine Freude machte . So mochten etwa acht Tage vergangen sein . Er saß Abends an den geöffneten Fenstern seines Zimmers und sah , in tiefe Gedanken versunken , nichts von der Pracht des Frühlings , dessen lieblichste Blumen in dem Garten , der das Haus nach dem Hafen hin begrenzte , sich zu entfalten anfingen . Lebhaft erinnerte er sich jener Winternacht , in der dieselbe hoffnungslose Liebe ihn in Sturm und Wetter hinausgetrieben hatte , und der leidenschaftlich erregte Zustand jener Stunde schien ihm beneidenswerth gegen die Muthlosigkeit , welche er jetzt empfand , und aus der ihn , wie er wähnte , nichts empor zu rütteln vermochte . Da pochte es an seine Thüre , und es trat der Postbote herein , der ihm einen großen , mit amtlichem Siegel geschlossenen Brief aushändigte . Eduard wußte , was er ihm bringen konnte . Mit hastiger Hand erbrach er ihn . Er näherte sich dem Fenster , um bei den letzten Strahlen des Tages die feste , deutliche Schrift zu lesen - dann legte er das Blatt zur Seite , und blieb gedankenvoll , den Kopf gegen die Scheiben gelehnt , am Fenster stehen . Es war entschieden . Der Jude durfte nicht auf das Glück hoffen , die Geliebte zu besitzen . Was war nun zu beginnen ? Er hörte über seinem Haupte , in den obern Zimmern , Stühle hin und wieder rücken ; er sah empor , es war Nacht geworden . Man stand vermuthlich bei seinen Eltern von der Abendmahlzeit auf . Er hatte also mehrere Stunden in dumpfem Brüten verbracht und kein kräftigender Gedanke war erleuchtend in die Nacht seines Schmerzes gedrungen . Flüsternd berührten Jenny ' s und Gustav ' s Stimmen sein Ohr . Der milde Abend hatte sie ins Freie gelockt und Eduard erblickte sie bald darauf in den breiten Gängen des Gartens . Aber ! trog ihn sein Auge ? noch eine dritte Gestalt ging mit ihnen . Therese konnte das nicht sein ; sie war wenig größer , als Jenny , während diese schlanke , hohe Figur Jenny bedeutend überragte . Sie war es ! Noch ahnte sie nichts von dem Schmerz , den er bekämpfte , den der nächste Tag auch ihr bringen mußte . Nur noch dies Eine Mal wollte er sie glücklich sehen . Es schien ihm , als hätte sie im Vorübergehen