Ich glaube , er hat geschlafen ! « sprach sie halb unmuthig , halb lachend zu Mario . » Ich glaube , das thut ihm noth « - antwortete Mario , schüttelte Walldorfs Arm und sagte : » Wollen Sie mich begleiten ? die Gräfin kommt ermüdet vom Ball und ist unser ganz überdrüssig . « » Ihrer vielleicht « - warf Clemens über die Schulter ihm zu und sprach dann zu Faustine : » Sie kommen zu dieser Stunde , in dieser Verkleidung - was soll das bedeuten ? « War Faustine erstaunt gewesen über die Ruhe , womit Mengen Walldorfs Antwort hingenommen , so wuchs dies Staunen , als er ihr jetzt gelassen seinen Mantel abnahm , der noch um ihre Schultern hing , und ihr das Wort abschnitt , das auf ihren Lippen schwebte , indem er sagte : » Die Gräfin giebt Ihnen sicher morgen die interessantesten Notizen über den Ball , doch heute ist es wirklich zu spät . Kommen Sie mit mir , bester Walldorf . « » Aber Mengen , ich begreife Sie gar nicht ! lassen Sie sich doch nicht mit dem Unbescheidenen ein ! « rief sie . » Sie müssen Nachsicht mit ihm haben - er hat stark getrunken . « Faustine unterdrückte nur halb einen ängstlichen Ausruf und ergriff Marios Hand . Das erregte Walldorfs Zorn . Er nahte ihr , leichenblaß , und fragte mit starker Stimme : » Warum fürchten Sie mich ? « » Gar nicht , « sprach sie hastig . Aber ihr Arm lehnte auf Marios , und der fühlte , wie ihre ganze Gestalt zitterte . Er wollte diese peinliche Scene für sie beenden und sprach : » Wenn Sie mir den Brief geben könnten ? und dann , gute Nacht ! « Faustine ging rasch in ihr Zimmer , er folgte ihr bis zur Thür . Auf der Schwelle empfing er den Brief , ihren dankbaren Händedruck , den freundlichsten Blick - dann schloß sich diese Thür .... auch vor ihm . Er empfand das , wie einen leisen Schmerz , ganz heimlich und ganz tief in der Seele ; doch er hatte nicht Zeit , dieser Empfindung nachzuhängen . Clemens hatte sich auf ein Sopha gesetzt , die Beine über ein Tabouret gelegt , ein kleines Polster unter den Kopf geschoben , sich so bequem wie möglich etablirt . Mario nahm seinen Mantel um , setzte den Hut auf und fragte : » Ist ' s Ihnen gefällig , Herr von Walldorf ? « » Nein , ich warte auf die Gräfin Faustine ! sie soll mir Rede stehen , weshalb sie mir heute Mittag ihr Wort gebrochen , und heute Abend mich fortgeschickt hat . « » Aber sie hat sich in ihr Zimmer begeben : ein Zeichen , daß wir gehen können . « » Oder , daß ich ihr folgen darf . « Er stand auf , doch etwas schwankend . Mario kochte innerlich vor Wuth , dennoch wollte er glimpflich mit Clemens umgehen , um Faustine nicht noch mehr zu ängstigen . Darum entgegnete er : » Dann müssen Sie doch auf ihren Befehl warten . « » Richtig ! « sagte Clemens , und ganz vergnügt über dies Argument , welches ihm erlaubte sich zu setzen , nahm er seine bequeme Stellung wieder ein . Mengen warf Hut und Mantel ab , und etablirte sich neben Clemens ganz auf die nämliche Weise . Als der Anstalten sah , welche ein dezidirtes Postofassen verkündeten , fragte er verdrießlich : » Mit welchem Recht lassen denn Sie sich hier nieder ? « » Da Sie vor dem Zimmer der Gräfin Wache halten , so darf ich mir wol auch dies Vergnügen machen . « » Die ganze Nacht hindurch ? « » Die ganze Nacht . « » Es wird hier aber recht kalt werden . « » Ich habe meinen Mantel . « » Zwei Wachen stehen doch nie auf einem Posten . Zwei sind überall zu viel und Einer ist genug . « » Diesmal ist auch Einer überflüssig . « Clemens gab allmälig dem Einfluß nach , den die behagliche Stellung auf ihn übte : er wurde immer schläfriger . Nach fünf Minuten murmelte er : » Ich wollt ' , es wäre Schlafenszeit und Alles stände wohl . « » Oho , alter Falstaff ! « rief Mario lachend und klopfte ihn auf die Achsel , » dazu kann Rath werden , komm nur mit mir . « » Du bist ein braver Junge , Heinz , nur etwas leichtfertig , « stammelte Clemens . Und bald hatte Mengen ihn den Händen seines Dieners übergeben . Dann fuhr er auf den Ball zurück - im Grunde nur , um von dem verschollenen Ernst Nachricht einzuziehn ; denn als ihm sein Jäger nach einer halben Stunde meldete , Ernst sei da , fürchterlich betrunken , so befahl er jenem , ihn mit sich zu führen und begab sich dann selbst nach Hause . Dort ließ er Ernst hereinkommen , der weinselig , Faustinens Mantel über dem Arm , erschien , und mächtig erschrak , als statt der Gebieterin ein ernster Mann vor ihm stand , der drohend fragte : » Wer hat Dich dazu verführt , Dich so schmählich zu betrinken ? « » Der Herr von Walldorf , « stammelte Ernst , halb ernüchtert . » Lüge nicht ! « sagte Mengen streng . » Der Herr von Walldorf , auf meine Ehre ! wenn der Herr Graf mir erlauben wollen , mich so vornehm auszudrücken . Er kam und sprach : er habe den Befehl von meiner gnädigen Gräfin , sie zu erwarten , und er könne es mir durch einen Doppel-Friedrichsd ' or beweisen . Das war klar . Ich ging . Auf dem Ball hieß es , der würde noch lange dauern . Es war kalt , eine Weinstube nah - ich trank ein Paar Gläser Champagner - vielleicht sind '