die man Leonin bisher dafür ausgegeben , vergessen hatte , Fennimor sie nie gekannt , so war es auch natürlich , daß Beide niemals auf die Schwierigkeiten verfallen konnten , die sich ihm zum Gegensatze ihrer Welt und der von ihm gekannten aufnöthigten , und daß diese endlich von ihm selbst nur noch mit dem Entschlusse betrachtet wurden , sie gering zu achten , da er hier den Inhalt einer Existenz kennen lernte , edel und ausreichend vor Gott , und doch fremd jenem ganzen Treiben berechnender Klugheit . Aber es geschah ihm auch zuerst , daß er über das vorzüglichste ihn bis jetzt leitende Prinzip , über seine Mutter , nachdachte , und daß er den Widerspruch erkennen lernte , in den er durch die eigene entschiedene Umwandlung seines Wesens , von der er sich das Eingeständniß machen mußte , zu dieser unveränderlichen Frau getreten war . Er wollte nur noch Fennimor , und mit ihr Ste . Roche bewohnen , und er wußte genau , seine Mutter würde entschieden das Gegentheil wollen - er wußte , sie wolle ihn an dem glänzenden geistreichen Hofe des Königs sehen , vermählt mit einer Dame , deren Name durch Alter und Ansehn dem seinigen gleich käme . Er fühlte , er habe zu diesen Plänen seine Mutter berechtigt ; denn auch er hatte früher nie eine andere Wendung seines Lebens für möglich geachtet , und sei es Ueberredung , sei es der ihm angeborne Geburtsstolz , nie hatte er den Gedanken , seine künftige Gemahlin anders , als in den höchsten Regionen des Hofes zu suchen , für möglich gehalten . Er war noch jung genug , um der erfahrenen Entwickelung mit Enthusiasmus sich hinzugeben und sich im vollkommenen Rechte mit diesen Empfindungen zu fühlen , da sie ihn edler , menschlicher , hochherziger stimmten , als Alles , was er bis dahin empfunden . Wenn er so in der heißen Sehnsucht nach Fennimor ' s ihm nur wenige Stunden entzogenem Anbicke , in der Frühe den Wald durchstreifte , regte sich eine Fülle guter Gedanken und Beschlüsse in ihm , gemäß den Ansichten , die seine neuen Freunde ahnungslos durch Worte und Handlungen erweckt hatten . Sie waren eine Sonde für Leonin ' s Herz , die ihm fühlen ließ , wie weit es gesund geblieben war unter der Hand der klugen Fürstin Soubise , die jeden höheren Athemzug in ihn zurückdrängte mit der Warnung : der bösen Welt nie zu vertrauen , nie offen sich ihr zu zeigen . Jetzt war der Muth erwacht , sich ihr offen zu zeigen , und dessen fühlte er sich froh . Er hoffte seiner Mutter zu beweisen , wie man ein freier , offener Mensch sein , und doch der hohen Würde , wozu die Geburt berufen , Ehre machen könne . Ste . Roche , wohin er am liebsten dachte , Fennimor ' s heilige Ruhe hier am besten gesichert haltend , Ste . Roche sollte ein Paradies werden ! Nicht allein die schlanken Bewohner der Wälder sollten ungestört auf den reichen Weideplätzen umher wandeln - jedes Wesen , das ihm gehörte , sollte Ruhe , Glück und Sicherheit durch ihn finden . - Was Reichthum war , verstand er erst , seitdem er gesehen , wie ernst und verständig Vater und Tochter , was sie übrig zu haben glaubten , mit denen theilten , die weniger hatten , und sein Herz jauchzte , wenn er dachte , daß er an einem Tage mehr besaß , als Fennimor im ganzen Jahr erübrigte . Ihr diesen Reichthum zu Füßen zu schütten , ihr freudiges Erstaunen , ihr himmlisches Lächeln zu sehen , und wie sie sich mit diesem Reichthume aufrichten werde , und wie eine Königin durch seine Unterthanen gehen , und helfen , und retten , und Segen spenden mit klugen , ernsten Gedanken und strenger Mahnung , und süßer kindlicher Hingebung und Heiterkeit . Was konnte ihm die Welt gegen eine solche Aussicht auf Glück bieten , auf ein Glück , von dem er sich veredelt fühlte bei dem bloßen Gedanken daran ! - Schon längst kannten Sir Reginald Lester und Fennimor die Pläne , welche Crecy ' s Liebe für die Zukunft geschaffen , und wenn Fennimor , kein Hinderniß ahnend , in sorgloser Freude das Glück ihrer Liebe genoß , so sehen wir Sir Reginald mit mehr Hingebung an die Wünsche der Liebenden sich anschließen , als bei seinem reiferen Alter zu erwarten stand , wenn nicht eben lange Zurückgezogenheit von der Welt ihn zum Fremdling darin gemacht , und die Erinnerung aus seiner Jugend , die ihn allerdings in manche Beziehungen zu den Vorurtheilen und Rücksichten höherer Stände geführt , doch ihm keine Befürchtungen für Frankreich gaben , was er unterschieden in seinen Ansichten von England wähnte , und Crecy ' s Bestätigungen leichten Glauben verschafften . Den ungestörten Umgang der so schnell Vereinten hatten die Ereignisse auf dem Schlosse Stirlings besonders begünstigt . Die Mutter der Gräfin Gersey war gestorben , und der Graf , ihr Gemahl , hatte sich , der tiefen Trauer wegen , genöthigt gesehen , seine heitere Gesellschaft zu entlassen , und seinen Aufenthalt abwechselnd in Edinburg zu nehmen , da die zu machende Erbschaft seine Gegenwart ebenso , wie die der übrigen Verwandten nöthig machte . Den jungen Grafen von Crecy wünschte er allerdings , dem früheren Uebereinkommen mit seiner Mutter gemäß , bei sich fest zu halten ; nur schien es ihm nicht wahrscheinlich , daß der junge Mann , der schon so wenig Vergnügen zu haben schien , als das Schloß noch der Wohnsitz der Heiterkeit und Geselligkeit war , jetzt zu halten sein werde , wo er die einzige Person zu seiner Gesellschaft war und jene Familien-Angelegenheiten auch ihn zu Zeiten wegriefen . Er schlug ihm daher vor , mit ihm Edinburg zu besuchen , und außer dem Trauerhause dort Vergnügen und Zerstreuung zu suchen . Das war natürlich ganz gegen die Neigung des jungen Grafen , und