schritt rasch wie ein Edelhirsch dem Älteren voran , der seines Orts mehr den langsamen Gang eines ausgedienten , aber dem Herrn noch stets anhänglich nachschleichenden Jagdhundes hatte . Als sie auf einen freien Platz vor den Hügeln getreten waren , setzten sie sich auf einen großen Stein , der dort nebst mehreren andern lag , im Schatten einer mächtigen Linde . Der Jüngere gab dem Alten Geld und Schriften , deutete ihm die Richtung an , in welcher er nun seinen Weg fortsetzen müsse , und sagte zu ihm : » Jetzt Jochem , geh und sei gescheit , daß wir des vermaledeiten Schrimbs oder Peppel habhaft werden , der solche abscheuliche Lügen ausgedacht hat . Und sobald du ihn entdeckt hast , gib mir Nachricht . « » Ich werd ' g ' scheit sein « , erwiderte der alte Jochem . » Ich frage immer so sacht und unter der Hand in den Flecken und Städten nach einem , der sich Schrimbs oder Peppel schreibt , und es müßte mit dem Henker zugehen , wenn ich den Gauch nicht ausfindig machen wollte . Sie halten sich derweile inkognito-verborgen , bis Sie von mir ein Weiteres vernehmen . « » Wohl « , sagte der junge Mann , » und nur immer äußerst vorsichtig und bedachtsam gehandelt , Jochem , denn wir sind nicht mehr im lieben Schwabenland , sondern da haußen unter Sachsen und Franken . « » Die wüsten Kerl ' ! « versetzte der alte Jochem . » Sie haben halt lang von Schwabenstreichen gesprochen , sie sollen verspüren , daß der Schwab auch ein feiner Vogel sein kann , wann ' s nottut . « » Immer rechts dich gehalten , mein Jochem , denn dahin weisen die letzten Spuren von dem Schrimbs oder Peppel « , sagte der junge Mann , indem er aufstand , und dem Alten zum Abschiede herzlich die Hand schüttelte . » Immer rechts , versteht sich « , erwiderte dieser , gab dem andern die vollgestopfte Weidtasche , die er bis jetzt getragen hatte , lupfte den Hut , und ging dann zwischen den Kornfeldern einen Seitenpfad rechts nach der Gegend zu hinab , wo man in der Ferne eine der im vorigen Kapitel angedeuteten Turmspitzen ragen sah . Der junge Mann mit der Jagdflinte ging dagegen gerade gegen den Oberhof hinunter . Er mochte etwa hundert Schritte weit gegangen sein , als er etwas keuchend hinter sich herkommen hörte und sich umdrehend sah , daß sein alter Begleiter ihm folgte . » Ich wollte Sie noch um eins gebeten und ersucht haben « , rief dieser , » tun Sie , da Sie nun allein und sich selbst überlassen sind , daß Schießgewehr von sich , denn Sie treffen doch nichts und richten , weiß Gott , noch einmal ein Unglück an , wie neulich schon beinahe geschehen wäre , da Sie nach dem Hasen zielten und beinahe das Kind niedergeschossen hätten . « » Ja , es ist verwünscht , immer zu zielen und nimmer zu treffen ! « rief der junge Mann . » Ich will mich auch wahrhaftig überwinden , so schwer es mir fallen wird , denn du weißt ja , daß es mir von meiner seligen Mutter her anklebt , allein ich will mich , wie gesagt , überwinden , und es soll kein Schrotkorn aus diesen Läufen fliegen , solange ich von dir entfernt bin « . Der Alte bat ihn um das Gewehr . Dem aber weigerte sich der junge Mann , indem er sagte , daß es ohne Gewehr ja gar keine Überwindung koste , das Schießen zu lassen , und seine Handlungsweise dann alles Verdienst einbüße . » Das ist auch wahr « , erwiderte der Alte und ging nun getrost , ohne einen zweiten Abschied zu nehmen , da der erste noch vorhielt , seine ihm angewiesene Straße zurück . Der junge Mann blieb stehen , setzte das Gewehr auf den Boden , stieß den Ladestock in den Lauf und sagte : » Es wird hart halten , den Schuß herauszubringen , und er darf doch nicht darin bleiben . « Dann warf er es wieder über die Schulter und schritt auf den Eichenkamp des Hofschulzen zu . Dicht vor demselben von einem schmalen Raine ging eine Kette Feldhühner mit schmetterndem Flügelschlage und Geschrei auf . Jauchzend riß der junge Mann das Gewehr von der Schulter , rief : » Da werde ich ja gleich der Schüsse quitt ! « schlug an , es knallte zweimal aus dem Doppelgewehre , die Vögel flogen unversehrt davon , der Jäger sah betroffen ihnen nach , sagte : » Diesmal , meinte ich , müßte ich was getroffen haben , nun will ich mich aber auch gewiß überwinden « ; und setzte seinen Weg durch das Eichenwäldchen nach dem Hofe fort . Als er zur Türe eintrat , sah er in einem geräumigen , hohen Flure , welcher den ganzen mittleren Teil des Hauses einnahm , den Hofschulzen mit Tochter , Knechten und Mägden bei dem Mittagsessen sitzen . Er bot mit seiner sonoren , wohlklingenden Stimme freundlichen Gruß ; der Hofschulze sah ihn achtsam , die Tochter verwundert an , was die Knechte und Mägde betrifft , so sahen ihn diese gar nicht an , sondern aßen , ohne seiner zu achten , weiter . Der Jäger trat zu dem Hofwirte und erkundigte sich nach der Entfernung der nächsten Stadt und dem Wege dahin . Anfangs verstand der Schulze diese ihm fremdklingende Sprache nicht , die Tochter aber , welche kein Auge von dem schönen Jäger verwandte , half ihm den Sinn entdecken , und er gab darauf richtigen Bescheid . Diesen verstand wieder der Jäger seinerseits erst nach dreimaligem Fragen , brachte aber endlich doch heraus , daß die Stadt auf dem schwer zu findenden Fußwege unter zwei starken Stunden nicht zu erreichen sei . Die Mittagshitze , der Anblick des vor ihm stehenden reinlichen Mahls und sein