, in welcher die Jungfrauen der Libussa erzogen , gepflegt und zu allen Tugenden und Vorzügen gebildet wurden . Przemysl befahl , daß diese Mädchen zerstreut und zu ihren Eltern zurückgebracht werden sollten . Denn es sei gefährlich , das muthwillige Geschlecht der Mädchen viel lernen zu lassen . Es würden geistreiche Weiber daraus . Hier zuckte es ihm , und er sah sich scheu nach der Ecke des Zimmers um , ob Niemand dort stehe . Dann fuhr er fort und sagte : nun geh ' , mein lieber Hinchvoch , und führ ' es schleunig aus , wie ich Dir gerathen ! Und Hinchvoch ging hin , und that es gern , denn er hatte keinen Geist . Und nun , o epische Muse , löse mir die Homerische Zunge , damit ich , des großen Unglücks würdig , beschreiben und schildern kann , wie , gleich der Trojerinnen beklagenswerther Schaar , als sie aus dem brennenden Ilion davonzogen , jetzt diese böhmischen Mädchen , reich an Zahl , und jede schön und jede der Liebe und der Thränen werth , in langsam stummen Reihen sich fortbewegten , nachdem sie ausgetrieben , und die Thüren ihrer treugeliebten Pensionsanstalt hinter ihnen geschlossen worden waren ! Sie wußten nicht wohin , und irrten wie eine Heerde zerstreuter Lämmer auf und ab , und das Volk höhnete sie in den Straßen . Man verlachte sie , und sagte : wo ist nun euere Herrin , vor der wir uns beugen mußten , und vor euch zugleich ? Seht , das Blatt hat sich gewandt , und ihr , die ihr so hoch hinauswolltet , habt weder Wohnung jetzt , noch Schutz und Schirm . Nun kehret in eurer Väter Hütten an den Spinnrocken zurück , und stellt euch zu eurer Frau Mutter vor den Kamin , und helft kochen und fegen ! Was habt ihr mit den Künsten zu schaffen und mit der Wahrsagung und mit der Wissenschaft der Pflanzen und Kräuter . Ihr seid armer Leute Kind . Geht ! Geht ! Die Welt lag dunkel da vor den Blicken der armen Mädchen , und sie sahen in der Nähe und in der Ferne nichts , was sie trösten könnte . In ihrer Eltern niedrige Häuser zurückzukehren , davor entsetzten sie sich alle , denn der alte Vater und die alte Mutter verstanden der Töchter adliches und freigebildetes Wesen nicht mehr . Sie hatten des Lebens göttliche Freiheit geathmet , und ihr Herz empörte sich , wenn sie der häuslichen Sclaverei ihres Geschlechts gedachten . Des gemeinen Volkes Reden verachteten sie , denn sie waren jung und muthig , und fühlten edlen Stolz in der Großes sinnenden Seele . Die hohe Wlasta aber trat mitten unter sie , und versammelte sie alle um sich her , und hieß sie , ihr folgen . Dann eilte das schöne kecke Mädchen mit hastigen Schritten voran , und die übrigen , die ihr gern vertrauten , zogen der Führerin nach , nicht wissend , was diese in ihrem oft erprobten Geist bewege . Und Wlasta beeilte sich immer stärker , denn sie war geschwind wie ein Reh , bis sie und ihre Jungfrauen der Menschen Häuser und Gesichter verlassen hatten . Sie schritt vor den Andern her , wie eine Königin , und Haar und Busen flogen ihr wunderbar vor Wuth und Schmerz . Sie war die Schönste und Stärkste unter Allen , und die hochgebauten Glieder waren weiß und frisch und gewaltig , wie ein sprudelnder Bergquell . Heldenmüthig und herausfordernd in ihrem Wesen , war sie doch freundlich und glänzend an Gestalt , und wenn man sie in rascher Bewegung dahinschweben sah , leuchtete sie von Kraft und Anmuth , von Hoheit und süßer Lieblichkeit zugleich . Sie hatte etwas Kriegerisches in ihrer Natur , und doch einen friedenschließenden Zug um die schwellenden Lippen . Sie trat wie eine Siegerin auf , wann sie den schlanken Fuß setzte , und wild blickte ihr holdes Auge , wie auf einen Feind . Und in alle Wildheit mischte sich doch die weiche Jungfräulichkeit ihres Mädchenwesens . So war sie die Erste ihrer Gespielinnen , und alle liebten und ehrten die Wlasta , der Keine glich . Die Jungfrauen traten jetzt in kühlende Waldesschatten , und erreichten den Berg Widowle , auf dessen grünem Gipfel vertrauliche Einsamkeit lag . Hier befahl Wlasta den Mädchen , sich zu lagern , und sie selbst , in ihrer Unruhe , blieb vor ihnen stehen , und sagte : Ihr lieben Gespielen , hieher habe ich euch geführt , damit wir über unsere Bedrängniß , die zu den Göttern klagt , uns berathen können . O ihr trefflichen Mädchen , gibt es wohl ein höheres Gut , als die Freiheit ? die Freiheit , welche Luft und Himmel und Bewegung und Leben und Alles ist . Die Freiheit , an deren Busen ihr groß und schön geworden seid , von der ihr die Milch der Erkenntniß getrunken und die Frucht eurer untadlichen Bildung geerntet habt . Die Freiheit , in deren Schooß allein Sitte , Tugend , Liebe , Tapferkeit und Glauben an die Götter gedeihen . Und mit unserer Frau Libussa ist uns auch unsere Freiheit gestorben . Nicht in uns und in unsern Gemüthern ist sie gestorben , sondern in den wankelmüthigen und unedeln Meinungen der Männer . Libussa wollte unser Geschlecht erlösen , sie hatte ihm die Freiheit bestimmt , denn nur in der Freiheit können wir unser Wesen erheben auf eine höhere und schönere Stufe der Achtung . Libussa beherrschte das Land , und die Männer gehorchten ihr , und an uns bildete sie , wie sie das Frauengeschlecht in seiner künftigen Unabhängigkeit und Geisteserweckung sich dachte . Liberté pour toutes les fammes ! das war der Grundsatz , theure Freundinnen , in dem wir erzogen wurden . Ich hoffe , wir machen alle unserer großen Bildnerin keine Schande . Freiheit , Freiheit , Freiheit für uns Alle ! Denn daß dieser geistlose Herzog