ich hab so manches nachfühlen müssen , was Du wohl längst verschmerzt hattest , noch eh ich Dich kannte . Die drei Mohren sollen Deine Wächter sein , daß sich kein fremder Gast bei Dir einschleiche und Du Dir kein geschnitzeltes Bild machst , dasselbige anzubeten . Laß Dir ' s bei den drei Mohren gesagt sein , daß ich um den Ernst Deiner Treue bitte , erhalte sie mir unter den zierlichen , müßigen Badenymphen , die Dich umtanzen , die Nadel mit dem Gordischen Knoten trag an Deiner Brust , denk daran , daß Du aus der Fülle meiner Liebe keine Wüste des Jammers machen sollst , und sollst den Knoten nicht entzweihauen . Dem Primas hab ich geschrieben in Deinem Auftrag , er ist in Aschaffenburg , er hat mich eingeladen , dorthin zu kommen ; ich werd auch wahrscheinlich mit der ganzen Familie ihn besuchen , da kann ich ihm alles noch einmal mitteilen . Ich werde Dir Nachricht darüber geben . Nun küsse ich Dir zum letztenmal Hand und Mund , um morgen einen neuen Brief zu beginnen . Bettine An Goethe Am 5. Juli Wenn ich Dir alle Ausflüge beschreiben sollte , liebster Herr , die wir von unserm Rheinaufenthalt aus machen , so blieb mir keine Minute übrig zum Schmachten und Seufzen . Das wär mir sehr lieb , denn wenn mein Herz voll ist , so möcht ich ' s gerne vor Dir überströmen lassen ; aber so geht ' s nicht : hat man den ganzen Tag im heißen Sonnenbrand einen Berg um den andern erstiegen , alle Herrlichkeiten der Natur mit Hast in sich getrunken wie den kühlen Wein in der Hitze , so möchte man am Abend den Freund lieber ans Herz drücken und ihm sagen , wie lieb man ihn hat , als noch viele Beschreibung von Weg und Steg machen . Was vermag ich auch vor Dir , als nur Dich innigst anzusehen ! Was soll ich Dir vorplaudern ? - Was können Dir meine einfältigen Reden sein ? Wer sich nach der schönen Natur sehnt , der wird sie am besten beschreiben , der wird nichts vergessen , keinen Sonnenstrahl , der sich durch die Felsritze stiehlt , keinen Windvogel , der die Wellen streift , kein Kraut , kein Mückchen , keine Blume am einsamen Ort . Wer aber mitten drinnen ist und mit glühendem Gesicht oben ankommt , der schläft , wie ich , gern auf dem grünen Rasen ein und denkt weiter nicht viel , manchmal gibt ' s einen Stoß ans Herz , da seh ich mich um und suche , wem ich ' s vertrauen soll . Was sollen mir all die Berge bis zur blauen Ferne , die blähenden Segel auf dem Rhein , die brausenden Wasserstrudel ! - Es drückt einem doch nur , und - keine Antwort , niemals , wenn man auch noch so begehrend fragt . - Am 7. Juli So lauten die Stoßseufzer am Abend , am Morgen klingt ' s anders , da regt sich ' s schon vor Sonnenaufgang und treibt mich hinaus , wie einer längst ersehnten Botschaft entgegen . Den Nachen kann ich schon allein regieren , es ist mein liebstes Morgengebet , ihn listig und verstohlen von der Kette zu lösen und mich hinüber ans Ufer zu studieren . Allemal muß ich ' s wieder von neuem lernen , es ist ein Wagstück , mit Mutwill begonnen , aber sehr andächtig beschlossen ; denn ich danke Gott , wenn ich glücklich gelandet bin . Ohne Wahl belaufe ich dann einen der vielen Strahlenwege , die sich hier nach allen Seiten auftun . Jedesmal lauscht die Erwartung im Herzen , jedesmal wird sie gelöst , bald durch die allumfassende Weite auf der Höh , durch die Sonne , die so plötzlich alles aus dem Schlaf weckt ; ich klimme herab an Felswänden , reinliches Moos , zierliches Flechtwerk bekleiden den Stein , kleine Höhlen zum Lager wie gegossen , in denen verschnauf ich , dort zwischen dunklen Felsen leuchtet ein helleres Grün : kräftig blühend , untadelig , mitten in der Wüste find ich die Blume auf reinlichem Herd , einfache Haushaltung Gottes ; inmitten von Blütenwänden die Opferstätte feierlich umstellt von schwanken priesterlichen Nymphen , die Libationen aus ihren Kelchkrüglein ergießen und Weihrauch streuen und wie die indischen Mädchen goldnen Staub in die Lüfte werfen . - Dann seh ich ' s blitzen im Sand ; ich muß hinab und wieder hinauf , ob ' s vielleicht ein Diamant ist , den der Zufall ans Licht gebracht hat . Wenn ' s einer wär , ich schenkte ihn Dir , und denk mir Deine Verwunderung über das Kleinod unserer rheinischen Felsen . Da lieg ich am unbeschatteten Ort mit brennenden Wangen und sammle Mut , wieder hinüberzuklettern zur duftenden Linde . Am Kreuzweg , beim Opferstock des heiligen Petrus , der mit großem Himmelsschlüssel ins vergitterte Kapellchen eingesperrt ist , ruh ich aus auf weichem Gras und such vergebens , o Himmel ! an deinem gewölbten Blau das Loch , in das der Schlüssel passen könnte , da ich heraus möchte aus dem Gefängnis der Unwissenheit und Unbewußtheit ; wo ist die Tür , die dem Licht und der Freiheit sich öffnet ? - Da ruschelt ' s , da zwitschert ' s im Laub , dicht neben mir unter niederem Ast sitzt das Finkenweibchen im Nest und sieht mich kläglich an . Das sind die kleinen allerliebsten Abenteuer und Mühseligkeiten des heutigen Tags . Heimwärts machte ich die Bekanntschaft der kleinen Gänsehirtin , sie strahlte mich von weitem an mit ihren zollangen schwarzen Augenwimpern , die andern Kinder lachten es aus und sagten , alle Menschen hielten sich drüber auf , daß es so lange Wimpern habe . Es stand beschämt da und fing endlich an zu weinen . Ich tröstete es und sagte ; » Weil dich Gott zur Hüterin über die schönen weißen Gänse bestellt hat und