seinen Zorn noch mäßigen konnte , winkte Elsen zu gehen . Veit hielt den Knaben zurück , und wollte ihm einen Kuß auf die Wange drücken . Das wilde Gesicht und der hängende Schnauzbart des Ohms schreckte jedoch den Kleinen , und mit dem Ruf : » Lieb Väterlein ! hilf mir von dem Manne ! « entsprang er dem Leuenberger und eilte in Diether ' s Arme . Der Junker schlug ein helles Gelächter auf . » Lieb Väterlein ! « rief er : » Lieb Väterlein ! Sie haben Dir das Vaterunser gut gelernt , mein Söhnlein , wenn sie auch selbst nicht dran glauben . Ich wünsche Euch Glück zu dem Buben , Alter . Kein Zug von Euch in seinem Gesichte ; gewiß auch keine Ader von Euch im Herzen . Er wird einst Euern schlechten Namen zu Ehren bringen . Verlaßt Euch darauf , und lebt wohl . Ich möchte nicht gerne überlästig seyn , darum gehe ich jetzt schon . Zählt indessen immer Geld für mich ab ; und Du , lieb Schwesterlein , vergiß nicht für Deinen ehemaligen Freiersmann ein gut Wort bei Deinem treuen Freunde einzulegen . « - Nun war dem Ausbunde roher Bosheit das Niemand schonende Gift ausgegangen , und er ging davon über die Schwelle des Hauses , in welchem er den nagenden Keim des Unfriedens zurückließ . Diether verlor zwar kein Wort über die abscheulichen Andeutungen des feinen Buschritters , aber sein Schweigen war der Vorbote einer bösen Zeit , und Margarethe , von Schuld nicht rein , wenn auch vor des Bruders Anklage ohne Fehl , that , von Gewissensangst befangen , keinen Schritt , dies feindliche Schweigen zu brechen , das den frohen Neujahrstag in eine trübe Nacht stummen Zwistes verwandelte . - Von der andern Seite war es in des Lauenbergers Brust bei weitem nicht so ruhig geblieben , als vielleicht sein kalter Spott ahnen ließ . Er kochte verzehrenden Grimm , denn die Droh-und Schmachworte , die sein Schwager gegen ihn gebraucht , hatten den wunden Fleck seines Ehrgefühls unsanft berührt . Die Furcht vor den reichsstädtischen Zwang- und Halsgesetzen allein hatte ihn abgehalten , sich thätige Rache auf dem Fleck zu nehmen . Die unersättliche Habgier , die , aller Weigerung ungeachtet , demnach in der Zukunft neue Nahrung erwartete , hatte auch ein begütigend Wort dazu gesprochen ; aber die fürchterliche Sühne , die der Augenblick nicht gebären dürfte , sollte nichtsdestoweniger in der Folge die Verunglimpfung vergelten . Mit diesem Gedanken beschäftigt , stieg der Herr von Leuenberg in seiner Winkelherberge zu Pferde , nachdem er sein dürftig Mahl und Mittagsruhe gehalten hatte , und klepperte , sobald die Thore wieder nach der Vesperzeit geöffnet worden waren , von dannen ; denn die Sonne ging bereits zu Rüste , und die Stunde war im Schlagen , die den Stadtfeind seinen Gegnern erlaubte . Seine raschtrabende Mähre legte mit Windesschnelle den Weg bis über die nahe Warte zurück , und hier schöpfte der Behutsame neuen Athem . Theils um dem beginnenden Schneegestöber auszuweichen , theils auch um sich zu erfrischen ; wohl auch in der Hoffnung , auf Bekannte zu stoßen , lenkte er links von der Heerstraße ab , nach der Gegend zu , wo zwischen sanft anstrebenden Anhöhen ein wenig besuchter Hohlweg durchläuft und zu einer Wüstung führt , an deren Ende , von Erdauswürfen , wie von Vertiefungen und krüppelhaften Buschwerk gedeckt , eine elende Schenke stand ; die Herberge herren- und gesetzlosen Gesindels größtentheils , dann und wann der versteckte Schlupf- und Lauerwinkel hungriger Raubjunker ; am seltensten wohl das Nachtlager irgend eines verirrten , von Sturm und Regen hier zum Übernachten gezwungenen ehrlichen Wanderers . Weder dem Leuenberger , noch seinem Gaule war das räucherige Nest ein unbekannter Ort , denn in der einbrechenden Dämmerung , wie auf bösem , aufgewühlten und dann wieder hartgefrornem Pfade erreichten sie ihn blindlings . Der Reiter klopfte , zum Zeichen , daß ein guter Freund angekommen , mit der Gerte an die armseligen Schiebefenster , zog sein Pferd unter die elende Bedachung von Tannenästen , die einen Stall vorstellen sollte , band es an einen Sparren fest , und trat , nachdem er ihm Häckerling vorgeschüttet , und eine Last Stroh , von dem Hüttendach gerauft , untergeworfen , in das Innere der verrufnen Kneipe . Ein altes Weib kauerte am Herde , und mühte sich ab , das naßgewordene Reisig in Flammen zu blasen ; eine junge Dirne von unlieblichem Angesichte , schlief in der Ecke mit einigen daselbst aufgeflogenen Hühnern um die Wette . Sonst keine Seele in der Hütte , und ein Paar elende Tische aus Balken gezimmert , dergleichen Bänke , und ein Kandelbret mit unsaubern Krügen und hölzernen Bechern versehen , waren das ganze Geräthe der Stube , auf deren Estrich man mit der größten Vorsicht wandeln mußte , um nicht in einem der Löcher desselben ein Bein zu brechen . - » Ein Glas Funkelhans ! « 4 rief der Eintretende der Alten zu , die auch alsobald mit tiefem Reverenz das Verlangte herbei brachte und einen frischen Lichtspan aufsteckte . » Ich werde hier bis morgen verweilen , « fuhr Veit mit vornehmen Tone fort : » Die Nacht hat mich übereilt , und ist keines Menschen Freund . « - Das Weib nickte beifällig , versicherte , es werde ihr eine Ehre seyn , den Junker zu beherbergen , und machte sich wieder an ihr Geschäft . - » Was braust Du da Alte ? « fragte Veit , um das Gespräch nicht ersterben zu lassen . - » Habersuppe , edler Herr ; « erwiederte die Wirthin , indem sie einen derben Kessel an ' s Feuer rückte . - » Wer geht heute bei Dir zu Tafel , alte Hexe ? « fuhr der edle Herr fort : » Die Brühe ist zu lang für Deinen und Deines Töchterleins Hunger . « - » Hm ! « grinste das Weib