erbaut , da können dreihundert Paare schleifen , wir haben einen Knopf auf die Hauptkirche gesetzt , der wiegt 309 Pfund . Das Sprichwort sagt : Nürnberger Hand geht durch alle Land , aber nichts geht über Augsburger Geld , das gilt in der Neuen Welt . - Übrigens wird es mit dem Gelde bald aus sein « , fuhr er bedenklich fort , » die reichen Geschlechter kaufen sich außerhalb Güter , wie kleine Königreiche , die Alten bleiben nun wohl unter uns , aber die Jungen sind schon mehr in Cadiz , Lissabon und Antwerpen , als bei uns zu Hause , und hätten unsre Zünfte nicht seit dem Aufruhr im Jahre 1368 die Hälfte der Ratsstellen zu besetzen , so würden wir vielleicht künftig von den Landgütern der reichen Geschlechter , wie Ihr von Stuttgart aus befehligt . Mit dem heimlichen Gerichte hätten sie uns gern untergezwungen , aber wir haben die heimlichen Boten mehrmals so wacker durchgebläut , daß sie nicht mehr wagen , sich unserm Weihbilde zu nahen . Hört , lieber Berthold , Ihr müßt Euer Wappen in mein Gesellenbuch malen , Ihr sprecht so vernünftig , daß ich Euch recht achte und ehre . « - » Recht gern « , antwortete Berthold » aber ich habe kein Wort gesagt , nur wollte ich Euch bemerklich machen , daß die heimlichen Gerichte eine Freiheit und keine Last , Hohe und Niedre durch gleiches , unabwendbares Gesetz richten sollten . Dazu bedurfte es des Geheimnisses , damit sich keiner dem entziehen konnte , es wurde gefürchtet und hat doch nicht halb so viel Blut vergossen , als die Halsgerichte jeder Stadt und jedes Fürsten . « - » Ich kann es doch nicht leiden « , sagte Kugler , » was ich für ehrlich halten soll , das muß öffentlich getrieben werden , schon in den Zünften sind mir zu viele Geheimnisses , ich will alles klar und deutlich . « Inzwischen waren Mutter und Tochter mit ihrem Anzuge fertig geworden und traten mit einer Laterne heraus , um den Weg nach dem Tanzsaale einzuschlagen . Die Mutter erregte diesmal die meiste Verwunderung , besonders bei Kugler , der sie nie recht anzusehen verstanden hatte , oder weil der schöne Anzug überhaupt dem Nachsommer , wegen des kalten Windes , der noch immer drin weht , nützlicher ist , genug , sie schien in der Pracht ganz verjüngt , ihre Farbe in der ungewohnten Bewegung lebhaft , ihre Augen glänzten , sie hätte eher für eine ältere Schwester , als für die Mutter gelten können ; ihr Anstand war vortrefflich und mit dem Kleide schien sie auch die angewöhnte Härte und Roheit des Ausdrucks abgelegt zu haben . Dem guten Fingerling wurde das bescheidne Los zugeworfen , ein Wächter des Hauses in dieser Nacht zu sein . Er fühlte sich dabei sehr zufrieden , da er sich heimlich auf einen schnellen Ritt nach Waiblingen vorbereitete und ausruhte , der alten Mutter diese Verlobung so gut wie möglich beizubringen , denn er machte es gern allen recht , denen er sich verpflichtet hielt . Unter großem Drang , den nur Kuglers mächtige Gestalt durchbrechen konnte , kamen sie in den herrlich beleuchteten Tanzsaal , der schon von dem Glanze der Reichen wie ein wogendes Meer blickte , während die Pfeifer und Trommelschläger durch Bässe und Posaunen verstärkt , mit den Geigen und Trompeten auf den verschiedenen Bühnen wetteiferten , sich trennten und wieder verbanden . Als aber der Kaiser ( an seiner Seite Mathäus Lang , der Bischof von Gurk ) eintrat , da verbreitete eine Stille allgemeine Ordnung . Die Gesellschaft ging paarweis geordnet an dem Kaiser vorüber und er reichte jeder Frau oder Jungfrau eine duftende Blume aus den Körben , welche seine Edelknaben hertrugen . Anna erhielt von ihm eine Rosenknospe und die Mutter eine stark aufgeblühete Rose . Beide wunderten sich über die frühzeitige Menge aller Blumen , es waren aber künstliche Blumen aus Draht und Seide , denen durch wohlriechende Öle der natürliche Geruch verliehen war . Kunz von Rosen eröffnete dann den großen Reihentanz , indem er mit einem Degen viele künstliche Fechtersprünge machte , um einen freien Raum im Saale zu gewinnen , dabei sang er : Platz , Platz uns jungen Gesellen , Wir wollen zum Tanze uns stellen , Wer reicht mir den Kranz , Ich führe den Tanz . Ich bin ein Geschlechter , Ein stattlicher Fechter , Ich kann euch beschützen Mit Messern und Witzen , Will einer euch kränken , Ich will ' s ihm nicht schenken . Kann schweben und schwanken Mit Herz und Gedanken , Kann treten und springen , Wie Pfeifen erklingen , Kann drehen und wenden Mit drückenden Händen , Mit klopfendem Herzen , Mit jauchzenden Scherzen ; Es folgen mir alle Mit freudigem Schalle , Schnell spielen die Geigen Den freudigen Reigen , Es schwanken die Dielen Je höher sie spielen , Es stäubet das Haus , Da geht es zum Schmaus , Da geht es zum Wein : Nun Liebchen , schenk ein ! » Das nenn ich ein Kränzelsingen « , rief der begeisterte Kugler und trabte scharf , wie ein Gaul , wegen seines hinkenden Beines . Berthold erschrak über sein teuflisches Trampen , aber viele andere machten es nicht besser , der gute Kaiser mochte wohl darüber so lachen , er konnte sich gar nicht beruhigen und setzte sogar des Bischofs große Brillengläser auf , um diese halsbrechende Arbeit recht genau zu betrachten . Als endlich die Männer von Schweiß triefend , als ob sie Holz gesägt hätten , ihre Schritte hemmten , ließ der Kaiser den reichen Ratsherren Stutzer zu sich kommen , von dem nachher alle windige Bursche den Namen behalten haben , und machte den Wunsch ihm bekannt , von den jungen Frauen und Mädchen unter sich einen Reihentanz aufführen zu sehen . Die Frauen traten zusammen , Stutzer berichtete , der Vortrag wurde überlegt : wer war nun alt ?