die gleichgültige Karte , die ich blindlings zog , in mir eine schmerzhafte , herzzerreißende Erinnerung weckte , ich von einer unbekannten Macht ergriffen wurde , die das Glück des Spiels , den losen Geldgewinn mir zuwarf , als entsprösse es aus meinem eignen Innern , als wenn ich selbst , jenes Wesen denkend , das aus der leblosen Karte mir mit glühenden Farben entgegenstrahlte , dem Zufall gebieten könne , seine geheimsten Verschlingungen erkennend . « - » Ich verstehe Sie , « unterbrach mich der Fürst , » Sie liebten unglücklich , die Karte rief das Bild der verlornen Geliebten in Ihre Seele zurück , obgleich mich das , mit Ihrer Erlaubnis , possierlich anspricht , wenn ich mir das breite , blasse komische Kartengesicht der Coeurdame , die Ihnen in die Hand fiel , lebhaft imaginiere . - Doch Sie dachten nun einmal an die Geliebte , und sie war Ihnen im Spiel treuer und wohltuender als vielleicht im Leben ; aber was darin Entsetzliches , Schreckbares liegen soll , kann ich durchaus nicht begreifen , vielmehr muß es ja erfreulich sein , daß Ihnen das Glück wohlwollte . Überhaupt ! - ist Ihnen denn nun einmal die ominöse Verknüpfung des Spielglücks mit Ihrer Geliebten so unheimlich , so trägt nicht das Spiel die Schuld , sondern nur Ihre individuelle Stimmung . « - » Mag das sein , gnädigster Herr , « erwiderte ich , » aber ich fühle nur zu lebhaft , daß es nicht sowohl die Gefahr ist , durch bedeutenden Verlust in die übelste Lage zu geraten , welche dieses Spiel so verderblich macht , sondern vielmehr die Kühnheit , geradezu wie in offener Fehde es mit der geheimen Macht aufzunehmen , die aus dem Dunkel glänzend hervortritt und uns wie ein verführerisches Trugbild in eine Region verlockt , in der sie uns höhnend ergreift und zermalmt . Eben dieser Kampf mit jener Macht scheint das anziehende Wagestück zu sein , das der Mensch , seiner Kraft kindisch vertrauend , so gern unternimmt und das er , einmal begonnen , beständig , ja noch im Todeskampfe den Sieg hoffend , nicht mehr lassen kann . Daher kommt meines Bedünkens die wahnsinnige Leidenschaft der Pharospieler und die innere Zerrüttung des Geistes , die der bloße Geldverlust nicht nach sich zu ziehen vermag und die sie zerstört . Aber auch schon in untergeordneter Hinsicht kann selbst dieser Verlust auch den leidenschaftlosen Spieler , in den noch nicht jenes feindselige Prinzip gedrungen , in tausend Unannehmlichkeiten , ja in offenbare Not stürzen , da er doch nur , durch die Umstände veranlaßt , spielte . Ich darf es gestehen , gnädigster Herr , daß ich selbst gestern im Begriff stand , meine ganze Reisekasse gesprengt zu sehen . « - » Das hätte ich erfahren « , fiel der Fürst rasch ein , » und Ihnen den Verlust dreidoppelt ersetzt , denn ich will nicht , daß sich jemand meines Vergnügens wegen ruiniere , überhaupt kann das bei mir nicht geschehen , da ich meine Spieler kenne und sie nicht aus den Augen lasse . « - » Aber eben diese Einschränkung , gnädigster Herr , « erwiderte ich , » hebt wieder die Freiheit des Spiels auf und setzt selbst jenen besonderen Verknüpfungen des Zufalls Schranken , deren Betrachtung Ihnen , gnädigster Herr , das Spiel so interessant macht . Aber wird nicht auch dieser oder jener , den die Leidenschaft des Spiels unwiderstehlich ergriffen , Mittel finden , zu seinem eignen Verderben der Aufsicht zu entgehen und so ein Mißverhältnis in sein Leben bringen , das ihn zerstört ? - Verzeihen Sie meine Freimütigkeit , gnädigster Herr ! - Ich glaube überdem , daß jede Einschränkung der Freiheit , sollte diese auch gemißbraucht werden , drückend , ja , als dem menschlichen Wesen schnurstracks entgegenstrebend , unausstehlich ist . « - » Sie sind nun einmal , wie es scheint , überall nicht meiner Meinung , Herr Leonard « , fuhr der Fürst auf und entfernte sich rasch , indem er mir ein leichtes » Adieu « zuwarf . Kaum wußte ich selbst , wie ich dazu gekommen , mich so offenherzig zu äußern , ja ich hatte niemals , unerachtet ich in der Handelsstadt oft an bedeutenden Banken als Zuschauer stand , genug über das Spiel nachgedacht , um meine Überzeugung im Innern so zu ordnen , wie sie mir jetzt unwillkürlich von den Lippen floß . Es tat mir leid , die Gnade des Fürsten verscherzt und das Recht verloren zu haben , im Zirkel des Hofes erscheinen und der Fürstin näher treten zu dürfen . Ich hatte mich indessen geirrt , denn noch denselben Abend erhielt ich eine Einladungskarte zum Hofkonzert , und der Fürst sagte im Vorbeistreifen mit freundlichem Humor zu mir : » Guten Abend , Herr Leonard , gebe der Himmel , daß meine Kapelle heute Ehre einlegt und meine Musik Ihnen besser gefällt als mein Park . « - Die Musik war in der Tat recht artig , es ging alles präzis , indessen schien mir die Wahl der Stücke nicht glücklich , indem eins die Wirkung des andern vernichtete , und vorzüglich erregte mir eine lange Szene , die mir wie nach einer aufgegebenen Formel komponiert zu sein schien , herzliche Langeweile . Ich hütete mich wohl , meine wahre innere Meinung zu äußern , und hatte um so klüger daran getan , als man mir in der Folge sagte , daß eben jene lange Szene eine Komposition des Fürsten gewesen . Ohne Bedenken fand ich mich in dem nächsten Zirkel des Hofes ein und wollte selbst am Pharospiel teilnehmen , um den Fürsten ganz mit mir auszusöhnen , aber nicht wenig erstaunte ich , als ich keine Bank erblickte , vielmehr sich einige gewöhnliche Spieltische formten und unter den übrigen Herren und Damen , die sich im Zirkel um den Fürsten setzten , eine lebhafte geistreiche Unterhaltung begann . Dieser oder jener wußte manches Ergötzliche