, Wie viel Schimpf mußt du ertragen , Heimlich wirst du ausgekiffen Von der bösen Herzoginne , Und du sehnst dich nach dem Stifte . Kinderlos bleibt so der Herzog , Doch genügte ihm am Ruhme , Daß ein Kind von ihm entsprossen ; Nur zum Schein hat er gescholten Die Äbtissin , daß sie frevelnd Sich mit Heiden abgegeben . Sie beschwört die eigne Unschuld , Will doch nicht den Vater nennen , Weil sie ihn nicht hat gesehen , Weil sein Leben ihr noch teuer , Hat er ' s Kind gleich angeschwärzet . Sie erzählt nur , wie im Garten Sich belebte jener Nußbaum , Meint , daß sie sich hab versehen An der Nacht , die gar zu dunkel , Oder daß , wie grüne Schale Von den Nüssen schwärzt die Finger , So auch dieses Kind des Nußbaums Sei in seiner Haut geschwärzet , Und man hätt ' es schwefeln sollen ; Doch das ist nun viel zu späte ; - Als sie ganz gesund zur Reise , Kehrt sie heim zum Fräuleinstifte , Alle Lieb ist ihr vergangen Seit sie Sternenkunst getrieben ; Und sie hält sich zu den andern , Schwätzend , spielend , zankend , putzend . Bei dem Landvolk aufgezogen , Unbewußt , woher er stamme , Wächst der kleine Mohrenjunge Und durch seine Wundergaben Alle Nachbarn fast erschrecket . Während noch die andern Kinder Mit ihm spielen ihres Gleichen , Wer gestohlen , konnt er wissen , Wer zu Nachte umgegangen , Wer vom Morgen abgepflüget , Welcher Schneider in die Hölle Hat gepeitschet große Lappen , Welche Kühe würden kalben , Welche Tauben sich verfliegen , Alles wußt er zu erraten , Und der Kuckuck war vor allen Ihm gewogen mit dem Rufen . Wie ein rechtes Meereswunder , Wurde dieser schwarze Flecken In der Ehre der Prinzessin Rings im Lande vorgezeiget ; Also kam er auch zum Stifte , Machte schamrot alle Fräuleins , Daß sie ihn ermorden wollten . Doch er bittet , eh ' er sterbe , Daß ihn höre die Äbtissin Ganz allein in ihrem Zimmer , Was sie endlich ihm gewähret , Ahndend , daß es sei ihr Knabe ; Und da zeigt er ihr sein Wappen , Das ihm eingebrannt so frühe Und zu löschen ist vergessen , Er begrüßet sie als Mutter . Und sie frägt ihn freundlich küssend Trotz der aufgeworfnen Lippen : » Da du alles kannst erraten , Sage mir , wer war dein Vater ? War es nicht der Herr Offzierer , Der so oft vorbei geritten Mit den Wangen rötlich weißlich ; « Und der Knabe spricht mit Lächeln : » Nimmer nein , es war ein Pauker , Cipripor , das war sein Name , Bei dem Regiment Dragoner , Wovon jener war der Oberst ; Sicher habt Ihr ihn gesehen , War ein Mohr , ein schwarzer Teufel , Und der Teufel war im Vater , Als er Euch in schönem Dunkel Überraschte und besiegte ; Also teuflisch sind die Kräfte , Die er mir damit verliehen : Doch weil Ihr in reiner Unschuld Seid gefallen von dem Guten , Nur von Einbildung befangen , Wohl so sind mir alle Kräfte Nun zum Guten hingewendet . « - Nun erzählt er ihr ausführlich , Wie der Vater , wenn es dunkel , In des Stiftes Garten kommen , Ziegenfleisch und gelbe Erbsen Von den Fräuleins einzuhandeln , Was zu reichlich war dotieret : Und so hab ihn da Frau Mutter , In dem Wahnsinn alter Liebe , Schmachtend ihn im Kuß umfangen , Hab geglaubt , es sei der Oberst . Das sei gar nicht zu verwundern , War doch seine Stimm nicht schwärzer , Als von allen andern Männern , Trug er doch so gut den Degen Und die Feder auf dem Hute , Schwere Stiefeln , Klapperspornen , Und die Binde und die Krause , Wie der schönste Stabsoffzierer . Die Moral ist nun gewesen : Dieser kleine Mohrenjunge , Der mit recht beredter Zunge , Jetzt geschützt von der Äbtissin , Trat zu ihren alten Fräulein , Und mit rechtem scharfen Besen Aus den Winkeln der Gemüter Hat gefeget weltlich Leben . Die Äbtissin schickt ihn heimlich Zu dem Herzog , der gealtert Jetzt nun gar nichts denken konnte , Sondern alles unterschriebe , Seine besten Freund ließ hängen , Wenn nur zu der rechten Stunde Ihm das Mittagsmahl bereitet . Und der Herzog läßt ihn kommen , Frägt ihn lächelnd , was er könne , Ob er auf dem Seile tanze Oder Kartenkünste mache , Ob er unverbrennlich wäre ? Alles dreies macht der Knabe , Und der Herzog wählt ihn gnädig Sich zum ersten Staatsminister , Und will gerne mit ihm reden Von der wahren Staatsverfassung . Wie ein Buch spricht da der Knabe , Doch der Herzog hat noch nimmer Acht gegeben , was gesprochen ; Und der Knabe kann auch singen Nun verstehet ihn der Herzog , Aber ich verschweig dies Liedchen , Denn es riechet gar zu mystisch . Es beweiset die Verwandlung In dem Kopf des alten Herzogs , Weil er sei der Stein der Weisen , Der Metalle kann verwandeln , Daß zum Chaos alles kehre . Als der Herzog dies vernommen , Wird ihm bange und beklommen , Sieht , wie schon in den Gedanken , Alles Runde sich verwandelt Und die Krone ihm als Mühlrad Und als Suppendeckel scheinet , Während viele list ' ge Feinde Nach der einen Krone trachten , Die auf seinem Haupte wackelt . Klüglich nimmt er an den Jungen , Sich zum Hof- und Staatspropheten , Daß er ihm die Krone halte : Der nun alles weiß , was künftig Bringt die Welt gar bald zum Ende . Und so endet mein Gedicht . Die ungemeine , fast männliche Lebhaftigkeit und Freimütigkeit der kleinen runden Dame hatte alle Zuhörer überrascht ; fast schien sie der kleine Mulatte selbst zu werden . Prediger Frank warf heimlich die Frage auf