sobald es ihm Zeit zu sein gedünkt , verlassen , da es ihm nicht unbemerkt geblieben war , daß er die Empfindsamkeit des schönen Mädchens so hoch hätte hinaufspielen können , als er nur immer gewollt ; dennoch konnte er sich nicht des heimlichen Verdachts gegen sich selbst erwehren , der Mangel an den üblichen Staatskleidungsstücken hätte ihn so plötzlich auf und davon getrieben . Vollends lächerlich erschien es ihm , wenn er überlegte , daß die gräfliche Familie vielleicht diesen Grund als ausgemacht , und sogar als den einzig möglichen annehmen würde . Er beschloß , wenigstens in der Zukunft , sich die beschämende Ungewißheit seiner eigenen Motive zu ersparen . Sobald er daher im Gasthof eingekehrt war , trug er sogleich Sorge , eine Art von Uniform für sich zu bestellen , die man ihm des andern Tags mit allem Dazugehörigen zu liefern versprechen mußte . Soviel er von der großen Stadt im Hineinreiten gesehen , hatte sie wenig Anziehendes für ihn . Roher Lärm , nichtstuende Geschäftigkeit , prahlsüchtige Armseligkeit , leere unteilnehmende Neugierde auf den geräuschvollen Gassen , fiel ihm dieses Mal mehr als jemals widerlich auf . Wahrscheinlich wäre er , ohne sich aufzuhalten , gerade zum andern Tor wieder hinausgeritten , aber es lag ihm daran , Eleonorens Brief an Clementinen selber zu bestellen . Bald nach seiner Ankunft ging er hin . Das Haus war leicht zu finden , denn es ragte durch seine schöne Bauart von allen benachbarten hervor . Am Eingang des Vorhofs lagen auf einer Erhöhung zwei Sphinxe . Die Ungeheuer sahen den Eintretenden so klug und prüfend an , als wollten sie seine Absicht erforschen . Florentin überfiel eine Art Grauen , als er zwischen ihnen durch , über den stillen Platz nach dem Hauptgebäude schritt . Während er gemeldet ward , führte ihn ein Bedienter die breite steinerne Treppe hinan , durch einige Vorzimmer in einen vortrefflich dekorierten Saal , wo er ihn einige Augenblicke zu verweilen ersuchte . Florentin betrachtete einige chinesische Vasen von seltener Größe , welche an den Pfeilern zwischen den großen Flügeltüren sich befanden , die statt der Fenster auf einen Altan führten ; hier standen Orangen- und Zitronenbäume in schön verzierten Gefäßen umher , deren süßer Duft sich im Saal verbreitete . Florentin trat durch eine der offnen Türen hinaus , und fand sich sehr angenehm überrascht , als er in einen weiten vortrefflichen Garten hinuntersah . Dieser grenzte in der Ferne an einen See , dessen lachende Ufer mit weinbepflanzten Hügeln , Kornfeldern , Gebüschen und netten einzelnen Häusern umgeben waren . Im Garten gingen eine Menge Leute , oder saßen im Schatten der hohen Bäume , so daß er ungewiß wurde , ob es ein öffentlicher Garten sei , oder ob er zum Hause gehöre . Ein herrlicher Springbrunnen trug seinen hellen Wasserstrahl beinah bis zur Höhe des Hauses , wo er dann in vielfarbigen glänzenden Kristalltropfen wieder hinunterfiel und sich in ein weites Marmorbecken sammelte ; Weiden und Akazien spiegelten mit vermischtem Grün ihr Laub im klaren Wasserspiegel . Anmutiger grünte der Rasen um ihn her , und die Luft ward durch sein Spiel erfrischt und erquickend . Florentin dachte an das gräfliche Schloß zurück ; ein und derselbe Geist schien dieses sowohl als Clementinens Haus , nur in einem verschiedenen Sinn , zu bewohnen . So wie dort der alte mit dem modernen Geschmack nebeneinander bestand , so kontrastierte hier der steinerne Ernst des Eingangs mit der freundlichen Schönheit des Innern . Er ahndete Clementinens Geist , und ein Ehrfurchtsschauer durchbebte ihn bei dem Gedanken , sie selbst nun bald zu sehen . Indem rauschte ein weiblicher Fußtritt in dem Nebenzimmer , Florentin ging vom Altan zurück . - Es kann nicht Clementina sein , dachte er , der Schritt ist zu rasch . - Betty war es . Er hatte es vergessen , daß er diese hier finden müßte ; jetzt freute er sich , das muntere zierliche Mädchen unverhofft erscheinen zu sehen . Er lief auf sie zu . - » Nicht so ausgelassen ! « rief sie mit komischer Gravität , » begrüßen Sie fein ehrerbietig in mir die Gräfin Clementina . Ich komme in ihrer Person , als bevollmächtigter Minister , und mir haben Sie Ihr Kreditiv zu überreichen . Nun so halten Sie nur Ihre ehrfurchtsvolle Anrede ! Denn Sie sehen doch ganz so aus , als hätten Sie sich eine ersonnen , und wollten sie soeben wieder hinunterschlucken ! « - » Betty ist ja eben das Redenhalten nicht an mir gewohnt worden « , sagte Florentin . - » Nein « , antwortete sie , » Ihre Impromptus sind mir bekannter ; aber ebendarum bin ich neugierig auf Ihre Rede ! Mein Auftrag ist aber , Sie in der Gräfin Clementina Namen hier willkommen zu heißen , und Sie um Nachrichten vom Schloß zu bitten . Heute kann die Gräfin Sie nicht sehen ; sie erholt sich erst jetzt langsam von einem sehr heftigen Anfall ihrer gewöhnlichen Krankheit . « - » So hatte der Graf doch richtig geahndet ! Die Briefe aber waren von ihrer Hand . « - » Sie schrieb sie mit der größten Anstrengung . Außerdem will sie sich heute ruhig verhalten , um morgen imstande zu sein , eine Musik aufführen zu hören , die sie nie versäumt . Sie , Florentin , werden nun durch mich von ihr ersucht , morgen nach dieser Musik sich bei uns einzufinden . « - - » Ich werde erscheinen ; doch wünschte ich auch wohl diese Musik zu hören ; wo wird sie aufgeführt ? « - » Gut , daß Sie fragen ! Ich hätte es beinah vergessen ; die Tante läßt Ihnen zugleich sagen , wenn Sie etwa die Musik zu hören wünschten , so soll Sie jemand zur rechten Zeit abholen und einführen . Sie läßt es Ihnen eigentlich wissen ; das ist eine Auszeichnung , merken Sie sich dies fein . Und nun geschwind ,