ist dir , Tilie , sag , warum so stille ? Tilie : Daß ich nicht spreche , ist dein eigner Wille , Wie konntest du das alles so erzählen , Nur diesen hohlen bangen Ton erwählen , Der wie durch einen dunkeln , tiefen Gang In deiner seltsamen Erzählung klang . Im Anfang folgt ich dir , verließ die helle , Die sterngezierte Nacht , die ernste Schwelle Neugierig überschreitend , drang ich vor , Bis ich mich ganz in Dunkelheit verlor . Du warst so weit , so tief hinein gegangen , Und Tilie konnte dich nicht mehr erlangen . Ich eilte rückwärts , hörte dich nicht mehr , Nur deine Stimme klang noch zu mir her . Ich setzte mich still an der Höhle nieder Und liebte dich nicht , denn du kamst nicht wieder . Ich schaute einsam durch die dunklen Räume , Aus Waldestiefen kamen zarte Träume Und spielten mit des Mondes Geisterbildern , Um meines Freundes Abschied mir zu mildern . Nur eins von allen blieb bei mir zurücke , Die weiße Marmorfrau , und meine Blicke Ließ ich durch Schatten und durch Lichter spähen , Und hoffte fest , die Arme zu ersehen ; Aus den Gebüschen , glaubt ich , muß sie schauen Und könne mir allein ihr Leid vertrauen . Mich ergriffen ihre Worte heftig , wohl war ich Armer in einem langen düstern Gang , und konnte nicht wieder heraus . Ich konnte Tilien nicht antworten ; ich wußte nichts , gar nichts , und hätte fast vom Wetter gesprochen , hätten mir die Hüttenfenster nicht eine freundliche Unterhaltung angeboten . Tilie : Hier oben - Hüttenfenster , sag , wie ist dir ? Hier oben sind ja keine Hütten - Die Auflösung meines Irrtums , der sich nun schon eine ganze halbe Stunde lang in meine Gedankenreihe verflochten hatte , vollendete meine Zerstörung . Mit einem sehr häßlichen Unwillen fuhr ich fort : Was denn sonst Solls sein , was dorten leuchtet ? Sie : Nun , es wird wohl Ein stilles Licht sein , kennst du diese nicht ? Ich : Ein stilles Licht ? - Das ist ein Aberglaube . Tilie : Ein Aberglaube ? - Sag , was nennst du so ? Ich : Ein Aberglaube ? Nun , ein falscher Glaube . Tilie : Wie sprichst du Mann , wie hast du dich verändert ; Die Worte , falsch und schief , versteh ich nicht . Woher sind sie gekommen , hast du sie Aus deiner falschen Welt heraufgebracht ? Ich : Ich meine , liebe Tilie , daß die Lichter Aus der Natur entspringen , und daß jeder Verschiedne Glaube ihres Ursprungs falsch sei . Tilie : Von allem diesem weiß ich nichts . Natürlich Ist alles . Von den stillen Lichtern schweige , Ich ehre sie , sie sind mir lieb . Sehr selten Ists , daß sich eines zeigt ; es gehet dann In meinem Leben sicher etwas Seltnes Und Wunderbares vor , sie schimmern Wie Winke meines Schutzgeists in der Nacht , Und wandeln ferne in der Gegenwart Wie kühnere Minuten meiner Zukunft vor mir . Eusebion lieben sie , er sprach schon oft Mit ihnen , und sie tanzen freundlich um ihn . Willst du mir meine zarten Freunde stören , So gieb mir erst , was sie mir still gewähren . So weit für heut , ich bin so müde . Godwi Godwi an Römer Ich bin schon wieder genesen . Ich gehe schon wieder durch Wald und Flur , und ohne Mühe , ohne Kampf mit dem vorigen . Auch mein Körper ist sanfter gestimmt . Alles ist einfacher in mir . Ich kann lange an einer Stelle stehen , ohne jene innere Angst , die mich immer weitertreibt . O wie ist die Natur so groß , und wie ist der Mensch größer ! Wie kann er sie bändigen in sich ; wie kann er weit hinaus sehen , und so unendlich viel in sein Auge fassen , und es mit seinem Geiste ruhig anfühlen und betrachten . Es ist mir nun alles erklärbar , alles verstehe ich ; es hängen mir nicht mehr um jede Aussicht alle Erinnerungen , und reißen mich von der Gegenwart gewaltsam zurück . Sonst mußte ich immer durch eine düstere Wolke von Reflexionen durchbrechen , um zu genießen . Es ist , als sei nach dieser Krankheit mein Bedürfnis kleiner und mein Begehren heftiger geworden . Der Alte ist nun immer freundlicher mit mir , und ich bringe heilige Stunden mit ihm und Tilien zu . Eins nur kann ich noch nicht lösen ; wer war sie , die mit dem Knaben auf dem Arm am Ende der Wiese stand ? - Godwi Fortsetzung des Tagebuchs Die Worte Tiliens beschämten mich . Ich schwieg . Ich wollte Tilien ihre Götter rauben , und sie blieb mir freundlich . Ich sah in mich zurück und um mich her , da blieb es kalt und leer . Kein Bild sprach mit mir von einem heiligen Zusammenhange mit einem höhern Leben . O , wer giebt mir diese Religion ? Wenn ich Tilien und mit ihr den schönen Zusammenhang mit ihren stillen Lichtern erhalten könnte ! Wie ehre ich nun diese stillen Lichter - Sind sie Tilien , was sie mir ist ? - Sollte mich nicht eine schöne Eifersucht bewegen , an ihre Stelle zu treten , meine Stelle mit ihnen zu vertauschen ? - Wie - wie kann die wilde verzehrende Flamme in mir zum stillen Lichte werden ? - So war es in mir . Tilie ging ruhig an meiner Seite und sang : Sprich aus der Ferne Heimliche Welt , Die sich so gerne Zu mir gesellt . Wenn das Abendrot niedergesunken , Keine freudige Farbe mehr spricht Und die Kränze stilleuchtender Funken Die Nacht um die schattigte Stirne flicht : Wehet der Sterne Heiliger Sinn Leis durch die Ferne Bis zu mir hin . Wenn des Mondes still lindernde